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Coronavirus in Italien : Die Epidemie darf es nicht nach Mailand schaffen

Bild: AFP

Niemand darf hinein, niemand darf hinaus aus den „roten Zonen“: Italien greift zu drastischen Maßnahmen, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Derweil versucht Matteo Salvini, politisches Kapital aus der Krise zu schlagen.

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          Die Sperrgebiete in Norditalien, seit Sonntagmorgen wegen der Coronavirus-Epidemie abgeriegelt, heißen jetzt offiziell „zone rosse“. Als „rote Zonen“ werden in Italien bei Naturkatastrophen, namentlich nach Erbeben, jene Gebiete bezeichnet, die wegen Gefahr für Leib und Leben nicht betreten werden dürfen. Bei den neuen „roten Zonen“ – eine größere in der Lombardei mit rund 50.000 Menschen und eine kleinere in Venetien mit etwa 3000 Bewohnern – kommt noch hinzu, dass die derzeit dort Eingeschlossenen auch nicht hinaus dürfen.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Die Versorgung der Menschen in den von Polizei und Carabinieri bewachten „roten Zonen“ mit Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs werde durch „sterile Korridore“ sichergestellt, teilte die Regierung mit. Der Chef des nationalen Zivilschutzes, Angelo Borrelli, versicherte, in den „roten Zonen“ werde niemand unversorgt bleiben. Nur in Ausnahmefällen und nach Entscheidung des Präfekten, der in den italienischen Provinzen die Zentralregierung vertritt, dürfen Personen unter strenger Kontrolle die „roten Zonen“ verlassen.

          Ob die Abriegelung der besonders von der Epidemie betroffenen Gebiete tatsächlich die weitere Ausbreitung des Coronavirus eindämmen kann, ob in den „roten Zonen“ Ruhe und Ordnung bewahrt werden können, ob im ganzen Land ruhige Entschiedenheit herrscht oder panische Psychose ausbricht – das alles wird sich erst in einigen Tagen, womöglich erst nach Wochen zeigen. Besondere Sorge bereitet das Szenario, wonach die Epidemie von der „zona rossa“ in der Lombardei auf die Hauptstadt Mailand mit ihren 1,3 Millionen Einwohnern überspringen könnte. Als alarmierendes Zeichen wurde gewertet, dass bei einem Arzt einer Poliklinik der Wirtschaftsmetropole das Virus nachgewiesen wurde.

          Salvini ruft Conte zum Rücktritt auf

          Die Streitkräfte stehen bereit, sollten sich die örtlichen Sicherheitskräfte überfordert zeigen. Italien steht angesichts der Virusepidemie aus China vor einem gesellschaftlichen Experiment: So etwas hat das Land seit Ende des Zweiten Weltkrieges nicht erlebt. Schon gibt es Zank zwischen örtlichen und übergeordneten Behörden. Der Bürgermeister der Urlaubsinsel Ischia im Golf von Neapel hatte verboten, dass Leute aus der Lombardei und Venetien mit der Fähre vom Festland herüberkommen. Der Präfekt der Provinz hat das selektive und mutmaßlich verfassungswidrige Reiseverbot umgehend aufgehoben.

          Derweil versucht der früher Innenminister Matteo Salvini von der rechtsnationalistischen Lega politisches Kapital aus der akuten Krise zu schlagen. Er wirft Regierungschef Conte und der von diesem geführten Linkskoalition vor, den Schutz der Außengrenzen und damit den Schutz der Italiener vernachlässigt zu haben. Namentlich erwähnte Salvini die Entscheidung der Regierung, das Rettungsschiff „Ocean Viking“ mit 274 Migranten aus Afrika in einen sizilianischen Hafen einlaufen zu lassen. Salvini rief Conte zum Rücktritt auf, sollte er „nicht in der Lage sein, Italien und die Italiener zu verteidigen“. Giorgia Meloni von der neofaschistischen Partei „Brüder Italiens“ wandte sich stattdessen gegen die politische Instrumentalisierung der Viruskrise und distanzierte sich damit merklich von ihrem Verbündeten Salvini. Staatspräsident Sergio Mattarella rief die Nation zum Zusammenhalt und die Politiker zum Verantwortungssinn für das gesamte Land auf.

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          Derweil reagieren Italiens Nachbarländer unterschiedlich auf die Gefahr jenseits der Grenzen. In Österreich wird darüber debattiert, ob die vierstündige Unterbrechung des Zugverkehrs über den Brenner und die Blockade eines Zuges – wegen eines falschen Alarms, wie sich später herausstellte – übertriebener Aktionismus oder eine legitime Maßnahme war. In der Schweiz ist bisher nicht von möglichen Grenzkontrollen oder gar -sperrungen die Rede. Täglich passieren etwa 70.000 Pendler die Nordgrenze der Lombardei zum Schweizer Kanton Tessin. In Frankreich verläuft die Debatte bisher ähnlich besonnen wie in der Schweiz. Im Busbahnhof von Lyon wurde am Montagmittag jedoch ein aus Mailand kommender Bus zunächst festgehalten, die Insassen durften nicht aussteigen. 

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