Corona-Pandemie : 15.000 Neuinfektionen weniger als in Vorwoche – Inzidenz sinkt auf 1401
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Menschen stehen vor einer Corona-Teststation in Wuppertal. Bild: Oliver Berg/dpa
Die Sieben-Tage-Inzidenz sinkt den vierten Tag in Folge. Das Robert-Koch-Institut registriert etwa 220.000 Neuinfektionen. Gesundheitsminister Lauterbach ist gegen komplettes Zurückfahren der Corona-Auflagen.
Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz ist am vierten Tag in Folge gesunken. Damit verdichten sich die Hinweise, dass die Omikronwelle tatsächlich bricht. Das Robert-Koch-Institut (RKI) gab den Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche an diesem Mittwochmorgen mit 1401,0 an. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 1437,5 gelegen, vor einer Woche bei 1450,8, vor einem Monat bei 515,7. Die Gesundheitsämter meldeten dem RKI binnen eines Tages 219.972 Corona-Neuinfektionen. Vor einer Woche waren es 234.250 Ansteckungen gewesen.
Die Zahlen haben allerdings im Moment nur begrenzte Aussagekraft. Experten gehen von einer hohen Zahl von Fällen aus, die in den RKI-Daten nicht erfasst sind. Testkapazitäten und Gesundheitsämter sind demnach vielerorts am Limit, Kontakte werden nur noch eingeschränkt nachverfolgt. Zudem dürfte die Zahl der Menschen steigen, die ihre Infektion nicht mehr über einen PCR-Test bestätigen lassen – die Infektion fließt damit nicht in die offizielle Statistik ein.
Überlastung der Intensivstationen könnte abgewendet werden
Deutschlandweit wurden nach den neuen Angaben binnen 24 Stunden 247 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 272 Todesfälle gewesen. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit dem Virus Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg damit auf 120.467.
Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 12.800.315 durch Positivtests nachgewiesene Infektionen. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 9.153.100 an. Die Zahl der in Kliniken gekommenen Corona-infizierten Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das RKI am Dienstag mit 5,90 an (Montag: 5,93). Darunter können auch Menschen mit positivem Corona-Test sein, die eine andere Haupterkrankung haben.
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat sich vor der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) gegen ein komplettes Zurückfahren der Corona-Auflagen gewandt. Es sei Zeit für Lockerungen mit Augenmaß, sagte Lauterbach der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Nötig sei aber weiter die Möglichkeit für schnelles und flexibles Reagieren auf die Pandemie. „Das Virus verschwindet nicht von heute auf morgen.“ Lauterbach sagte: „Deswegen müssen wir das Infektionsschutzgesetz so formulieren, dass der Basisschutz gewährleistet bleibt und bei Bedarf ausgedehnt werden kann.“ Der SPD-Politiker kündigte an: „Den Text werden wir im parlamentarischen Verfahren ergänzen, so dass auch nach dem 20. März mehr möglich ist als Maske und Abstand.“
Die MPK berät an diesem Mittwoch über weitreichende Öffnungen. Die Corona-Vorgaben sollen nach einem ersten Entwurf für eine MPK-Beschlussvorlage bis 20. März weitgehend entfallen. Danach soll es laut dem Entwurfsvorschlag nur „niedrigschwelliger Basisschutzmaßnahmen“ bedürfen – etwa Maskenpflicht in Innenräumen. Der Bundestag solle die Rechtsgrundlagen für entsprechende Ländermaßnahmen schaffen, so der erste Entwurf von Kanzleramt und MPK-Spitzen. Lauterbach betonte: „Die Länder brauchen ein größeres Corona-Besteck.“
Auch in der Gesetzgebung müsse man sich auf ein Leben mit Corona einstellen. „Wir haben den Höhepunkt der Omikron-Welle erreicht“, bekräftigte Lauterbach. „Mit ihren Nachwirkungen müssen wir allerdings noch eine Weile leben.“ Inzwischen steckten sich weniger Menschen mit dem Coronavirus an. „Aber die Zahl der Klinikeinweisungen wird noch mehrere Tage in die Höhe gehen“, sagte Lauterbach. „Darüber hinaus ist der Anteil der älteren Infizierten gestiegen, ihr Schutz ist aber besonders wichtig.“
Der Minister betonte: „Bisher sind wir gut durch diese Welle gekommen, auch im Vergleich zu anderen betroffenen Ländern in Europa.“ Lauterbach betonte die Booster-Impfungen, die Kontakt-Beschränkungen – aber auch „die Vorsicht der Menschen, die sich an die Auflagen gehalten haben“. Jetzt sei die Zeit, mit Augenmaß zu lockern. Aber: „Komplett zurückfahren können wir die Corona-Auflagen nicht.“
Unterdessen rechnet die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) angesichts der sinkenden Inzidenz mit maximal 3000 Corona-Patienten auf Intensivstationen in den kommenden Wochen. Rund 87 Prozent der infizierten Patienten würden derzeit auf Normalstation behandelt, sagt DKG-Chef Gerald Gaß den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. In vergangenen Wellen dagegen wäre ein Viertel der Patienten auf der Intensivstation gewesen.
In Kombination mit einer insgesamt deutlich geringeren Hospitalisierungsrate werde dies „dazu führen, dass in der Spitze nicht mehr als 3000 Intensivpatienten zu befürchten sein dürften“.
Voraussetzung dafür sei allerdings, dass es in den kommenden Wochen nicht zu einem besonders hohen Infektionsgeschehen in der Gruppe der zwei Millionen nicht geimpften über 60-Jährigen kommt.
Angesichts des Mehraufwands an Infektionsschutzmaßnahmen bei positiv getesteten Patienten bedeute es aber auch, dass der Regelbetrieb weiter eingeschränkt bleiben müsse. „Und dieser Zustand wird noch länger anhalten, auch wenn wir den Höhepunkt der Hospitalisierung überschritten haben werden.“