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Wegen Coronavirus : Spahn: Rückholaktion für Deutsche ist freiwillig

  • Aktualisiert am

Abgeriegelt: die chinesische Stadt Wuhan Bild: Reuters

Konsularbeamte haben die Deutschen in Wuhan informiert, dass sie am Samstag zum Flughafen kommen sollen, um nach Frankfurt zu fliegen. Wer sich entscheidet mitzufliegen, muss dann aber für zwei Wochen in Quarantäne.

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          Die geplante Rückholaktion deutscher Staatsbürger aus der chinesischen Millionenstadt Wuhan wegen der neuartigen Lungenerkrankung geschieht nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf freiwilliger Basis. Wer sich entscheidet mitzufliegen, muss dann aber auch in Deutschland, wie angekündigt, für zwei Wochen in Quarantäne. Diejenigen, die ausgeflogen werden wollen, seien vorab darüber informiert, dass sie sich „in Deutschland zentral in die Unterbringung begeben müssen und dort eben auch die Kontaktmöglichkeiten eingeschränkt sind“, sagte Spahn am Donnerstag in Berlin. „Sie wissen es vorher, aber nach dem Infektionsschutzgesetz sind natürlich die lokalen Behörden auch in der Lage (...) die entsprechenden Anordnungen zu treffen.“

          Mitfliegen könne außerdem nur, wer symptomfrei sei. „Da kommen erst mal symptomfreie Bürger zu uns und wir wollen checken, ob sie infiziert sind“, sagte Spahn. Nach bisherigen Schätzungen geht es um rund 90 Bundesbürger. Das Flugzeug der Bundeswehr soll in Frankfurt landen. Wo genau die Passagiere danach untergebracht werden, werde derzeit noch abgestimmt, sagte Spahn. Er gehe davon aus, dass darüber in Kürze entschieden werde. Das Deutsche Rote Kreuz habe seine Unterstützung bei Logistik, Begleitung und Betreuung zugesagt.

          Laut der Deutschen Presse-Agentur sollen die Deutschen am Samstag ausgeflogen werden. Die deutschen Konsularbeamten vor Ort hätten die Betroffenen informiert, dass sie dann zum Flughafen kommen sollen, um nach Frankfurt geflogen zu werden, berichtete ein deutscher Ingenieur demnach telefonisch. Aus der Luftwaffe in Deutschland gab es am Donnerstag zunächst keine Bestätigung für einen genauen Flugtermin.

          Die Deutschen müssten den Transport zum Flughafen in der weitgehend stillgelegten Metropole selbst organisieren, sagte der 32-Jährige aus der Nähe von Köln, der seit zweieinhalb Jahren bei einem deutsch-chinesischen Gemeinschaftsunternehmen in Wuhan arbeitet. „Wie viele sich jetzt darauf einlassen, weiß ich nicht.“

          In Deutschland gab es am Donnerstag in einem Fall Entwarnung: Der zweite Verdachtsfall auf das Coronavirus in Brandenburg bestätigte sich nicht. Das Laborergebnis sei negativ, teilte das Gesundheitsministerium am Donnerstag in Potsdam mit. Damit ist die Schülerin aus Potsdam nicht mit dem Erreger infiziert. Sie war am Mittwochabend in das Ernst von Bergmann-Klinikum gebracht worden. Ein erster Fall in Brandenburg hatte sich zuvor ebenfalls nicht bestätigt.

          Auch in Mecklenburg-Vorpommern gibt es einen Coronavirus-Verdachtsfall. Ein vor wenigen Tagen aus China zurückgekehrter junger Mann habe Erkältungssymptome und nachts leichtes Fieber, teilte die Universitätsmedizin Greifswald am Donnerstag mit. „Daher wurde er formal (...) als sogenannter Verdachtsfall eingestuft.“

          In Thüringen gibt es zwei erste Verdachtsfälle auf eine Coronavirus-Infektion. Zwei Personen, die von einer Reise aus China zurückgekehrt sind, wurden mit Symptomen einer Atemwegserkrankung vorsichtshalber in ein Krankenhaus in Erfurt gebracht, wie das Thüringer Gesundheitsministerium am Donnerstag mitteilte. Sie wurden dort isoliert. Eine molekularbiologische Untersuchung in der Berliner Charité sei veranlasst worden, sagte eine Sprecherin des Erfurter Helios-Klinikums. Mit den Ergebnissen sei frühestens im Laufe des Nachmittags zu rechnen.

          Im Kreis Unna in Nordrhein-Westfalen ist ein Mann mit Coronavirus-Verdacht vorsorglich auf die Isolierstation des Klinikums Lünen gebracht worden. Der Mann habe sich mehrere Wochen lang beruflich in der Gegend Wuhan in China aufgehalten und sei am 10. Januar nach Deutschland zurückgekehrt. Wie der Kreis Unna weiter mitteilte, befindet er sich seit dem Donnerstagmorgen in der Klinik, sein Gesundheitszustand sei „nicht besorgniserregend“. In NRW sind außerdem schon in Siegen zwei Patienten mit Coronavirus-Verdacht vorsorglich isoliert worden.

          Russland riegelt wegen des neuartigen Coronavirus seine Grenze zu China teilweise ab. Sie verläuft vor allem im Osten Russlands. Der russische Regierungschef Michail Mischustin ordnete am Donnerstag die Schließung zahlreicher Grenzposten an, wie die Regierung in Moskau mitteilte. Die Beschränkung des Verkehrs solle nur vorübergehend sein. Betroffen seien 16 Grenzübergänge für den Auto- und Zugverkehr. Die Schließung solle in der Nacht zum Freitag erfolgen. Einige Grenzübergänge im äußersten Osten des Landes waren bereits geschlossen worden. In China sind mittlerweile 38 neue Todesfälle vermeldet worden. In mindestens 18 Ländern ist das Virus bestätigt worden.

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