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Corona-Pandemie in Indonesien : Für Trauer um die Opfer bleibt wenig Zeit

Ein Sonderabschnitt des Friedhofs Pondok Ranggon, der für die Bestattung von Menschen eröffnet wurde, die an einer Corona-Infektion gestorben sind. Bild: dpa

Die rasant steigenden Corona-Infektionen bringen Indonesien an die Belastungsgrenze. Bis zum Jahresende wird nun der Kollaps des indonesischen Gesundheitssystems vorausgesagt. Lässt sich das Virus mit einem zweiten Lockdown bremsen?

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          In einem Krankenwagen wurde die Leiche des verdienten Mitarbeiters vor das Rathaus gefahren. Jakartas Gouverneur Anies Baswedan und sein Team hatten sich auf der Treppe vor dem Gebäude versammelt, um dem langjährigen Regionalsekretär Jakartas, Saefullah, das letzte Geleit zu geben. Der 56 Jahre alte Beamte war vorige Woche an den Folgen von Covid-19 gestorben. Sein Sarg blieb wegen der Ansteckungsgefahr während der Zeremonie im verschlossenen Gefährt. Doch den Abschied wollte sich der Gouverneur nicht nehmen lassen. Saefullah habe im Kampf gegen die Pandemie eine wichtige Rolle gespielt, berichtet Anies Baswedan der F.A.Z. „Er hat bis zum bitteren Ende unermüdlich hinter den Kulissen gearbeitet und hatte nie vorgehabt, aufzugeben.“

          Kollaps des indonesischen Gesundheitssystems

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Der Tod des Sekretärs Saefullah ist eines der bekanntesten Beispiele dafür, wie die Pandemie in Indonesien diejenigen besonders hart trifft, die an vorderster Front gegen das Coronavirus im Einsatz sind. Mittlerweile sind schon drei Minister aus dem Kabinett von Präsident Joko Widodo an Covid-19 erkrankt, zuletzt der Religionsminister. Einige Ministerien, darunter das Gesundheitsministerium, gehören zu den größten Corona-Clustern. Noch schlechter als den Politikern ergeht es dem Personal in den Krankenhäusern und Gesundheitsstationen. Mehr als 230 Ärzte und Schwestern sind seit März der Pandemie zum Opfer gefallen. Bis zum Jahresende wird nun der Kollaps des indonesischen Gesundheitssystems vorausgesagt.

          Nach den Philippinen ist Indonesien in Südostasien das Land mit den meisten Infektionen. Am Freitag kamen laut Behörden 4823 Fälle hinzu. Es war der dritte Tag in Folge mit einem Rekordanstieg. Die Gesamtzahl der positiv Getesteten erreicht 266.845, die der Toten 10.218. Das sind mehr Tote als in jedem anderen Land Südostasiens. Die Dunkelziffer dürfte hoch sein. Die Testrate in Indonesien gehört zu den niedrigsten der Welt. Die extrem gestiegene Arbeitsbelastung der Totengräber ist ein Hinweis darauf, wie hoch die Übersterblichkeit tatsächlich ist. In Jakarta ist die Zahl der Beerdigungen so hoch wie seit zehn Jahren nicht.

          „Notbremse“

          Die Hauptstadt ist mit einem Viertel der Fälle das Zentrum der Pandemie. Die wichtigsten Krankenhäuser sind voll und führen Wartelisten für Corona-Patienten. Der Gouverneur hatte Mitte September einen Lockdown verhängt und ihn nun noch einmal für zwei Wochen verlängert. Von einer „Notbremse“ spricht Anies Baswedan: „Ich mache mir Sorgen über die rasche Zunahme an Fällen in den vergangenen Wochen und die Schwierigkeiten, denen die Einrichtungen des Gesundheitssystem mit Hinblick auf den Mangel an Betten und Personalstärke gegenüberstehen.“ Er habe befürchtet, dass sich die Folgen wie eine Lawine ausgebreitet hätten, hätte er nicht frühzeitig die Bewegungsfreiheit der Menschen eingeschränkt.

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