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Faktencheck zum Coronavirus : Was soll ich glauben?

Im Internet kursiert das Gerücht, dass Schmerzmittel den Krankheitsverlauf des Coronavirus verschlimmern, aber stimmt das? Bild: dpa

Verschlimmert Ibuprofen den Krankheitsverlauf des Coronavirus? Hilft Gurgeln gegen die Ansteckung? Überträgt sich das Virus über die Luft? Wahres und Halbwahres kursiert derzeit vor allem im Internet. Was stimmt?

          3 Min.

          „Das Virus überträgt sich über die Luft“

          Lucia Schmidt

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das neuartige Coronavirus wird in erster Linie durch Tröpfchen übertragen. Also dann, wenn uns beim Sprechen, Husten, Niesen oder Schreien Speichel von anderen trifft, in dem das Virus steckt. Gelangen die Tröpfchen über Augen, Mund oder Nase in unseren Körper, können wir uns anstecken. Es gibt erste Untersuchungen, vor allem aus den Vereinigten Staaten, die unter Laborbedingungen zeigen, dass das Virus in der Luft bis zu drei Stunden überleben kann. Experten sagen aber, diese Erkenntnis ist nicht einfach auf den Alltag übertragbar. Sie gehen davon aus, dass das Virus im Freien viel kürzer in der Luft ist, weil es zu Boden sinkt. Das Robert-Koch-Institut schreibt auf seiner Internetseite, dass Übertragungen über die Luft nicht bekannt seien. Deshalb gilt im Moment vor allem: Sollte man soziale Kontakte außerhalb des Hauses haben, sollte man beim Sprechen einen Abstand von mindestens 1,5 bis zwei Metern einhalten, um keine Tröpfchen abzubekommen.

          „Bloß kein Ibuprofen mehr nehmen“

          Tatsächlich hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor einigen Tagen davor gewarnt, bei Verdacht auf eine Infektion mit Sars-CoV-2 das Schmerzmittel Ibuprofen einzunehmen, ein sehr wirksames Mittel bei fieberhaften Erkältungsinfekten. Im Gegensatz zu etwa Paracetamol, das eine ähnliche Wirkung hat, beeinflusst Ibuprofen aber auch die Blutgerinnung. Da das Coronavirus sich bei schweren Verläufen auf das Herz-Kreislauf-System und andere Organe auswirkt, könnte das ein Problem sein, hieß es. Am Donnerstag nahm die WHO die Warnung zurück. Nach genauerer Prüfung gebe es über die bekannten Nebenwirkungen bei bestimmten Bevölkerungsgruppen hinaus keine Hinweise auf negative Ibuprofen-Konsequenzen bei Covid-19-Patienten. Die Einnahme ist also unbedenklich.

          „Corona ist nicht schlimmer als eine normale Grippe oder Erkältung“

          Politiker und Experten bereuen mittlerweile teilweise, dass sie Corona als gleich schlimm wie eine Grippe oder Erkältung bezeichnet haben. Nicht unbedingt, weil am Ende der Krise und unter dem Strich das vielleicht sogar stimmen mag – zumindest für einen großen Prozentsatz der Menschen. Sondern weil es zwischen der bekannten saisonalen Grippe und dem neuartigen Coronavirus entscheidende Unterschiede gibt. Bei Sars-CoV-2 haben wir sehr wenig Erfahrung mit Medikamenten und effektiven Behandlungen. Das macht die Therapie schlichtweg schwieriger als bei einer Influenza. Auch kennen wir immer noch nicht sicher alle Symptome, die das neue Virus mit sich bringt. Daraus ergeben sich auch offene Therapiefragen. Der wohl bedeutsamste Unterschied ist aber: Wir haben keine Impfung und keine Immunität in der Bevölkerung. Wir können also Risikogruppen und medizinisches Personal nicht schützen. Das alles macht das Virus so ansteckend und so viele Menschen auf einen Schlag krank. Und das gefährdet letztlich auch die medizinische Versorgung.

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          „Das Inhalieren von Kochsalzlösung verspricht eine Immunität“

          Das ist natürlich Quatsch. Was an der Aussage stimmt, ist, dass Viren in der Regel ein salziges Milieu nicht mögen und sich in ihm weniger gerne festsetzen. Deshalb rät man bei einer Erkältung zu Nasenspülungen mit Kochsalzlösungen. Wir reden hier also eher von einer präventiven Maßnahme, die sicher nicht schadet, die aber in keiner Weise so effektiv ist wie soziale Distanzierung und Händewaschen. Auf das Inhalieren mit Kochsalzlösung allein sollte sich niemand verlassen.

          „Selbst wenn man keinen Kontakt mit Infizierten hatte, in keinem Risikogebiet war, nicht gereist ist, in keinem Risikoberuf arbeitet und allein wohnt, aber Husten und Schnupfen hat, sollte man sich auf das Coronavirus testen lassen und in Selbstquarantäne gehen.“

          Ein solch konstruierter Fall erfüllt nicht die Kriterien für einen Test. Das Robert-Koch-Institut und viele Kliniken haben die Kriterien für einen Test veröffentlicht. Daran sollte man sich halten, weil die Testkapazitäten begrenzt sind. Wer so, wie oben beschrieben, lebt, hat ein sehr geringes Risiko, an Covid-19 erkrankt zu sein. Was aber immer und auch im Moment sinnvoll ist: Wer krank ist, sollte zu Hause bleiben, um niemanden anzustecken.

          „Wenn eine erkältete Person Schnupfen hat, dann hat sie kein Covid-19“

          Hier sind wir bei der Frage, welche Symptome Menschen mit einer Sars-CoV-2-Infektion zeigen. Die Antwort: sehr unterschiedliche. Ständig lernt die Medizin dazu. Durchfall zählt neuerdings dazu, aber auch Geruchs- und Geschmacksverlust sowie Schnupfen sind Symptome. Noch geht man davon aus, dass tatsächlich Husten, Fieber und Schlappheit die häufigsten Symptome sind. Aber trotzdem: Die Verläufe sind recht unterschiedlich, und wer Kontakt zu einer infizierten Person hatte oder in einem Risikogebiet war, der sollte vorsichtig sein.

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