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8769 Neuinfektionen : Fünf Bundesländer mit Inzidenz von unter 50

  • Aktualisiert am

In immer mehr Kommunen dürfen die Gastronomen die Stühle wieder rausstellen. Bild: dpa

Die Zahl der Ansteckungen geht laut dem Robert-Koch-Institut weiter zurück. Auch die Sieben-Tage-Inzidenz sinkt. Die Werte könnten jedoch ungenau sein. Die Hausärzte haben die Impfzentren beim Verabreichen von Dosen überholt.

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          Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert-Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 8769 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Das geht aus Zahlen vom Freitagmorgen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 5.08 Uhr wiedergeben. Zum Vergleich: Vor einer Woche hatte der Wert bei 11.336 Ansteckungen gelegen. Die Sieben-Tage-Inzidenz gab das RKI am Freitagmorgen mit bundesweit 67,3 an (Vortag: 68,0; Vorwoche: 96,5).

          Allerdings könnte die Inzidenz ein besseres Bild der Infektionslage zeichnen, als sie tatsächlich ist. Denn aufgrund von Feier- und Brückentagen wie in der vergangenen Woche suchen dem RKI zufolge weniger Personen einen Arzt auf, wodurch weniger Proben genommen und weniger Laboruntersuchungen durchgeführt werden. Dies führt dazu, dass weniger Erregernachweise an die Gesundheitsämter gemeldet werden.

          Anstieg der Todesfälle im Vergleich zur Vorwoche

          Deutschlandweit wurden den Angaben nach binnen 24 Stunden 226 neue Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 190 Tote gewesen.

          Mit Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg verzeichnen nun fünf Bundesländer eine Inzidenz von unter 50. Thüringen verharrt mit 106,4 als einziges Land über dem Schwellenwert 100, ab dem die bundesweit verabredete Notbremse mit Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen gilt. Unterhalb dieses Wertes in Landkreisen und Städten können Bundesländer Öffnungsschritte gehen, die etliche Landesregierungen auch bereits umgesetzt und angekündigt haben. Das RKI meldet noch 52 Landkreise und Städte, die über 100 liegen. Dagegen liegen 123 nun wieder unter einer Inzidenz von 50, was dort weitere Lockerungen erlaubt.

          Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie insgesamt 3.635.162 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte aber deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit etwa 3.374.600 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, wird nun mit 87.128 angegeben.

          Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht von Donnerstagabend bei 0,82 (Vortag: 0,76). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 82 weitere Menschen anstecken. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab; liegt er anhaltend darüber, steigen die Fallzahlen.

          Die deutschen Hausarztpraxen haben nach Angaben der Bundesregierung die Impfzentren bei der Verabreichung von Corona-Impfungen überholt. „Derzeit stehen wöchentlich rund drei Millionen Impfdosen von Biontech und Astrazeneca für die Impfungen in Arztpraxen zur Verfügung“, sagte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums den Zeitungen Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die Impfzentren bekämen aktuell lediglich noch 2,25 Millionen Dosen pro Woche.

          Ab Juni werde sich die an die Praxen gelieferte Menge voraussichtlich noch „erheblich steigern“, sagte der Ministeriumssprecher. In der letzten Woche im Mai würden zudem 540.000 Dosen des Vakzins des Herstellers Johnson & Johnson an Betriebs- und Hausärzte gehen.

          Ohne Maske einkaufen? Pläne vom Tisch

          Angesichts steigender Impfquoten und sinkender Infektionszahlen planen derweil Immer mehr Bundesländer weitreichende Corona-Lockerungen. In Niedersachsen durften die Bürger sogar zeitweise darauf hoffen, dass sie nach Pfingsten ohne Maske einkaufen gehen dürfen. Die Landesregierung hatte laut einem Entwurf geplant, die Maskenpflicht im Einzelhandel in Regionen mit einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz unter 35 aufzuheben. Hintergrund war wohl auch der Druck aus dem Einzelhandel. Nach einer Welle des Protests in den sozialen Netzwerken und Kritik, unter anderem vom Marburger Bund, ruderte die Landesregierung am Freitag zurück. Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) erklärte auf Twitter: „Es wird keine Aufhebung der Pflicht zur Mund-Nasen-Bedeckung in #Niedersachsen geben. #MNB rettet Leben.“

          Erste Lockerungen für Einzelhandel, Tourismus und Gastronomie hatten in Niedersachsen bereits vor eineinhalb Wochen gegriffen. Die Regel, zunächst nur Bürgern des Bundeslandes touristische Übernachtungen zu erlauben, wurde am Dienstag vom Oberverwaltungsgericht gekippt. Zum langen Pfingstwochenende steht nun ein Ansturm auch auswärtiger Gäste bevor, es gelten aber strenge Testpflichten und Kapazitätsgrenzen.

          Bundesländer lockern

          In den vergangenen Tagen hatte eine ganze Reihe von Bundesländern teils kräftige Lockerungen der Corona-Beschränkungen angekündigt, falls die Sieben-Tage-Indizenz stabil unter 100 Infektionen pro 100 000 Einwohnern liegt. Manche haben auch bereits Lockerungen in Angriff genommen. Eine Aufhebung der Maskenpflicht im Einzelhandel ist aber ein besonders weitreichender Schritt, gilt doch das Tragen einer Maske neben Abstandhalten und Händewaschen zu den grundlegenden Schutzmaßnahmen gegen eine Corona-Infektion.

          Kinder von 6 bis 16 Jahren müssen in Deutschland künftig in vielen Fällen zumindest keine FFP2-Masken mehr tragen. Der Bundestag strich am Donnerstagabend eine entsprechende Verpflichtung aus dem Infektionsschutzgesetz. Wenn der Bundesrat ebenfalls zustimmt, ist in Bussen und Bahnen, bei Friseurbesuchen oder medizinischen Terminen für Kinder künftig eine einfache OP-Maske ausreichend. Kinder unter sechs Jahren sind ohnehin generell von der Maskenpflicht ausgenommen.

          Gleichzeitig hat der Bundestag strengere Strafen für das Fälschen von Impfpässen beschlossen. Wer gefälschte Impfdokumente oder Testergebnisse nutzt, muss mit bis zu einem Jahr Gefängnis rechnen. Für das Eintragen falscher Angaben drohen sogar zwei Jahre Haft.

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