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Coronavirus : Eine Gefahr für die Welt

  • -Aktualisiert am

Coronaviren Bild: Health Protection Agency

Die Weltgesundheitsorganisation schätzt das neue Coronavirus als großes Problem ein - und mahnt Zusammenarbeit an. 22 Menschen starben bislang an der Infektion, die grippeähnliche Symptome hervorruft.

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          Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat jetzt mit eindeutigen Worten vor dem neuen Coronavirus Mers-CoV gewarnt. Unter allen Gesundheitsproblemen mache ihr dieser Erreger „derzeit die größten Sorgen“, sagte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan in Genf zum Abschluss der 66. Weltgesundheitsversammlung am Montag. „Das neue Coronavirus ist eine Gefahr für die ganze Welt.“ 22 Patienten starben bislang an der Infektion, die grippeähnliche Symptome hervorruft und unter anderem zu lebensgefährlichen Entzündungen der Atemwege führen kann.

          Der WHO wurden vom September 2012 bis zum 23. Mai aus acht Ländern insgesamt 44 bestätigte Infektionen mit dem neuen Erreger gemeldet. Das Virus war zum ersten Mal im Sommer 2012 in der Golfregion aufgetreten. Besonders alarmiert sind Virologen, weil auch der Sars-Erreger zu den Coronaviren gehört. An diesem plötzlich neu aufgetretenen Virus starben in den Jahren 2002 und 2003 fast 800 Menschen, bevor der Erreger nach intensiver weltumspannender Infektionskontrolle zurückgedrängt werden konnte.

          Coronaviren sind eine Gattung von Erregern, die in den dreißiger Jahren zum ersten Mal beim Tier nachgewiesen wurden. Bis heute kennt man Coronavirus-Arten, die Atemwegserkrankungen bei Ratten und Hühnern, aber auch Erbrechen und Durchfall bei Schweinen oder Kälbern hervorrufen. Unter den für Tiere pathogenen Coronaviren ist vor allem das Feline Coronavirus bekannt geworden, das viele Hauskatzen trifft, rasch durch Kontakt übertragen wird und eine schwere Bauchfellentzündung hervorruft. Auf der Oberfläche der Viren finden sich keulenförmige Ausstülpungen, die an den Strahlenkranz, die Corona, der Sonne erinnern. So entstand der Name der Gattung. Die ersten für den Menschen gefährlichen Coronaviren entdeckte man in den sechziger Jahren. Die meisten der bis heute gefundenen humanen Coronaviren führen nur zu einem harmlosen Schnupfen.

          Wenig Wissen über Herkunft und Entstehung

          Beim Sars-Virus sah das vor zehn Jahren anders aus: Infizierte erlitten ein schweres Atemnotsyndrom. Man nimmt heute an, dass im Fall von Sars nicht verschiedene humanpathogene Coronaviren zusammenfanden, sondern dass ein auf Tiere spezialisiertes Coronavirus die Fähigkeit erlangt hat, Menschen zu befallen. Vom neuen Erreger Mers-CoV weiß man noch zu wenig, was Herkunft und Entstehung betrifft. Deutsche Wissenschaftler wie der Bonner Virologe Christian Drosten klagen, dass aus den Ursprungsländern, etwa Saudi-Arabien, keine Proben verschickt werden, so dass der Stammbaum des Virus nur unter großen Schwierigkeiten angelegt werden kann. Es wird auch für möglich gehalten, dass in der Golfregion viele Menschen mit schwachen Symptomen erkrankt sind. Die Daten über schwer Erkrankte, die über das Meldesystem ProMed-Mail weitergegeben werden, tragen häufig die Angabe „Underlying Condition“, was darauf hinweist, dass die Patienten unter Vorerkrankungen leiden. Häufig wird von Menschen mit schon zuvor geschwächtem Immunsystem berichtet.

          Auch die WHO mahnt mehr Daten aus den betreffenden Ländern an: „Das neue Coronavirus ist nicht ein Problem, das ein einzelnes betroffenes Land allein für sich lösen kann“, hieß es in Genf. Die WHO-Statistik zeigt, dass Ansteckungen vor allem im Nahen Osten registriert wurden - in Saudi-Arabien, Jordanien, Qatar und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Allein die Gesundheitsbehörden Saudi-Arabiens meldeten demnach 22 Erkrankungen mit zehn Todesfällen. In Deutschland, Frankreich, Tunesien und Großbritannien seien Fälle aufgetreten, die wahrscheinlich im Zusammenhang mit Reisen in die betreffenden Nahost-Länder stehen. In München war im März ein 73 Jahre alter Patient an einer Coronavirus-Infektion gestorben, der aus Abu Dhabi stammte. Im Universitätsklinikum Essen hatte man im Oktober einen Patienten aus Quatar behandelt. Der Mann war aus seinem Heimatland ausgeflogen worden, um in Deutschland behandelt zu werden, wo er sich schließlich von der Infektion erholte.

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