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Corona-Pandemie : Warum sterben in Italien so viele?

Jenseits der Belastungsgrenze: eine Mitarbeiterin am Freitag in einem Feldkrankenhaus, das in der norditalienischen Stadt Cremona eingerichtet wird Bild: dpa

Die Zahl der Todesopfer durch die Corona-Pandemie ist in Italien besonders hoch. Woran liegt das?

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          Am Freitag hat China nach offiziellen Angaben den zweiten Tag in Folge keinen neuen Fall einer Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus registriert. Die Nationale Gesundheitskommission meldete zudem nur drei neue Todesfälle, der geringste Anstieg innerhalb eines Tages seit Januar. Insgesamt starben in Festlandchina nach offiziellen Angaben bislang 3248 Menschen an der durch das Virus verursachten Lungenkrankheit Covid-19.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Schon am Donnerstag hatte Italien, das in Europa am stärksten von der Pandemie betroffene Land, das Ursprungsland China bei der Zahl der Todesopfer überholt. Mit 427 weiteren Todesfällen binnen 24 Stunden war die Zahl der Toten auf 3405 gestiegen. Und jeder wusste, dass der Abstand zu China mit den Schreckenszahlen, die der Zivilschutz täglich um 18 Uhr mitteilt, am Freitagabend wachsen würde.

          Anmerkung der Redaktion: Bis Montagabend hat sich die Zahl der Infizierten in Italien auf 63.927 erhöht; 6077 Menschen sind an den Folgen des Coronavirus gestorben - verfolgen Sie die aktuelle Entwicklung in unserem Liveblog.

          Über die Ursachen für die außerordentlich hohe Zahl an Todesopfern in Italien rätseln die Wissenschaftler. Unstrittig ist, dass Italien einen unheilvollen „Vorsprung“ vor anderen europäischen Ländern hat: Das Virus konnte sich offenbar schon seit dem letzten Drittel des Monats Januar in der dicht besiedelten und von starker Wirtschaftsaktivität geprägten Region Lombardei – vor allem in den Provinzen Lodi, Bergamo und Brescia – unerkannt verbreiten, ehe am 20. Februar „Patient eins“ in der Klinik von Codogno (Provinz Lodi) positiv auf das Virus getestet wurde. Insgesamt leben in den besonders von der Epidemie betroffenen norditalienischen Regionen Lombardei, Emilia-Romagna und Venetien fast 40 Prozent aller Italiener. Die Anzahl der Berufspendler in der industriell und landwirtschaftlich hochentwickelten Region ist sehr hoch.

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          Womöglich hätte sich der Ausbruch der Epidemie besser eindämmen lassen, wenn nach dem Modell der am 21. Februar für zunächst zwei Wochen verhängten Totalquarantäne für Codogno und Umgebung mit zusammen rund 50.000 Einwohnern bald darauf auch in den Provinzen Bergamo und Brescia die dortigen Seuchenherde vollständig abgeriegelt worden wären. Stattdessen kam die angesichts der großen Ausdehnung des Gebiets kaum mehr mit Polizeimitteln durchzusetzende Ausgangssperre für die gesamte Lombardei sowie 14 weitere Provinzen in Nord- und Mittelitalien erst am 8. März (und für ganz Italien dann am 11. März). Die sprunghafte Zunahme der Infektionen mit dem Coronavirus und der Todesfälle in den Provinzen Bergamo und Brescia konnte bisher durch die allgemeine Ausgangssperre nicht gebremst werden.

          99 Prozent der Todesfälle mit Vorerkrankungen

          Nach einer am Dienstag veröffentlichen Erhebung des nationalen italienischen Gesundheitsamts (ISS), die auf der Untersuchung von 2000 Todesfällen beruht, litten mehr als 99 Prozent der Verstorbenen an einer oder mehreren Vorerkrankungen. Nur bei drei Personen – das entspricht 0,8 Prozent der Untersuchten – seien vor der Infektion mit dem Coronavirus keine Vorerkrankungen bekannt gewesen. 48,5 Prozent der Todesopfer litten unter drei Vorerkrankungen, bei 25,6 Prozent wurden zwei Erkrankungen und bei 25,1 Prozent eine Vorerkrankung festgestellt. Bei mehr als drei Viertel der Untersuchten wurde Bluthochdruck festgestellt. Bei gut einem Drittel wurde zuvor Diabetes und bei einem weiteren Drittel eine Herzkrankheit diagnostiziert.

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