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Studie am Klinikum Fulda : Von 1800 Personen nur 18 positiv getestet

Eine wissenschaftliche Mitarbeiterin mit Coronavirus-Testproben. Bild: dpa

Das Klinikum Fulda hat getestet, wie viele Mitarbeiter schon mit dem Coronavirus infiziert waren. Eine Hoffnung war, dass es schon viel mehr immunisierte Menschen gibt als erkannt infizierte. Das Ergebnis ist enttäuschend.

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          Eine Virus-Epidemie wie Covid-19 lässt sich nur auf eine Weise besiegen: durch Immunität. Immun wird man entweder durch einen Impfstoff oder eine überstandene Infektion. Wer sich mit Sars-CoV-2 infiziert, wird aber oft nicht krank, oder die Symptome sind so mild, dass die Infektion unbemerkt bleibt. „Eine unserer Hoffnungen ist“, sagt der Immunologe Peter M. Kern, „dass es schon viel mehr still immunisierte Menschen gibt als erkannt infizierte.“ Da mit einem Impfstoff nicht vor 2021 zu rechnen ist, hat Kern versucht, mit einer Studie herauszufinden, wie viele Mitarbeiter sich am Klinikum Fulda schon mit dem Coronavirus infiziert haben. Davon erhoffte sich der Direktor der Medizinischen Klinik IV, zu der auch die Immunologie gehört, Planungssicherheit für sein Krankenhaus.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          „Es ist wichtig zu wissen, wer schon immun ist und wer sich noch infizieren könnte und künftig womöglich ausfällt“, sagt Kern. „Unser Primäransatz war darum, die Mitarbeiter im direkten Patientenkontakt zu testen.“ Die Teilnahme war freiwillig, das Interesse riesengroß. „Mehr als 90 Prozent unserer Mitarbeiter nahmen teil.“ Damit ist die Studie aber nicht repräsentativ, was Kerns Team die Arbeit auch erleichterte: Denn es musste keine Gruppe zusammenstellen, die stellvertretend für eine Grundgesamtheit steht, etwa die ganze deutsche Bevölkerung. Anfang April begann die Planung, die ersten Messungen fanden am 9. April statt. Den Teilnehmern wurde vor allem Blut entnommen, das auf die Antikörper Immunglobulin-G (IgG) und -A (IgA) getestet wurde.

          „Diese Hoffnung hat uns die Studie genommen“

          Von rund 1800 getesteten Personen, was immerhin knapp einem Prozent der Bevölkerung des Landkreises Fulda entspricht, wurden 18 positiv auf Sars-CoV-2 getestet. Das wiederum sind exakt 1,0 Prozent. Kern nennt es ein enttäuschendes Ergebnis, er habe mit einer höheren Grundimmunität von bis zu drei Prozent gerechnet. Zuvor hatte es am Klinikum Fulda unter den Mitarbeitern drei bestätigte Infektionen gegeben, keine davon mit schwerem Krankheitsverlauf. „Die Hoffnung auf weitere unerkannte, durchgemachte Infektionen mit Immunität hat uns die Studie nun genommen“, sagt Kern.

          Allerdings gab es bisher auch nur wenige Covid-19-Fälle am Klinikum Fulda mit seinen 1100 Betten. Das Zentrumsklinikum für Osthessen hat einen Einzugsbereich von einer halben Million Menschen. Es ist der Maximalversorger und zugleich für die Region die koordinierende Klinik, was Sars-CoV-2 angeht. Nach Angaben Kerns wurden bisher 32 Covid-19-Patienten stationär behandelt, aktuell sind es noch zwölf. Davon seien zehn schwer betroffen und müssten beatmet werden. Regulär hat das Krankenhaus 30 Beatmungsplätze, die im Zuge der Vorhaltung aktuell auf 40 erhöht wurden. „Im Rahmen eines Notfallstufenplans könnten wir auf 70 Plätze aufstocken.“ Zwei der Erkrankten sind unter 60 Jahre alt, die anderen weit darüber. Vier Personen sind bisher gestorben, einer war unter 60. „Im Vergleich zu anderen Regionen ist das wenig“, sagt Kern.

          Deutschland ist ein Immunitätsmosaik

          Zumindest weiß er nun, dass es am Klinikum Fulda keine nennenswerte Anzahl an Infektionen gegeben hat. Statistisch gesehen aber hat seine Studie wenig Wert. „Ein Prozent ist gleich null Prozent“, sagt Kern. Denn kein Test sei fehlerfrei. In diesem Fall liege die Fehlerquote sogar bei 1,3 Prozent. Das heißt, es müssen weitere genaue Analysen folgen, was Bestätigungstests einschließt, aber auch Untersuchungen der Vorgeschichten der 18 positiv Getesteten. Nur so lässt sich klären, ob jeweils tatsächlich eine Infektion vorlag.

          Dennoch wäre das eine Prozent am Klinikum Fulda noch sehr weit entfernt von den 15 Prozent in Gangelt im Kreis Heinsberg. Dort hatten Tests ergeben, dass sich schon fast jeder sechste Bürger mit dem Coronavirus infiziert habe und immun sein könnte. Kern geht von einem Immunitätsmosaik für Deutschland aus – mit Hotspots wie in Gangelt mit einer Infektionsrate derzeit von maximal 15 Prozent und Regionen wie Fulda von höchstens einem.

          „Die Raten werden in den nächsten Monaten wachsen, aber unterschiedlich schnell.“ Bei der jetzigen Infektionsgeschwindigkeit allerdings würde Deutschland die sogenannte Herdenimmunität, bei der sich das Virus nicht mehr ausbreiten kann, weil 70 Prozent der Menschen immun sind, erst in 15 Jahren erreichen.

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