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Rassismus und Corona : Gegen den Hass

  • -Aktualisiert am

Dem Schauspieler Tzi Ma („Mulan“) wurde beim Einkaufen gesagt, er solle gefälligst in Quarantäne gehen – weil er asiatisch aussieht. Bild: AP

Das „chinesische Virus“ nannte Trump Corona, rassistische Beleidigungen gegen asiatisch aussehende Menschen folgten. Filmschaffende wehren sich nun gegen Vorurteile und Hass.

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          Am Anfang war ein Tweet. „Die Vereinigten Staaten werden mit aller Kraft die Branchen unterstützen, die besonders von dem chinesischen Virus betroffen sind“, schrieb der Präsident Donald Trump, als das Coronavirus vor zwei Wochen begann, auch Amerika in ungeahntem Tempo heimzusuchen. Unter Hollywoods Filmschaffenden mit asiatischen Wurzeln kam Unruhe auf. Chinesisches Virus? Ein Virus habe keine Nationalität, entrüstete sich Shannon Lee, die Tochter des Kampfkünstlers und Schauspielers Bruce Lee. „Es hilft nicht weiter, Asiaten anzugreifen, zu dämonisieren und zu ächten“, mahnte sie auf der Instagram-Seite ihres verstorbenen Vaters.

          Die ersten Beleidigungen ließen nicht lange auf sich warten. Dem Schauspieler Tzi Ma, der gerade für Hollywoods Version des chinesischen Klassikers „Mulan“ vor der Kamera stand, wurde beim Einkaufen in Pasadena aufgetragen, sich gefälligst in Quarantäne zu begeben. Der Filmemacher Eugene Lee Yang („The Try Guys“) wurde Zeuge, wie die Kundin eines Coffeeshops einen Kaffee ablehnte, weil er von einer Barista mit asiatischen Gesichtszügen zubereitet worden war.

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          Weijia Jiang, die für den Fernsehsender CBS aus dem Weißen Haus berichtet, empörte sich über die Wortwahl eines Mitarbeiters des Präsidenten. „Er betitelte das Coronavirus vor mir als ,Kung Flu‘. Ich kann nur ahnen, wie sie es hinter meinem Rücken nennen“, twitterte die Journalistin. Der „Westworld“-Darsteller Leonard Nam warnte derweil vor offenem Fremdenhass. „In Corona-Zeiten werden Asiaten überall auf der Welt mit Rassismus konfrontiert. Hass und Gewalt werden weiter geschürt, wenn einflussreiche Personen von einem ,chinesischen Virus‘ sprechen.“

          In den sozialen Medien erinnern Filmschaffende mit Wurzeln in China, Japan, Korea oder Pazifikinseln wie Hawaii, Guam und Samoa inzwischen an den Chinese Exclusion Act aus dem Jahr 1882. Das Gesetz, das erste der Vereinigten Staaten, das die Einwanderung einer ethnischen Gruppe untersagte, schürte damals Vorurteile und hinderte Tausende an der Einreise. Gemeinsam mit der asiatisch-amerikanischen Kommunikationsagentur IW Group rief Tzi Ma gegen die Diskriminierung die Initiative #WashTheHate ins Leben. Auch der Branchenverband Women in Animation (WIA) mahnte in einem offenen Brief zu mehr Miteinander. Viele ältere Asiaten gingen nicht mehr allein auf die Straße. In New York gebe es eine Facebookgruppe, die sich aus Angst vor Übergriffen zu gemeinsamen Fahrten in U-Bahn oder Bus verabrede. „Einige Leute nutzen die Pandemie, um Hass zu verbreiten. Das kann genauso tödlich sein wie das Virus selbst“, schrieb die WIA-Chefin Marge Dean.

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