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Ansteckung verhindern : Das hustende Klassenzimmer

Schüler einer Grundschulklasse: Wenn Sie genau hinschauen, das Kind vorne rechts hat eine Maske auf. Bild: dpa

Da junge Menschen trotz einer Corona-Erkrankung häufig keine Symptome zeigen, ist Hygiene in Schulen besonders wichtig. Krankenhaushygieniker raten deshalb zu Masken – und zum Fieber messen.

          4 Min.

          Zu kaltes Wasser an den Waschbecken? Kaum Seife? Zu wenig Disziplin beim Händewaschen? Mit der Öffnung der Schulen stehen die Anforderungen an die Hygiene im Fokus. Jede Schule muss Schüler und Lehrer so gut es geht vor einer Infektion schützen. Was empfehlen Krankenhaushygieniker, die tagtäglich gegen Erreger kämpfen?

          Karin Truscheit
          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Fieber messen zum Beispiel. Und zwar schon am Schultor, mit einem kontaktlosen Infrarot-Thermometer. Das dauert zwei, drei Sekunden pro Person. Schon bei milden Symptomen wie unklarem Husten und erhöhter Temperatur oder nur erhöhter Temperatur bis hin zu Fieber sollten Schüler nach Hause geschickt werden. Denn 40 bis 60 Prozent der mit Sars-CoV-2 Infizierten mit Symptomen haben auch Fieber, wie Benjamin Würstl hervorhebt, Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie. Er leitet die Stabsstelle Krankenhaushygiene und Infektionsprävention des aus fünf Krankenhäusern bestehenden Verbunds München Klinik. Die München Klinik hat in Deutschland die längste Erfahrung im Umgang mit Covid-19-Patienten: Im Januar wurden in der München Klinik Schwabing die ersten Infizierten aus dem sogenannten Webasto-Cluster in Isolierzimmern behandelt. Würstl und sein Team sind seitdem unter anderem damit betraut, den Schutz von Ärzten, Pflegern und Patienten vor einer Infektion mit Sars-CoV-2 zu gewährleisten. Infektionsquellen frühzeitig zu finden, ist dabei von großer Bedeutung.

          Asymptomatische Überträger

          An Schulen ist das besonders wichtig. Denn Infektiologen sehen Kinder und Jugendliche im Zusammenhang mit Sars-CoV-2 als „undetektierte Streuungspersonen“. Infizierte Kinder haben laut der Stellungnahme „Wiedereröffnung von Bildungseinrichtungen“ des Robert-Koch-Instituts häufig einen Verlauf ohne Symptome (asymptomatisch) oder nur mit sehr milden Symptomen. Sie werden also oft nicht als „krank“ erkannt. Doch gerade Personen ohne Symptome sowie frisch Infizierte, bei denen sich noch keine Symptome ausgebildet haben (präsymptomatisch), „spielen im aktuellen Infektionsgeschehen prozentual eine wichtige Rolle“. Nach bisheriger Einschätzung beginnen Infizierte mit der Übertragung der Viren etwa zwei bis drei Tage, bevor sie selbst Symptome entwickeln. Und der Höhepunkt dieser „Ausscheidungen“ liegt ungefähr 24 Stunden um den Zeitpunkt des Beginns der Symptome. Nach neueren Erkenntnissen wird vermutet, dass die Übertragung von infektionsfähigen Viren bis zu sieben Tage nach Symptombeginn anhält, bevor sie stark abfällt.

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          Da also nicht alle potentiell infizierten Schüler (schnell genug) entdeckt werden können, ist der Schutz vor den Viren entscheidend. Würstl, der mit seinem Team in umfangreichen Tests die Raumluft der Isolierzimmer der Covid-19-Patienten untersucht hat, verweist auf die beiden Arten von Partikeln, mit deren Hilfe Sars-CoV-2 aus den Atemwegen über die Luft übertragen wird: Es sind nicht nur Tröpfchen, sondern auch Tröpfchenkerne. Tröpfchen sind mit Flüssigkeit angereichert und im Durchmesser größer als fünf Mikrometer, sie werden beim Husten oder Sprechen abgegeben. Diese Tröpfchen, über die das Virus vermutlich überwiegend übertragen wird, haben etwa eine Reichweite von ein bis zwei Metern. Sie bleiben, da relativ schwer, nicht lange in der Luft und sinken dann auf Oberflächen wie Tische und Fußböden. Tröpfchenkerne hingegen, die sogenannten Aerosole, sind kleiner als fünf Mikrometer, die Flüssigkeit ist hier schon verdunstet. Sie sind leichter als Tröpfchen, sinken nicht so schnell ab und halten sich daher länger in der Luft. Erreger wie das Varizella-Zoster-Virus haften zum Beispiel an Tröpfchenkernen, der geläufige Name der dazugehörigen Krankheit beschreibt die Leichtigkeit der Übertragung: Windpocken.

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