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Flucht vor dem Coronavirus : Flugzeug mit China-Rückkehrern in Frankfurt gelandet

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Der Airbus A310 „Kurt Schumacher“ der Bundeswehr bei seiner Landung am Frankfurter Flughafen. Bild: EPA

Mit etwas Verspätung sind die mehr als 120 Rückkehrer aus China am Samstagnachmittag in Frankfurt am Main eingetroffen. Die Maschine hatte zuvor keine Genehmigung für eine Zwischenlandung in Moskau erhalten und auf Helsinki ausweichen müssen.

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          Das Flugzeug der Bundeswehr mit mehr als 120 Rückkehrern aus dem chinesischen Wuhan an Bord ist am Samstagnachmittag in Frankfurt gelandet. Die Ankunft des Luftwaffenjets „Kurt Schumacher“ erfolgte wegen Umleitung später als geplant.

          Die Maschine hatte zuvor keine Genehmigung für eine Zwischenlandung in Moskau erhalten. Das bestätigte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer. Eine zugesagte Landegenehmigung sei nicht gegeben worden, stattdessen sei die Crew in die finnische Hauptstadt Helsinki umgeleitet worden, sagte die CDU-Politikerin am Samstag in Bonn. Moskau habe dies offiziell mit mangelnden Kapazitäten am Flughafen erklärt. Zunächst hatte die „Bild am Sonntag“ berichtet.

          Der Zwischenstopp auf dem Flug nach Frankfurt am Main war notwendig, um den Regierungs-Airbus aufzutanken und die Piloten auszutauschen, die andernfalls ihre Flugzeit überschreiten würden. Eine A310-Crew war bereits am Donnerstag nach Moskau vorgeflogen, um dort die Maschine übernehmen zu können. Stattdessen brachte die Flugbereitschaft der Luftwaffe am Samstag eine Wechselcrew für den Weiterflug nach Deutschland von Köln nach Helsinki, wie die Bundeswehr mitteilte. 

          Die Nachricht, dass die Landung in Moskau verweigert wird, kam in der Nacht zu Samstag. Wie eine Passagierin der F.A.Z. berichtete, wurden die Rückkehrer noch vor Abflug in Wuhan über den geänderten Zwischenstopp informiert. Nach Informationen von „Bild am Sonntag“ halten Sicherheitskreise den Verweis der russischen Seite auf Platzprobleme für vorgeschoben. Das Verteidigungsministerium wolle laut Kramp-Karrenbauer mit dem Auswärtigen Amt klären, was mögliche weitere Gründe seien. 

          Harsche Kritik an Moskau kam bereit von Unions-Fraktionsvize Johann Wadephul. Der
          CDU-Politiker sagte der Deutschen Presse-Agentur am Samstag: „Das war ein unfreundlicher Akt, der sich nicht wiederholen sollte. Zivilisierte Staaten sollten in humanitären Notlagen zusammenarbeiten. Russland war offenbar die Abweisung einer deutschen Militärmasche wichtiger als die Bereitschaft zur Hilfeleistung in Not geratener Menschen. Das spricht Bände.“ Wadephul ist in der Unions-Bundestagsfraktion zuständig für Außen- und Verteidigungspolitik.

          Keine Verdachtsfälle unter den deutschen Passagieren

          Es gebe unter den Passagieren niemanden, der infiziert sei, und auch keine Verdachtsfälle, sagte Außenminister Heiko Maas am Freitag in Berlin. Die Teilnahme an dem Rückholflug ist freiwillig. Beim Hinflug seien an Bord der Maschine auf Bitten Chinas 10.000 Schutzanzüge mitgenommen worden, die vor Ort gebraucht würden, sagte Maas.

          Nach der Landung am Flughafen Frankfurt sollen die Passagiere für die Inkubationszeit von 14 Tagen in Quarantäne kommen. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums ist dafür eine zentrale Unterbringung in einer Ausbildungskaserne auf dem Luftwaffenstützpunkt Germersheim in Rheinland-Pfalz vorgesehen. Dieser liegt etwa 100 Kilometer vom Flughafen entfernt. 

          Auch die Vereinigten Staaten, Japan und andere Länder haben bereits Staatsbürger aus der Metropole geholt oder planen Rückholaktionen.

          Deutscher auf La Gomera positiv auf Coronavirus getestet

          Die spanischen Gesundheitsbehörden haben erstmals eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus bestätigt. Betroffen sei ein Deutscher auf der Kanareninsel La Gomera, der mit einem der in Deutschland infizierten Patienten in Kontakt gewesen sein soll, teilte die Regierung auf Twitter mit. Er liegt den Angaben nach isoliert in einem Krankenhaus der Insel. Einzelheiten zu Alter oder Herkunftsort des Patienten wurden zunächst nicht bekannt.

          Insgesamt waren fünf Deutsche in La Gomera auf das Virus getestet worden, die in Kontakt mit einem Mann gekommen sein sollen, bei dem in Deutschland das Virus nachgewiesen worden war.

          Die Regierung in Australien verhängte unterdessen ein Einreiseverbot gegen Reisende aus China. Von dem Verbot ausgenommen seien australische Staatsbürger, Menschen mit dauerhaftem Aufenthaltsrecht sowie deren Angehörige, sagte Premierminister Scott Morrison. Ähnliche Schritte hatten zuvor auch die Vereinigten Staaten und Singapur angekündigt.

          Zahl der Toten auf 259 gestiegen

          Das Virus breitet sich unterdessen weiter aus. Die Zahl der Infizierten in China stieg bis Samstag auf 11.791. Mit 46 neuen Todesfällen sind 259 an der Lungenkrankheit gestorben, wie die Gesundheitskommission in Peking berichtete. Es war der bisher stärkste Anstieg der Zahlen innerhalb eines Tages. Allein in der schwer betroffenen Region von Hubei mit der Provinzhauptstadt Wuhan und den umliegenden Städten kamen 45 Tote und 1347 neue Virusfälle hinzu, so dass dort jetzt 7153 Patienten gezählt wurden.

          Außerhalb der Volksrepublik sind in rund 25 Ländern rund 150 Infektionen gezählt. In Deutschland, wo sich erstmals auch ein Kind angesteckt hat, stieg die Zahl auf sieben. Der Vater ist ein infizierter Mann aus dem Landkreis Traunstein. Wie das bayerische Gesundheitsministerium am Freitagabend in München mitteilte, wurde zudem bei einem Mann aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck die Lungenkrankheit bestätigt. Er arbeitet wie die ersten fünf Infizierten in Deutschland beim Autozulieferer Webasto.

          Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärte am Donnerstagabend die Ausbreitung des Virus zu einer „gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite“. Die 190 Mitgliedsländer werden damit von der WHO empfohlene Krisenmaßnahmen untereinander koordinieren.

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