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Corona-Regeln der Bundesländer : Was ist jetzt eigentlich noch erlaubt?

  • Aktualisiert am

Da war Schaukeln noch erlaubt: Ein Kind auf einem Spielplatz in Nordrhein-Westfalen. Bild: dpa

Die Ansage der Bundesregierung war deutlich. Trotzdem dürfen in manchen Bundesländern Kinder noch auf Spielplätzen spielen, in anderen müssen dagegen sogar Friseursalons schließen. Ein Überblick.

          6 Min.

          Bund und Länder haben sich am Montag in Leitlinien für weitreichende Maßnahmen entschieden, um die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen. Schulen und Hochschulen sollen schließen, Kneipen, Bars, Clubs, Bordelle, Fitnessstudios, Sportstätten, Spielplätze und viele Geschäfte. Das gilt auch für Kinos, Theater, Opernhäuser, Bibliotheken, Konzertsäle, Museen oder Ausstellungen und Gottesdienste. Öffentliche und nichtöffentliche Versammlungen ab 50 Personen sollen unterbleiben, bei Versammlungen unter 50 Personen müssen Anwesenheitslisten geführt werden. Was genau verboten ist, bestimmen aber die Bundesländer in eigenen „Eindämmungsverordnungen“. Nicht alle Landesregierungen haben jede empfohlene Einzelmaßnahme des Bundes übernommen. Deshalb gibt es Unterschiede, was noch erlaubt ist. Hier ein Überblick:

          Baden-Württemberg

          Der Lenkungsstab der baden-württembergischen Landesregierung zur Eindämmung des Coronavirus hat ausnahmslos alle infektionsschützenden Maßnahmen, die mit der Bundesregierung vereinbart worden sind, in einer Rechtsverordnung übernommen. Das heißt: Von der Shisha-Bar bis zu allen Theatern wird fast alles geschlossen, was nicht lebenswichtig ist. Öffentliche Spiel- und Bolzplätze dürfen nicht mehr benutzt werden. Gaststätten sollen grundsätzlich schließen. Wenn zwischen Steh- und Sitzplätzen ein Abstand von 1,5 Metern gewährleistet ist, dürfen sie zwischen sechs und 18 Uhr öffnen. Ein Ausgehverbot hat die grün-schwarze Regierung bisher nicht verhängt, sie schließt es aber auch nicht aus.

          In einzelnen Städten, etwa in Karlsruhe, musste die Polizei Gastwirte und Ladenbetreiber auffordern, ihre Läden zu schließen. In Stuttgart haben am Dienstag und Mittwoch etliche Gastronomen ihre Bars zu Speisegaststätten umetikettiert. „Von Donnerstag an wird die Polizei verstärkt gegen solche Leute vorgehen“, sagte ein Sprecher der Stadt Stuttgart. (rso.)

          Bayern

          Die meisten Geschäfte des Einzelhandels, die nichts mit der täglichen Versorgung der Bevölkerung zu tun haben, sind in Bayern geschlossen. Das gilt nicht für Supermärkte, Apotheken, Sanitätshäuser, Baumärkte. Für Dienstleister wie Friseure gilt ein verpflichtender Mindestabstand zwischen den Kunden von 1,5 Meter, in Wartebereichen dürfen sich nur noch maximal zehn Personen aufhalten. Für Hotels und Pensionen sind touristische Übernachtungen untersagt, und für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren gibt es Besuchsverbote in Pflege- und Behinderteneinrichtungen sowie Krankenhäusern.

          Schon seit Dienstag sind alle Freizeiteinrichtungen geschlossen. Dazu gehören Bars, Discotheken, Fitnessstudios, Jugendhäuser, Bordelle, Saunen, Museen oder Bibliotheken. Die Öffnungszeiten für Speiselokale und Kantinen sind eingeschränkt: Sie dürfen nur noch von sechs Uhr morgens bis 15 Uhr nachmittags Gäste aufnehmen – wobei ein Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen den Gästen sowie eine Obergrenze von 30 Personen einzuhalten sind. Nach der Sperrzeit ist es lediglich erlaubt, Abhol- oder Drive-in-Services anzubieten.

          Das Landratsamt Tirschenreuth hat für die Stadt Mitterteich am Mittwoch eine Ausgangssperre verhängt. Es ist die erste Stadt in Bayern mit einer solchen Maßnahme. Sie soll bis zum 2. April dauern, wie die Behörde mitteilte. (tifr.)

          Berlin

          In Berlin sind die Spielplätze weiter geöffnet, anders als in Brandenburg. Die Berliner CDU-Opposition kritisiert das, weil es für spielende Kinder „lebensfremd“ sei, einen Mindestabstand von anderthalb Metern einzuhalten. Auch Parks und kleinere Tiergärten dürfen offen bleiben, der Berliner Zoo und der Tierpark im Osten der Stadt aber haben geschlossen. Restaurants in Berlin haben seit Mittwoch noch von sechs bis 18 Uhr geöffnet, Rauchergaststätten bleiben aber zu. Die erlaubte Öffnung für Lebensmittelgeschäfte gilt auch für die in Berlin so beliebten „Spätis“. Fahrradgeschäfte bleiben geöffnet. Von Mittwochmorgen bis zum frühen Nachmittag wurden 130 Berliner Geschäfte wegen nicht erlaubter Öffnung von der Polizei geschlossen worden.

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