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Lernen trotz Virus : Schule statt Corona-frei

Ein Achtklässler tippt auf einem iPad - durch die Schulschließung wird digitales Lernen wichtiger. Bild: dpa

In der Corona-Krise gibt es auch Hilfsbereitschaft. Ein paar Studenten haben die „Corona School“ gegründet, um Schüler ehrenamtlich beim Lernen zuhause zu unterstützen.

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          Die Schulen sind bis auf Weiteres zu. Was bei Schülern erstmal für Jubel gesorgt hat, entpuppt sich bei näherem Hinsehen für viele als Problem: Sie müssen online Aufgaben bearbeiten und haben keinen Lehrer an der Seite, der im Unterrichtsgespräch etwas erklären kann. Wie Lehrer berichten, haben einige Kinder nicht einmal einen Laptop zum Arbeiten – sie teilen ihn sich normalerweise mit der Familie, und die ist gerade im Homeoffice. Die Eltern haben daher auch keine Zeit, ihnen ständig bei den Aufgaben zu helfen, und die Lehrer können nicht für Hunderte Schüler, für die sie verantwortlich sind, eine 1-zu-1-Betreuung organisieren oder auch nur auf die Flut von Mails antworten, die sie bekommen.

          Theresa Weiß
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Eine Gruppe Studenten hat sich darum etwas ausgedacht: die „Corona School“. Christopher Reiners, Gero Embser, Lukas Pin und Tobias Bork haben eine Plattform gegründet, auf der sich Schüler mit Studenten vernetzen können. Sie können Hilfe bei Hausaufgaben erhalten, sich unklare Sachverhalte erklären lassen oder Fragen stellen. Am Montag ging die Seite online, derzeit sind mehr als 1300 Studenten als Tutoren auf der Plattform angemeldet, und etwa 550 Schüler aller Schulformen und Altersstufen nutzen das Angebot.

          Christopher Reiners, Gero Embser, Lukas Pin und Tobias Bork haben „Corona School“ gegründet.
          Christopher Reiners, Gero Embser, Lukas Pin und Tobias Bork haben „Corona School“ gegründet. : Bild: privat

          Max Niroomand gehört zum Kernteam der „Corona School“. Er ist Mathematiker, arbeitet für einen Hedgefond in London und hat in Cambridge studiert. Der Zweiundzwanzigjährige arbeitet an dem mathematischen Modell, dass Schüler den Studenten mit der jeweils besten Fachkompetenz zuordnet. „Als klar wurde, dass die Schule ausfällt, wussten wir, dass es Probleme geben wird“, sagt er. Den Lernstoff allein am Küchentisch zu verstehen ist eine große Herausforderung.

          Studenten werden überprüft

          Doch aus der Krise entstand eine Idee: Auch die Studenten haben frei, weil die Uni ausfällt. Und viele sind bereit, zu helfen. „Wir haben alle große Netzwerke“, sagt Niroomand. Über Facebook-Gruppen wie die der Studienstiftung des Deutschen Volks verbreiteten sie ihre Idee, nahmen auch am Hackathon der Bundesregierung teil, bei dem digitale Lösungen für Corona-Probleme gesucht werden. Das Reservoir an Studenten, die mitmachen wollten, wuchs schnell.

          Anfangs hatten seine Kommilitonen und er vor allem Abiturienten helfen wollen. „Aufgaben durchrechnen, fürs Abi üben.“ Doch nun ist ihr Ziel, so viele Schüler wie möglich zu unterstützen, in allen Fächern. Das funktioniert so: Wenn ein Schüler sich bei der „Corona School“ anmeldet, gibt er an, wobei er Hilfe braucht, lädt zum Beispiel die Aufgabe hoch, mit der er nicht klarkommt. Er wird einem Studenten zugeordnet, mit dem er dann einen Termin für einen Videochat ausmacht. Die 1-zu-1-Betreuung werde gut angenommen, sagt Niroomand. „Obwohl ich glaube, dass das auch oft die Eltern initiieren.“ Er beobachtet, dass sie dem Konzept vertrauen: Die Studenten werden einzeln ausgewählt und durchlaufen ein „Screening“, um ihre Vertrauenswürdigkeit zu überprüfen. Niroomand führt auch Auswahlgespräche durch. „Corona School“ empfiehlt den Eltern auch, beim ersten Videocall dabei zu sein. Sie müssen außerdem eine Datenschutzerklärung bestätigen, damit die Daten der Schüler an die Studenten weitergeben werden können.

          Max Niroomand ist Mathematiker und arbeitet für einen britischen Hedgefond. Er hat in Cambridge studiert, derzeit arbeitet er ehrenamtlich für die „Corona School“.
          Max Niroomand ist Mathematiker und arbeitet für einen britischen Hedgefond. Er hat in Cambridge studiert, derzeit arbeitet er ehrenamtlich für die „Corona School“. : Bild: privat

          Die Tutorien bekommen die Schüler unentgeltlich; die Studenten machen ehrenamtlich mit. „Wir haben ja Zeit“, sagt Niroomand am Telefon. Die Kosten für die Webseite seien so gering, dass das Team sie trage, als Beitrag in der Pandemie.

          Nach dem ersten Kennenlernen geht es dann an die Aufgaben. Die Studenten vereinbaren mit den Schülern Termine, die Kinder können sich per Mail, Chat oder Videoanruf immer wieder an „ihren“ Tutor wenden. Dabei gehe es vor allem ums Erklären, sagt Niroomand. „Die Studenten sind ja in ihren Fächern tief drinnen und können manches vielleicht sogar besser erklären als die Eltern.“  Zum Beispiel komplizierte Rechenwege oder chemische Gleichungen. Eine pädagogische Ausbildung haben die meisten natürlich nicht. Doch solange die Schule ausfällt, kann die Plattform helfen. „Das Projekt wird so lange laufen, wie es nötig ist“, sagt Niroomand. Auch wenn er hofft, dass es bald wieder Unterricht an den Schulen geben kann.

          „Corona School“

          Wer sich unentgeltlich bei der „Corona School“ anmelden will, kann das unter corona-school.de tun.

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