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Corona-Pandemie in Indonesien : Für Trauer um die Opfer bleibt wenig Zeit

Schon vor dem Lockdown waren 78 Prozent der Betten in Isolationszimmern und 85 Prozent der Intensivbetten belegt. Ein Herzspezialist berichtet, seine Klinik telefoniere in der Hauptstadt jedes Mal rund 20 Krankenhäuser ab, um ein Bett für einen positiv getesteten Patienten zu finden. Laut einem Politikberater des Gouverneurs waren die Maßnahmen auch notwendig, um Ärzte und Schwestern zu schützen. „Wir dürfen sie nicht im Stich lassen“, sagt Dedi Wijaya. Der Gouverneur hofft, dass auch die Tausende Mitarbeiter der Verwaltung in Ehren gehalten werden, „indem alle ihr Möglichstes tun, um die weitere Verbreitung des Virus aufzuhalten“.

Ein neuer Lockdown

Der neue Lockdown ist weniger streng als derjenige, der schon einmal von April bis Juni gegolten hatte. Er verbietet Ansammlungen von mehr als fünf Personen und reduziert die Zahl der Personen, die am Arbeitsplatz gleichzeitig anwesend sein dürfen. Gaststätten dürfen nur für den Verkauf außer Haus anbieten. Die Schulen sind ohnehin seit Monaten geschlossen. Gleichzeitig erhöht die Stadtverwaltung die Zahl der Betten.

Aber lässt sich die Ausbreitung des Virus damit bremsen? In der Metropolregion Jakarta leben rund 30 Millionen Menschen. In Jakarta selbst nehmen die Fälle etwas langsamer zu, in den umliegenden Regionen steigen sie weiter rasant an. In den Slums und den Kampungs, den traditionellen Siedlungen, sind die Regeln kaum durchzusetzen. Bei den Hygienemaßnahmen mangelt es auch an Disziplin. „Es gibt immer noch Leute, die keine Maske tragen“, sagt Shinta Kamdani, die Vize-Vorsitzende der indonesischen Industrie- und Handelskammer. Gleichzeitig leiden die Kranken unter dem Stigma, das mit einer Infektion verbunden ist. Es wird von Fällen berichtet, in denen Menschen sich nicht testen lassen, weil sie die gesellschaftlichen Folgen fürchten. Viele leiden unter den wirtschaftlichen Auswirkungen. In den Slums leben die Menschen ohnehin von der Hand in den Mund. Millionen rutschen noch tiefer in die Armut ab.

Für Trauer bleibt wenig Zeit

Das Geld aus dem milliardenschweren Konjunkturpaket der Zentralregierung kommt bisher kaum bei ihnen an. Der Gouverneur bezeichnet die Versorgung der Armen als „höchste Priorität“. Es würden Millionen Hilfspakete verteilt. Er wolle die Botschaft vermitteln, dass alle in der Krise an einem Strang ziehen müssten. Dabei gibt es auch Spannungen zwischen dem Gouverneur und Präsident Joko Widodo. Als Baswedan zum ersten Mal einen Lockdown verhängt hatte, zog er sich die Kritik des Präsidenten zu. Widodo, ein ehemaliger Möbelhändler, der auch eine Zeitlang Gouverneur Jakartas war, legte von Beginn an vor allem Wert darauf, dass die Wirtschaft in der Pandemie weiterläuft.

Der Präsident hatte auch schon frühzeitig eine „neue Normalität“ verkündet, die in Indonesien nun herrschen sollte. Er gab sogar zu, dass er die Pandemie anfangs kleingeredet hatte, um Panik zu vermeiden. Die Folge war eine rasche Ausbreitung der Seuche. Gouverneur Baswedan meint, er sehe die ganze Nation im Kampf gegen das Virus vereint: „Bis jetzt bin ich sehr optimistisch, was den Willen der Nation angeht, zu überleben und stärker aus der Krise hervorzugehen.“ Sein Optimismus soll den Menschen Mut machen. Aber der Tod des Sekretärs hat den Gouverneur tief getroffen. Angesichts der Krise, der er sich gegenübersieht, bleibt für Trauer jedoch wenig Zeit.

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