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Studie zu Covid-19 : Patienten erholen sich mit Remdesivir wohl schneller

Gilead hat angekündigt, erst 2021 genügend Mengen von Remdesivir herstellen zu können, damit Millionen Kranke behandelt werden können. Bild: Reuters

Das ursprünglich gegen Ebola-Viren entwickelte Medikament Remdesivir hat sich bei der Behandlung von Covid-19-Kranken offenbar bewährt. Dass Studienergebnisse vor der wissenschaftlichen Veröffentlichung im Weißen Haus vorgestellt wurden, erstaunt dennoch.

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          Hoffnungen im Kampf gegen Covid-19: Ein vom amerikanischen „National Institute of Allergy and Infectious Diseases“ parallel in vielen Kliniken vorgenommener Arzneitest mit dem antiviralen Mittel Remdesivir wird positiv bewertet. Ein Impfstoff ist es zwar nicht, auch wenn die Börsen reagiert haben, als wäre es einer. Aber das vom amerikanischen Biotech-Unternehmen Gilead ursprünglich gegen Ebola-Viren entwickelte Medikament hat sich in der ersten aussagekräftigen Studie mit knapp 400 entweder mit Remdesivir oder Placebo behandelten schwer kranken Covid-19-Patienten offenbar bewährt. Am Freitagabend erhielt es in den Vereinigten Staaten eine Sonderzulassung.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Dass erste Studienergebnisse schon vor der Veröffentlichung in wissenschaftlichen Fachzeitschriften in einer Pressekonferenz im Weißen Haus vorgestellt wurden, erstaunt dennoch. Denn nur einen Tag vor der Remdesivir-Show im Weißen Haus hatte das regulär in der Medizinzeitschrift „Lancet“ veröffentlichte Resultat einer chinesischen Beobachtungsstudie an 237 Patienten in zehn Kliniken in Wuhan für Verunsicherung gesorgt. Keine nachweisbare Wirkung von Remdesivir, lautete das Fazit. Allerdings war diese Studie abgebrochen worden, weil man in China nicht mehr genügend schwerkranke Covid-19-Patienten rekrutieren konnte, um statistisch abgesicherte Ergebnisse zu liefern.

          Fachleute stören einige Dinge

          Der Trend aber war bei der unvollendeten chinesischen Studie wie in der amerikanischen: Patienten, die so schwer erkrankt sind, dass sie beatmet werden müssen, erholen sich schneller, wenn sie fünf oder zehn Tage lang täglich eine Injektion Remdesivir erhalten. Statt nach durchschnittlich 15 erholten sich die mit dem Virostatikum behandelten Patienten nach elf Tagen, teilte das amerikanische Institut mit. Es sterben mutmaßlich auch weniger mit Remdesivir: acht Prozent gegenüber elf Prozent in der Placebo-Gruppe. Doch dieser Unterschied ist statistisch nicht signifikant. Das könnte auch daran liegen, dass die Patienten in der Medikamenten- oder Placebo-Gruppe unterschiedlich krank waren.

          Das und einiges mehr stört Fachleute in ihren ersten Kommentaren. Der Nachweis, dass die Viren tatsächlich an der Vermehrung gehindert werden, fehlt bislang. Clemens Wendtner von der Klinik Schwabing, der die ersten deutschen Corona-Patienten behandelt hatte, sagt: „Es bleibt zum Beispiel derzeit noch offen, wie viele Patienten von einer invasiven Beatmung auf Intensivstation entwöhnt werden und wieder auf Normalstation verlegt werden konnten. Von Interesse ist darüber hinaus, wie schnell Viruslasten im Nasenrachenraum beziehungsweise in der Lunge unter Remdesivir abnehmen.“ Auch über Nebenwirkungen sei noch zu wenig bekannt.

          Geprüft wird in anderen Studien zudem, ob man Remdesivir früher geben sollte, wenn die Patienten noch nicht so schwer krank sind. Viren hemmende Substanzen wirken dann meist am besten. Die größte Sorge gilt derzeit aber dem Hersteller: Er hat angekündigt, erst 2021 genügend Mengen herstellen zu können, damit Millionen Kranke behandelt werden können.

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