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Fragen der F.A.Z.-Leser : Sind Pakete gefährlich, überleben Viren im Bart, wieso 1,5 Meter Abstand?

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, das gilt auch für den Osterbrunch. Diese Hasen stehen in einem Kreisverkehr im österreichischen Deutschkreutz. Bild: dpa

Das Osteressen mit Familie und Freunden zuhause muss dieses Jahr verschoben werden. Das war eine der Antworten auf Fragen von F.A.Z.-Lesern zum Coronavirus. Wir haben sie gesammelt und geantwortet.

          6 Min.

          Ich würde gerne acht Gäste zu einem Osteressen in meine Wohnung einladen. Darf ich das?

          Lucia Schmidt

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Laut den Maßnahmen der Bundesregierung zur Eindämmung des Coronavirus sind größere Ansammlungen von Menschen auch zu Hause nicht mehr erlaubt und werden mit Bußgeld geahndet. Die vier- oder fünfköpfige Familie darf aber draußen zusammen spazieren gehen, also darf sie natürlich auch in der Wohnung zusammen essen und Ostern feiern. Aber sie darf eben keine Menschen, die nicht im Haus oder der Wohnung leben, einladen. Das gilt auch für Familienmitglieder.

          Auf der Website der Bundesregierung heißt es unter dem Punkt „Regelungen und Einschränkungen“ zum Coronavirus: „Nicht erlaubt sind Gruppenfeiern auf öffentlichen Plätzen, in Wohnungen sowie privaten Einrichtungen. Ordnungsbehörden und Polizei überwachen die Einhaltung der Regeln. Wer gegen die Kontaktbeschränkungen verstößt, muss mit Sanktionen rechnen.“ Letztendlich maßgeblich sind allerdings die Allgemeinverfügungen oder Verordnungen innerhalb der einzelnen Bundesländer oder Kommunen, die in einzelnen Punkten lockerer oder auch strenger als die Empfehlungen der Bundesregierung ausfallen können.

          Tatsächlich hat die Polizei schon mehrmals Familienfeiern und Kindergeburtstage aufgelöst, selbst wenn dort nur wenige Kinder waren. Bundeskanzlerin Angela Merkel rief am Mittwoch ausdrücklich dazu auf, auch während der Ostertage auf private Reisen und Besuche selbst von Verwandten zu verzichten. „All das wird dieses Jahr nicht stattfinden können“, sagte sie. Das sind also eher düstere Aussichten für ein typisches Familienfest, wie es das Osterfest ist. Aber die Politiker appellieren an die Solidarität: Je mehr Menschen sich an die Regeln halten, umso größer sind die Chancen, dass wir das Ziel der Virus-Eindämmung bald erreichen und es wieder etwas mehr Normalität gibt. Ein Osterbrunch schmeckt ja auch im Mai noch.

          Ich bin 70 Jahre alt und habe Angst, mich mit dem Virus zu infizieren. Wenn ich ein Paket annehme, kann ich mich dann anstecken?

          Hier geht es um die Frage, wie lange sich das Virus auf Oberflächen hält. Wie bei so vielen Dingen rund um Sars-CoV-2 gilt auch hier: Hundertprozentig weiß man es nicht. Experten aus Amerika haben Daten veröffentlicht, die zeigen, dass das Virus auf Kunststoff und Edelstahl fast drei Tage überleben kann, auf Papier angeblich etwa einen Tag und in der Luft einige Stunden. Andere sagen, in der Luft bleibe es nur wenige Minuten, weil die Tropfen schnell zu Boden fielen. Das Robert-Koch-Institut schreibt zu Oberflächen: Eine Infektion durch kontaminierte Oberflächen ist prinzipiell nicht ausgeschlossen. Welche Rolle sie spielt, ist nicht bekannt.

          Für die spezielle Frage mit der Post heißt das: Es ist sehr unwahrscheinlich, dass ein Virus über einen Brief oder ein Paket übertragen wird. Während des Transports trocknet das Virus an der Luft und unter UV-Licht aus. Dass so viel Virusmenge auf dem Paket bleibt, wenn überhaupt welche drauf war, dass man sich darüber ansteckt, gilt als sehr unwahrscheinlich. Das sehen auch viele Virologen so. Man sollte sich nur in jedem Fall nach der Annahme des Pakets die Hände waschen.

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          Als viel gefährlicher schätzen die Experten das Zusammentreffen mit dem Paketboten ein. Aber auch hier gibt es Alternativen: Entweder man lässt seine Sachen an eine Paketstation schicken oder der Postbote legt sie einfach vor die Tür. Ohnehin hat die Deutsche Post offiziell verkündet, dass sie bei der Übergabe von Paketen auf eine Unterschrift verzichtet. So wird persönlicher Kontakt reduziert.

          Wir kaufen frisches Obst und Gemüse, das wir nach dem Einkauf abwaschen. Reicht das? Und was ist mit Gläsern und Konservendosen, muss ich die auch abwaschen oder sogar desinfizieren? Was mache ich mit einer Tüte Gummibären oder Kartoffelchips, die ich ja in der Hand habe und ab und zu dann auch in die Tüte greife?

          Hier gilt ähnliches wie bei den Paketen: Ob und wie lange und wann genau das Virus auf Oberflächen überlebt, weiß man nicht. Insgesamt ist die Übertragung im persönlichen Kontakt die wahrscheinlichere. Aber natürlich schadet es nicht, die eingekaufte Ware gründlich abzuwaschen und die Chips in eine Schüssel zu füllen, wenn man ganz sicher gehen will. Am wichtigsten bleibt aber das Waschen der eigenen Hände nach dem Einkauf.

          Ich bin 44 Jahre alt und Asthmatiker. Wie soll ich mich schützen, wenn in einigen Wochen meine sechs und neun Jahre alten Söhne wieder in die Kita und in die Schule gehen?

          Das ist eine Frage, vor der vermutlich viele Familien stehen, in denen es chronisch kranke oder alte Mitglieder gibt. Natürlich können Sie die allgemeinen Tipps zur Hygiene der Hände und des Haushalts beherzigen. Aber bei der Frage, wie das Leben in ein paar Wochen langsam wieder beginnen kann, werden solche Fragen sicherlich eine Rolle spielen müssen. Man kann hoffen, dass Politiker und Experten solche Fälle im Blick haben.

          Bei uns in der Nachbarschaft wird eine Fassade mit einer Hochdruckmaschine gereinigt. Die Handwerker tragen keinen Mundschutz. Sprühnebel wird im ganzen Viertel durch den Wind verteilt und hinter dem Haus befindet sich ein Altersheim. Besteht die Gefahr, dass sich die Viren in diesem Sprühnebel verteilen, sofern ein Handwerker infiziert ist und während der Arbeit hustet oder niest?

          Hier müsste extrem viel zusammenkommen. Man weiß, dass Coronaviren sich nicht besonders lange in der Luft halten und dann zu Boden fallen. Alle bisherigen Daten weisen daraufhin, dass sich auf diesem beschriebenen Weg eher keiner anstecken kann. Aber in der Frage spielt ja auch die Übertragung durch Wasser eine Rolle. Hier heißt es auf der Seite des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus aus Österreich: Das Coronavirus kann im Wasser nicht überleben und sich auch nicht vermehren. Leitungswasser kann ohne Bedenken konsumiert werden. Der Sprühnebel sollte demnach keine besondere Gefahr darstellen.

          Könnte man nicht allen Menschen vorschreiben, Mundschutz in der Öffentlichkeit zu tragen und weitgehend zum normalen Leben zurückkehren?

          Die Frage, wie es in Deutschland mit dem Mundschutz weitergeht, wird gerade heftig diskutiert. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass eine Mundschutzpflicht kommt. Allerdings muss man dazu wissen: Die gängigen Mundschutze oder die, die man sich nähen kann, schützen andere, wenn man selbst husten oder niesen muss. Auch beim Sprechen bieten sie einen gewissen Schutz. Ebenso können sie die Viruslast, die auf einen trifft, etwas reduzieren. Aber sie haben keinen Filter und lassen deshalb auch Viren durch.

          Das heißt, sie sind kein sicherer Schutz vor der Ansteckung und sie dürfen nicht dazu führen, dass man den Abstand von zwei Meter nicht mehr einhält, eng zusammensteht oder die Hände nicht mehr wäscht. Ein Mundschutz kann etwas bringen, aber nur wenn alle anderen Maßnahmen auch berücksichtigt werden. Deshalb müssen wir wohl noch ein paar Wochen mit ordentlich Abstand leben und dann eventuell Masken in der Öffentlichkeit tragen.

          Gestern stießen wir im Austausch mit Menschen, die alle älter als 60 Jahre alt sind und in den vergangenen Jahren eine Patientenverfügung ausgefüllt haben, auf die Frage: Wenn dort steht, dass man keine lebensverlängernden Maßnahmen am Lebensende wünscht, also auch keine Beatmung – gilt das auch im Fall von Covid-19? Sollte man die Patientenverfügung vielleicht durch eine Anmerkung ergänzen?

          Erst einmal ist es gut, eine Patientenverfügung zu haben. Noch besser ist es, wenn man zu der Patientenverfügung noch eine Vorsorgevollmacht hat. In einer Patientenverfügung wird geregelt, welche ärztlichen Maßnahmen man wünscht oder ablehnt, wenn man sich selbst nicht mehr äußern kann. Eine Vorsorgevollmacht, die man auch nur auf medizinische Fragen beschränken kann, ermöglicht es einer anderen Person anstelle von einem selbst, gesundheitliche Entscheidungen zu treffen – die vielleicht der Situation angepasst sind.

          Ihre Frage ist ja sehr allgemein gehalten und es kommt das Wort „Lebensende“ vor. Die aller-, allermeisten Patienten, die aufgrund einer Corona-Infektion beatmet werden müssen, stehen nicht automatisch am Lebensende, sondern brauchen für die Zeit der Infektion eine Unterstützung der Lungenarbeit. Da gilt dieser Satz dann nicht. Aber sehen Sie das nur als grobe Aussage an. Patientenverfügungen sind sehr individuell, sie entstehen oft aus persönliche Gegebenheiten heraus. Deshalb gilt unabhängig von Corona, dass man seine Verfügung immer mal wieder überprüfen und sich fragen sollte: Ist es noch das, was ich will? Rat findet man bei Unsicherheit beim Hausarzt oder bei der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland.

          Mindestens 1,5 Meter Abstand sollte eingehalten werden, mehr ist besser.

          Wie hoch ist die Temperaturverträglichkeit von Covid-19-Viren – kann ich meine Morgenzeitung zum Beispiel in den Backofen legen, um die Viren unschädlich zu machen?

          Erst einmal das Grundsätzliche: Die meisten Erreger überleben Temperaturen von mehr als 60 Grad nicht. Noch kennt man SARS-CoV-2 nicht in allen Details, geht aber erst einmal davon aus, dass dies auch für das Coronavirus gilt. Nun zur Zeitung, auch hier gilt, was bereits zu dem Thema Oberflächen geschrieben worden ist: Eine Übertragung über die Zeitung ist eher unwahrscheinlich. Am besten einfach Hände waschen, wenn man unsicher ist, nachdem man sie angefasst hat. Wer seine Zeitung im Backofen erhitzt, der geht ganz andere Gefahren ein, wenn die Zeitung darin Feuer fängt.

          Weshalb soll ein Sicherheitsabstand von 1,50 Metern ausreichend sein?

          Genaugenommen sind 1,50 Meter das Mindeste, was man an Abstand halten sollte. Viel besser sind zwei oder mehr Meter. Damit soll erreicht werden, dass die Tröpfchen, in denen sich die Viren befinden, beim Sprechen, Husten oder Niesen das Gegenüber nicht erreichen können. Wo genau die Grenze ist, an der man wirklich sicher sein kann, das wissen auch die Experten nicht. Die 1,5 Meter sind eine Annahme, die sinnvoll und praktikabel erscheint. Daran sollte man sich halten, denn eins ist sicher: Alles was darunter liegt, erhöht immens die Wahrscheinlichkeit, dass man sich anstecken kann.

          Sollte ich zum Hände beziehungsweise Gesicht abtrocknen unterschiedliche Handtücher benutzen?

          Das ist sicherlich sinnvoll. Zu den allgemeinen Hygienetipps von öffentlichen Stellen zählt: Trocknen Sie Ihre Hände nach dem Waschen sorgfältig ab, auch in den Fingerzwischenräumen. Greifen Sie in öffentlichen Toiletten auf Einmalhandtücher zurück. Zu Hause sollte jeder sein eigenes Handtuch benutzen. Dann also wohl auch ein eigenes für Gesicht und Hände.

          Sollte man sich rasieren, damit Viren nicht in Bartstoppeln hängen bleiben?

          Prinzipiell kann das Virus auch einfach so auf der Haut hängen bleiben. Aber je mehr Angriffsfläche es hat, umso besser für das Virus. Aber wichtig ist: Es gibt keine Regel, derzufolge Männer sich rasieren müssen. Die Gerüchte kommen daher, dass sich Ärzte und Pfleger in England  rasieren sollen, damit die Masken besser und dichter an der Haut liegen. Das ergibt sicher Sinn. Für den durchschnittlichen deutschen Mann, der keine Maske trägt, gilt das nicht. Hier gilt viel mehr: Abstand halten, zu Hause bleiben und Hände gründlich waschen.

          Wir bedanken uns bei allen Lesern für das Einsenden der Fragen und bitten zu entschuldigen, dass wir wegen der schieren Menge nicht jede Frage beantworten konnten.

          Anmerkung der Redaktion: Die Antwort auf die erste Frage wurde im Nachhinein noch mal konkretisiert.

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