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RKI-Pressekonferenz : Wieler warnt vor „fulminantem Verlauf“ der vierten Welle

Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts, bei einer Pressekonferenz zur Impfkampagne gegen Corona am Mittwoch. Bild: dpa

Bundesgesundheitsminister Spahn und RKI-Präsident Wieler rufen dazu auf, sich impfen zu lassen: Andernfalls werde man sich mit dem Virus infizieren. Auf den Intensivstationen werden die Patienten immer jünger.

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          Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), die Bevölkerung dazu aufgerufen, sich impfen zu lassen. „Jede einzelne Impfentscheidung entscheidet darüber, wie wir durch den Herbst und den Winter kommen“, sagte Spahn.

          Anna Schiller
          Volontärin.

          Impfen sei eine persönliche, freie Entscheidung – und das bleibe sie auch. Aber die Entscheidung für oder gegen das Impfen betreffe auch andere: die eigene Familie, Arbeitskollegen und letztendlich auch die Gesellschaft. „Es ist jetzt eine Pandemie der Ungeimpften“, sagte Spahn. 90 bis 95 Prozent der Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen seien nicht geimpft. Derzeit sei die Zahl der Ungeimpften zu hoch, um bei der gleichzeitigen Ausbreitung der Delta-Variante sicherzustellen, dass das Gesundheitswesen im Winter nicht wieder überlastet werde.

          Es sei nun Impfstoff für jeden da, sagte Spahn. Ein Großteil davon sei in Deutschland entwickelt und produziert worden. Für Informationen zur Impfung verwies Spahn auf die Kampagnen des Ministeriums. Vom kommenden Montag an starte außerdem eine gemeinsame Impfkampagne von Bund, Ländern und Kommunen. In den sozialen Medien könne man sich zu den Impfangeboten unter dem Hashtag #hierwirdgeimpft informieren. Auch eine Internetseite zur Kampagne solle es geben. „Nutzen Sie die Chance, lassen Sie sich impfen“, sagte Spahn.

          Wieler prognostizierte für den weiteren Verlauf der Pandemie: „Wenn wir die Impfquoten jetzt nicht steigern, wird die vierte Welle einen fulminanten Verlauf im Herbst und Winter nehmen.“ Die Zahl der intensiv behandelten Patienten habe sich im Vergleich zur Vorwoche verdoppelt. Die Covid-19-Patienten würden immer jünger. Die meisten von ihnen seien zwischen 35 und 59 Jahren alt, sagte Wieler.

          „Impfungen sind das mächtigste Werkzeug, das wir gegen Covid-19 haben“, sagte Wieler. Das Risiko, ins Krankenhaus zu kommen, sei zehn Mal geringer, als bei jenen, die nicht geimpft sind. Wer sich nicht impfen lasse, werde sich auf absehbare Zeit infizieren – und in der Folge vielleicht schwer erkranken, Langzeitfolgen erleiden oder sogar sterben, sagte Wieler.

          „Die vierte Welle hat bereits begonnen, wir haben es selbst in der Hand, wie sie sich entwickeln wird“, mahnte der RKI-Präsident. Je schneller sich die Menschen impfen ließen, desto früher ende die Pandemie.

          Bereits zuvor hatte Spahn die Impfkampagnen in Bremen, Nordrhein-Westfalen, dem Saarland und Schleswig-Holstein gelobt. Dort liegt die Quote bei den Erstimpfungen laut RKI bei über 70 Prozent. „Wenn wir Impfquoten wie in diesen Ländern in ganz Deutschland erreichen, wird es ein sicherer Winter für uns alle", twitterte Spahn am Morgen.

          Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands, lehnte ein bundesweit einheitliches 2G- oder 3G-Modell für den Einzelhandel ab. „Das ist momentan nicht der Weg für das Einkaufen“, sagte Genth. Bei den täglich rund 40 Millionen Kontakten im Einzelhandel seien solche Auflagen nicht zu kontrollieren. Zudem seien die Hygienekonzepte in den Geschäften gut.

          Am Dienstag hatte der Bundestag eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes beschlossen. Sie berücksichtigt, dass mittlerweile mehr Menschen geimpft sind. Die Länder sollen künftig weitgehend selbst festlegen können, ab welchen Schwellenwerten strengere Alltagsbeschränkungen nötig werden. Wichtigste Messlatte für Pandemie-Maßnahmen soll insbesondere die Zahl aufgenommener Corona-Patienten in den Kliniken je 100.000 Einwohner in sieben Tagen sein.

          Berücksichtigt werden sollen aber auch weitere Indikatoren: die bisher maßgebliche Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen, verfügbare Intensivkapazitäten in den Krankenhäusern und auch die Zahl der Geimpften. Die bisherige Orientierung an den Infektionszahlen galt aufgrund vieler Geimpfter als nicht mehr aussagekräftig. Zudem sollen Beschäftigte in Kitas, Schulen und Pflegeheimen für die Zeit der Krise vom Arbeitgeber gefragt werden können, ob sie geimpft sind. Mit den Informationen zum Impfstatus der Belegschaft könnten Betriebe ihre Corona-Maßnahmen anpassen, sagte Spahn.

          Eine allgemeine Impfpflicht lehnte Spahn ab. Er beobachte, dass derzeit die Frage nach „geimpft oder nicht geimpft“ zu Spannungen in Familien und auch in der Gesellschaft führe. Er sagte, dass diese Spannungen nicht zu einer gesellschaftlichen Spaltung führen dürften.

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