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Neue Corona-Regeln : Italien führt den „super grünen Pass“ ein

Demonstrierende nehmen vergangene Woche an einer „No Green Pass“-Kundgebung in Turin teil. Bild: dpa

Für ungeimpfte Italiener wird es ungemütlich: Die Regierung von Mario Draghi verbietet ihnen den Zutritt zu geschlossenen Räumen von Bars und Restaurants sowie zu Veranstaltungen und Festen. Die Impfpflicht wird ausgeweitet.

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          Auch wenn Italien in diesem Jahr vergleichsweise erfolgreich gegen Covid-19 kämpft, kommt das Land im Herbst 2021 nicht um eine Verschärfung der Maßnahmen herum. Am Mittwochabend haben Ministerpräsident Mario Draghi, Gesundheitsminister Roberto Speranza und die für die Regionen zuständige Ministerin Mariastelle Gelmini neue Einschränkungen vorgestellt. Sie bestehen vor allem aus härteren Auflagen für Ungeimpfte.

          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland.

          So rückt an die Stelle des bisher gültigen 3-G-Nachweises an vielen Orten vom 6. Dezember an ein verschärfter „grüner Pass“ – in der Presse „super grüner Pass“ genannt – der nur nach Impfung oder Genesung erhältlich ist und nicht mehr nach negativen Tests. Dieser ist künftig Pflicht bei Kultur- und Sportveranstaltungen, in geschlossenen Räumen von Bars und Restaurants, in Diskotheken und bei Festen sowie öffentlichen Feierlichkeiten. Der „erweiterte“ grüne Pass ermögliche geimpften und geheilten Personen weiter solche Veranstaltungen und Orte zu besuchen, betont die Regierung. Der Pass ist nicht mehr zwölf, sondern nur noch neun Monate gültig.

          Hunderttausende Reisende und Pendler betroffen

          Gleichzeitig müssen die Italiener den bisherigen grünen Pass, den klassischen 3-G-Nachweis, vom 6. Dezember an auch in Hotels, Umkleideräumen sowie im regionalen Schienenverkehr und in Bussen, Straßenbahnen und U-Bahnen vorzeigen. Die neue Maßnahme wird Hunderttausende von Reisenden betreffen, insbesondere Pendler, die täglich im öffentlichen Verkehr zur Arbeit fahren.

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          Die Impfpflicht, die bisher für das Personal im Gesundheits- und Bildungswesen galt, wird ebenfalls ausgeweitet: Sie gilt künftig auch für das Verwaltungspersonal im Gesundheitswesen sowie des Schulsektors, zudem für Militär, Polizeikräfte und Rettungsdienste. Alle Mitarbeiter in Gesundheitsberufen müssen ab Mitte Dezember eine dritte Impfung vornehmen lassen. Die Regierung verspricht nun auch verstärkte Kontrollen, zu denen es bisher nicht immer gekommen ist.

          Freiheiten für Geimpfte sollen nach Möglichkeit weiterbestehen. In den Regionen mit vergleichsweise niedriger Inzidenz und Krankenhausbelastung („weiße Zonen“) wird vorerst von einer Maskenpflicht im Freien abgesehen. In den stärker getroffenen Regionen („gelb“, „orange“ und „rot“) müssen die Menschen dagegen auch im Freien Masken tragen. Gesundheitsminister Speranza erklärte auch, dass sich ab dem 1. Dezember alle Personen über 18 Jahren für eine Auffrischungsimpfung anmelden können, wenn seit dem Abschluss des ersten Impfzyklus fünf Monate vergangen sind.

          Italien hat recht früh angefangen, die Mitarbeiter des Gesundheitswesens und später auch das Personal in Schulen und Kindergärten zum Impfen zu verpflichten. Ein 3-G-Nachweis am Arbeitsplatz gilt für alle seit Mitte Oktober. Bei der Impfquote gehört das Land daher zu den Spitzenreitern in Europa, und es liegt bei den Inzidenzen und den Krankenhauseinlieferungen auf den hinteren Rängen.

          Einzelne Regionen Italiens sind jedoch Ausreißer, vor allem Südtirol, wo bisher auch vergleichsweise wenig geimpft wurde. Dort gilt jetzt wieder die Maskenpflicht im Freien. Tanzveranstaltungen sind untersagt, und Restaurants und Bars schließen um 18 Uhr. In zwanzig Gemeinden mit hohen Inzidenzwerten und niedriger Impfquote ist am Mittwoch eine Ausgangssperre von 20 Uhr bis 5 Uhr in Kraft getreten.

          Draghi sagte am Abend, dass „die Situation in Italien jetzt unter Kontrolle ist“. Das Land befinde sich in einer bessere Lage als viele andere, „dank der Impfkampagne, die ein bemerkenswerter Erfolg war“. Doch die Situation in den Nachbarländern Italiens sei sehr ernst. „Wir sehen auch, dass sich unsere Situation leicht, aber stetig verschlechtert“. Gesundheitsminister Speranza will auch Kinder zwischen 5 und 11 Jahren impfen – ab wann, steht noch nicht fest, doch der Minister rechnet mit einem Starttermin im Dezember.

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