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Corona-Pandemie in Südkorea : Auf der digitalen Spur der Erkrankten

Seoul, am 16. März: Arbeiter in Schutzanzügen bereiten sich darauf vor, Desinfektionsmittel als Vorsichtsmaßnahme gegen das neue Coronavirus zu sprühen. Bild: dpa

Wir wollen leben, nehmt unsere Daten: Hannes B. Mosler über Bewegungsfreiheit und den gläsernen Menschen in Südkorea.

          4 Min.

          Herr Mosler, Sie sind Professor für Koreastudien an der FU Berlin. Südkorea wurde von Corona besonders heftig getroffen, inzwischen konnte die Zahl der Neuinfektionen gesenkt werden. Ist das Land ein Vorbild, wie man die Ausbreitung in den Griff bekommen kann?

          Sandra Kegel

          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton.

          Man muss vorsichtig sein, auch in Südkorea handelt es sich noch immer um eine dynamische Situation. Schnelles Handeln der Regierung, verantwortungsvolles Verhalten der Bürger und die Krisenerprobtheit des Landes sind wichtige Faktoren für den vorläufigen Erfolg. Auf das zentralistische Präsidialsystem lässt sich das nur bedingt zurückführen. Denn sitzt in der Zentrale die falsche Person, wie im Fall des Fährunglücks 2014, kann das auch nach hinten losgehen. Ohne Zweifel hat der amtierende Präsident Moon Jae-in die Krise bis dato effektiv bekämpft. Nicht zu unterschätzen ist außerdem, dass die Südkoreaner politisch sehr interessiert sind. Die Gesellschaft weist einen hohen Bildungsgrad auf, siebzig Prozent der Abiturienten studieren. Wenn etwas Außergewöhnliches passiert, wollen die Menschen bis ins Detail informiert sein. Das erklärt sich einerseits aus der diktatorischen Vergangenheit. Die Südkoreaner aber haben zudem einen hohen ethisch-moralischen Anspruch an die Regierung, die Gesellschaft und sich selbst.

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