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Coronavirus in China : Deutsche sollen Samstag aus Wuhan ausgeflogen werden

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Ein Charterflugzeug wird auf dem Flughafen Tokio-Haneda für einen Flug nach Wuhan vorbereitet, um japanische Staatsangehörige aus der chinesischen Stadt zu evakuieren. Bild: dpa

Die Vorbereitungen für die Rückholaktion von etwa 100 Deutschen aus Wuhan sind laut Jens Spahn „auf gutem Wege“. Der Rückflug ist wohl für Samstag geplant. Derweil gab es an Bord eines Lufthansa-Flugzeugs einen Verdachtsfall.

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          Etwa hundert Deutsche wollen nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) aus der besonders vom neuartigen Coronavirus betroffenen chinesischen Metropole Wuhan ausgeflogen werden. Die Vorbereitungen zu diesem Flug seien „auf dem guten Wege“, sagte Spahn am Mittwoch im ZDF-„Morgenmagazin“. Wie eine deutsche Wuhan-Bewohnerin der F.A.Z. berichtete, habe sie die Information erhalten, dass die Deutschen am Samstag ausgeflogen werden sollen. Genaue Details seien ihnen noch nicht bekannt gegeben worden. Sie wüssten also noch nicht, ob man sie abhole oder wo sie für die Rückholaktion hinfahren müssten.

          Spahn ließ offen, wie mit den aus Wuhan zurückkehrenden Deutschen nach ihrer Ankunft in Frankfurt am Main umgegangen werde und ob sie womöglich direkt danach isoliert werden. „Wir sind da in Kontakt mit den hessischen Behörden“, sagte der Bundesgesundheitsminister.

          Derweil hat es an Bord einer Lufthansa-Maschine auf dem Weg von Frankfurt am Main in die chinesische Stadt Nanjing einen Verdachtsfall gegeben. Nach der Landung am Mittwochmorgen wurde einer der Passagiere von den chinesischen Behörden als Risikofall eingestuft, wie die Lufthansa bestätigte. Der Chinese soll gehustet haben und zwei Wochen zuvor in der Stadt Wuhan gewesen sein. Ob er tatsächlich infiziert ist, blieb zunächst unklar. Die Passagiere in den drei Reihen vor und hinter dem Mann sowie die Crew wurden daraufhin ebenfalls untersucht. Die Crew ist inzwischen auf dem Rückweg nach Frankfurt. 

          Trotz der mittlerweile betätigten vier Krankheitsfälle auch in Deutschland sagte Spahn, er rate weiter zur „wachsamen Gelassenheit“. Die Krankheitsverläufe der bekannten deutschen Fälle seien „sehr milde“, die deutschen Behörden seien sehr gut vorbereitet. Außerdem agiere China deutlich transparenter als bei der Sars-Epidemie in den Jahren 2002 und 2003. Spahn räumte aber ein, dass er sich von China aber manchmal noch mehr Transparenz wünschen würde.

          Japan und Amerika haben mit Rückholaktion begonnen

          Mindestens 600 EU-Bürger wollen nach Angaben der EU-Kommission aus der vom neuartigen Coronavirus betroffenen chinesischen Metropole Wuhan ausreisen. 14 EU-Länder, darunter Deutschland, hätten der Kommission bislang die Zahl ihrer ausreisewilligen Staatsangehörigen mitgeteilt, sagte EU-Katastrophenschutz-Kommissar Janez Lenarcic am Mittwoch. Die Brüsseler Behörde bemühe sich nun um koordinierte Rückholaktionen, für die sie 75 Prozent die Kosten übernehmen könne. In einer ersten europäisch organisierten Rückholaktion sollten am Mittwoch 250 französische Staatsangehörige aus China ausgeflogen werden.

          Bereits am Dienstag haben mehrere Länder damit begonnen, ihre Landsleute aus der zentralchinesischen Stadt Wuhan auszufliegen. Ein Flugzeug mit Hunderten Japanern landete am Mittwoch auf Tokios internationalem Flughafen Haneda. Die Tokioter Regierung bestätigte Berichte der Nachrichtenagentur Kyodo, wonach vier Passagiere an Bord Husten und Fieber hatten. Ob sie sich mit dem Coronavirus angesteckt hatten, war jedoch zunächst nicht klar. Die Frau und drei Männer, alle zwischen 30 und 50, kamen in separaten Rettungswagen ins Krankenhaus.

          Auch die Vereinigten Staaten haben am Mittwochmorgen mehr als 200 Landsleute aus Wuhan ausgeflogen. Das amerikanische Außenministerium habe den Flug vor allem für Mitarbeiter der amerikanischen Regierung in Wuhan organisiert, bestätigte ein Sprecher der amerikanischen Botschaft in Peking. Wenn ausreichend Platz zur Verfügung stünde, würden auch anderen Bürgern Plätze angeboten, die aber bezahlt werden müssten, hatte es zuvor geheißen. Alle Reisenden seien vor Abflug am Flughafen auf Symptome untersucht worden.

          Wie viele am Ende genau an Bord waren, blieb offen. Der Flug ging nach Angaben des amerikanischen Gesundheitsamtes CDC über Anchorage in Alaska zum Militärflugplatz March Air Reserve Base in Riverside County in Kalifornien, wie das Gesundheitsamt berichtete. Die Insassen würden während des Fluges medizinisch beobachtet, nach der Ankunft in Kalifornien untersucht und auch danach noch auf Symptome überwacht.

          Mehr als 6000 Infizierte weltweit

          Zahlen der chinesischen Behörden vom Mittwoch zufolge starben mittlerweile 132 Menschen an dem neuartigen Coronavirus. Die Gruppe der Infizierten weltweit erhöhte sich auf mehr als 6000 Menschen. Wuhan gilt als Entstehungsort des Virus'. Der Verkehr öffentlicher Verkehrsmittel ist derzeit dort eingestellt. Die chinesischen Behörden versuchen so, die Verbreitung des Virus' zu stoppen. Die Symptome können denen einer Erkältung oder Grippe ähneln, das Virus kann aber auch Lungenentzündungen hervorrufen.

          Takeo Aoyama, ein Mitarbeiter des Stahlherstellers Nippon mit einer Zweigstelle in Wuhan, sagte Reportern, er sei erleichtert, nach Japan zurückkehren zu können. „Wir haben uns immer unwohler gefühlt, während sich die Situation so schnell entwickelte und wir noch in der Stadt waren.“ Er trug einen weißen Mundschutz. Ein anderer Passagier, Takayuki Kato, berichtete, vor und nach dem Betreten des Flugzeugs sei jeweils ihre Temperatur gemessen worden.

          Quarantänezentren für Australier und Neuseeländer

          Auch in Amerika sind Krankenhäuser darauf vorbereitet, Menschen zu behandeln oder in Quarantäne zu nehmen. Der Flieger sollte zuerst Anchorage in Alaska und anschließend Ontario in Kalifornien ansteuern. Südkorea, Frankreich, die Mongolei und andere Regierungen planten ebenfalls Evakuierungen.

          Australien und Neuseeland wollten dabei gemeinsam vorgehen und ihre Bürger aus Wuhans Provinz Hubei zunächst für 14 Tage in ein Quarantänezentrum auf der Weihnachtsinsel bringen. Auf dem australischen Außenterritorium im Indischen Ozean warteten zuvor Asylsuchende und Kriminelle auf ihre Abschiebung. Beide Länder verschärften ebenfalls ihre Reisehinweise. Australien riet von Reisen nach Hubei ab, Neuseeland von allen unnötigen Reisen nach China.

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