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Coronavirus : Er schlug als Erster Alarm

Li Wenliang hat sich bei der Behandlung seiner Patienten mit dem Virus angesteckt. Bild: privat

Der chinesische Augenarzt Li Wenliang wies Ende Dezember als einer der ersten auf das neuartige Coronavirus hin. Er musste eine Unterlassungserklärung unterschreiben. Inzwischen schweigt er nicht mehr.

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          China hat einen neuen Helden. Der Mann heißt Li Wenliang und arbeitet als Augenarzt in einem Krankenhaus in Wuhan. Li war einer der Ersten, die die Gefahr des neuen Coronavirus erkannt und Alarm geschlagen hatten. Am 30. Dezember schrieb er über das soziale Netzwerk Wechat an befreundete Ärzte, dass es in seiner Abteilung auffällig viele Patienten gebe, die sich mit einem Sars-ähnlichen Virus infiziert hätten. Jemand anderes verbreitete den Hinweis im Internet.

          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          Der Polizei und der Gesundheitsbehörde in Wuhan gefiel das gar nicht. Noch am selben Tag wurde er mitten in der Nacht einbestellt und verhört. Schließlich musste er eine Erklärung unterschreiben, wonach er „falsche Angaben“ gemacht und „die öffentliche Ordnung in ernster Weise bedroht“ habe. Die Polizei drohte ihm mit gerichtlichen Konsequenzen, falls er nicht umgehend schweigen und sein „illegales Verhalten“ beenden werde. Auch andere Ärzte waren jetzt gewarnt – und hielten den Mund; womöglich mit verheerenden Folgen.

          Li Wenliang tut das jetzt nicht mehr. Er hat das polizeiliche Schweigediktat im Internet veröffentlicht. Das Papier ist zum Symbol für eine Politik der Verharmlosung geworden, mit der die Behörden in Wuhan den Ausbruch der Epidemie in den ersten Wochen offenbar vertuschen wollten. Seither wird er in der Öffentlichkeit mit Respektbekundungen überschüttet. „Sie haben das Leben meiner Familie gerettet“, schrieb ein Internetnutzer, der schon die erste Botschaft des Arztes am 30. Dezember gelesen und daraufhin seine Kinder angewiesen hatte, nicht mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren. „Ich danke Ihnen.“

          „Dieser Nation mangelt es nicht an Rückgrat“

          Am Wochenende meldete sich Li Wenliang noch einmal zu Wort, diesmal in eigener Sache. „Es ist nun bestätigt“, schrieb er. Dazu postete er ein Foto, das ihn in einem Isolierzimmer auf der Intensivstation zeigt. Der Augenarzt hat sich selbst mit dem Coronavirus infiziert, als er eine Patientin behandelt hatte. Anschließend hat er offenbar seine Eltern angesteckt. Auch sie liegen nun im Krankenhaus.

          Die Sympathien für Li Wenliang in der Bevölkerung sind so groß, dass dem Staatsapparat nichts anderes übrigblieb, als ihm ebenfalls Respekt zu zollen. Es wäre gut gewesen, schrieb der Oberste Gerichtshof mit einem Seitenhieb gegen die lokalen Behörden, „wenn die Öffentlichkeit die ‚Gerüchte‘ geglaubt hätte“. Dann hätte das Virus womöglich schneller eingedämmt werden können. „Gerüchte enden dort, wo Offenheit beginnt“, bekannte der Gerichtshof.

          Ein führender Vertreter des Zentrums für Krankheitsbekämpfung gab zu, Li und sieben andere Ärzte, die wegen der Verbreitung von Gerüchten verwarnt worden waren, hätten Weitsicht bewiesen. Ihr Handeln sei „bewundernswert“. Den Zynikern war das nicht genug. „Dieser Nation mangelt es nicht an Rückgrat“, schrieb einer. „Aber später unterschreiben sie alle ihre eigene Abmahnung.“

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