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Neues Coronavirus : Wuhan im Ausnahmezustand

Ein Mitarbeiter am Flughafen in Wuhan misst bei einem Reisenden die Temperatur. Bild: dpa

Um die Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen, hat China alle öffentlichen Verkehrsverbindungen in die Millionenstadt Wuhan gekappt. Wann das Reiseverbot aufgehoben wird, ist noch völlig offen.

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          Die Mitteilung kam mitten in der Nacht und stellte die elf Millionen Bewohner Wuhans vor vollendete Tatsachen: Alle Bus-, Bahn- und Fährverbindungen aus der Hauptstadt der Provinz Wuhan wurden am Donnerstagmorgen um 10 Uhr Ortszeit eingestellt. Der Flughafen und alle Bahnhöfe wurden „für abreisende Passagiere“ geschlossen. Damit wurde die Metropole von der Außenwelt weitgehend abgeriegelt. „Die Bürger sollten Wuhan nur in begründeten Fällen verlassen“, hieß es in der Bekanntmachung. Bis zum Nachmittag war es noch möglich, die Stadt in Privatfahrzeugen zu verlassen. An allen Ausfallstraßen bildeten sich Staus. Doch um 14.30 Uhr meldete das Staatsfernsehen, dass auch die Autobahnen gesperrt würden.   

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Die Dauer des Reiseverbots wurde nicht bekanntgegeben. Nur so viel: Es gelte „bis auf weiteres“. Mit den drastischen Maßnahmen wolle man die weitere Ausbreitung des neuen Coronavirus „effektiv stoppen, den Ausbruch entschieden bekämpfen und die Gesundheit und Sicherheit der Bevölkerung garantieren“, teilte die Stadtregierung mit. Auch innerhalb von Wuhan wurde der öffentliche Nahverkehr stillgelegt. Es fahren keine Busse und U-Bahnen mehr. Das Tragen von Gesichtsmasken in der Öffentlichkeit wurde zur Pflicht erklärt. Das gilt auch in Restaurants, Hotels und Parks. Die Bürger wurden aufgefordert, Personen bei der Polizei anzuzeigen, die sich nicht an die Regel halten. Lokale Medien berichten von Hamsterkäufen. In sozialen Netzwerken riefen Bürger die Regierung auf, die Preise zu kontrollieren, um sicherzustellen, dass Händler sich nicht an der Notsituation bereichern könnten.

          Wie viele Deutsche sich noch in Wuhan befinden, ist derzeit unklar. Die Deutsche Botschaft in Peking teilte mit, dass sie sich um Kontakt zu den Eingeschlossenen bemühe. Sie rief alle Deutschen in China dazu auf, sich in der Datenbank „Elektronische Erfassung von Deutschen im Ausland“ (Elefand) zu registrieren, um die künftige Kommunikation zu erleichtern. Viele deutsche Unternehmen sind in Wuhan vornehmlich mit chinesischen Mitarbeitern vertreten. Als die Bundeskanzlerin Wuhan im vergangenen Jahr besuchte, waren deutsche Firmenvertreter eigens aus anderen Standorten angereist. In Wuhan gibt es zudem viele Universitäten, an denen vermutlich auch deutsche Studenten eingeschrieben sind. Die Hochschulen befinden sich allerdings in den Frühlingsferien.   

          Menschen mit Mundschutz am Flughafen in Peking

          Bilder aus Krankenhäusern in Wuhan zeigen lange Warteschlangen von Personen, die sich auf das Virus testen lassen wollen. Die chinesische Zeitschrift „Caixin“ sprach von „zunehmend emotional angefassten Ärzten“. Die „South China Morning Post“ zitierte besorgte Bürger mit der Aussage, sie seien trotz einschlägiger Symptome nach Hause geschickt worden, statt in die Quarantänebereiche der Krankenhäuser aufgenommen zu werden. Das zeigt zunächst einmal nur, dass viele Bewohner verängstigt sind. Ob sie sich tatsächlich mit dem Virus infiziert haben oder aus anderen Gründen unter Fieber leiden, lässt sich nicht feststellen. Das chinesische Zentrum für Krankheitsbekämpfung bestätigte solche Fälle aber indirekt, indem es mitteilte, allen Kliniken sei untersagt worden, bestätigte oder vermutete Infektionspatienten abzuweisen. Die Ausstattung der Kliniken sei für die Lage ausreichend.

          Ein Ausländer, der in Wuhan genötigt wurde, sich auf das Virus testen zu lassen, berichtete im Internet, er habe drei Stunden in einem Gang voller Menschen warten müssen, die alle Krankheitssymptome gezeigt hätten. Nachdem er die Testprozedur durchlaufen hatte, bewertete er sie aber als angemessen.

          Die Bewohner Wuhans hatten nur wenige Stunden Zeit, sich auf die neue Situation vorzubereiten oder die Stadt noch rechtzeitig zu verlassen. In einer Pressekonferenz um 23 Uhr am Mittwochabend war von einer Abriegelung noch mit keinem Wort die Rede gewesen. Allerdings machte da schon eine Anweisung die Runde, wonach es allen Regierungsmitarbeitern und Parteikadern in Wuhan untersagt sei, die Stadt zu verlassen. Erst um 3.30 Uhr in der Nacht kam dann die Information über die bevorstehende Aussetzung des Reiseverkehrs. Sie trat an einem der Hauptreisetage des Frühlingsfestes in Kraft. Am Freitagabend beginnen die Feierlichkeiten zum Neujahr.

          17 Patienten gestorben

          Nach Angaben der örtlichen Gesundheitsbehörde sind inzwischen 17 Patienten an den Folgen der neuen Lungenkrankheit gestorben. Alle bekannten Todesfälle sind in der Provinz Hubei aufgetreten, deren Hauptstadt Wuhan ist. Rund vier Fünftel aller Personen, bei denen das Virus nachgewiesen wurde, befinden sich in Hubei. Die Gesamtzahl liegt inzwischen bei mehr als 540.

          Passagiere, die aus Wuhan kommen, müssen sich in Tokio einer besonderen Untersuchung unterziehen.

          In ganz China gab es am Donnerstag einen sprunghaften Anstieg der Nachfrage nach Taucherbrillen. Grund dafür waren Äußerungen eines leitenden Pekinger Lungenarztes, der sich bei einer Erkundungsmission in Wuhan selbst mit dem Virus infiziert hatte, inzwischen aber wieder auf dem Weg der Besserung ist. Wang Guangfa schrieb auf Weibo, er vermute, dass er sich über die Bindehaut seines linken Auges angesteckt habe, die nach seinem Besuch entzündet gewesen sei. In einigen Fieberkliniken habe er anders als in der Quarantänestation des Krankenhauses, in dem die schwersten Fälle behandelt werden, keinen Augenschutz getragen.

          Damit weckte er die Sorge, dass es nicht ausreiche, eine Gesichtsmaske zu tragen. Nachdem Taucherbrillen an einigen Orten ausverkauft waren, meldete sich der Arzt abermals zu Wort. Er habe nicht sagen wollen, dass jeder Bürger eine Taucherbrille brauche. Vielmehr habe er Kliniken auffordern wollen, ihre Mitarbeiter besser zu schützen.

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