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Freiwillige Quarantäne : „Die letzte Chance“ in Spanien

Am Stadtstrand von Barcelona lange Schlangen: Bald könnten die Strände wieder geschlossen werden. Bild: dpa

In nur zwei Wochen hat sich die Zahl der Neuinfektionen in Spanien verdreifacht. Ein Hotspot ist Katalonien. Bürgermeister klagen über fehlendes Personal für die Nachverfolgung der Infektionsketten. Kommt der nächste Lockdown?

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          In dieser Woche sollte endlich gefeiert werden. In Katalonien wollte man den Festtag zu Ehren des heiligen Georg nachholen, an dem sich die Menschen traditionell Bücher und Rosen schenken. Er findet eigentlich am 23. April statt. Wegen der Corona-Pandemie wurde er auf den 23. Juli verschoben. Doch auch dieser Termin war zu optimistisch gewählt: Am Wochenende hat die Regionalregierung die Bewohner der Küstenstadt und mehrerer weiterer Städte in die freiwillige Quarantäne geschickt. Dazu wurden Beschränkungen in Kraft gesetzt, wie sie während der langen Monate des Ausnahmezustands gegolten hatten. Dennoch nehmen die Infektionen weiter zu. Bald könnte für mehr als vier Millionen Katalanen die häusliche Quarantäne zur Pflicht werden.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Nur gut einen Monat nach dem Ende des Ausnahmezustands wächst in Spanien die Sorge vor einer zweiten Corona-Welle, die erst im Herbst befürchtet wurde. Innerhalb von nur gut zwei Wochen hat sich die Zahl der Neuinfektionen verdreifacht. Spanien nimmt damit in Europa nach Luxemburg einen Spitzenplatz ein. Inzwischen werden 27 Fälle pro 100.000 Einwohner registriert, die meisten davon in Katalonien und in der Nachbarregion Aragon. Mehr als 800 neue Fälle waren es allein in der vergangenen Woche in Barcelona. Dort trifft es oft junge Leute, die sich verhalten, als wäre die Pandemie schon vorüber. In ländlichen Gegenden haben Wanderarbeiter, die in der Obsternte im Einsatz sind, dazu beigetragen, das Virus zu verbreiten.

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          Die Ermahnungen in Katalonien sind entsprechend dramatisch. Die freiwillige Quarantäne sei „die letzte Chance“, mahnte die katalanische Regierungssprecherin. Wenn es nicht gelinge, die Ausbreitung des Virus zu stoppen, müssten noch viel drastischere Zwangsmaßnahmen ergriffen werden – ähnlich wie in der schon seit Anfang Juli abgeriegelten Provinz Segrià. Doch bislang hielten sich in Barcelona nicht viele an die Quarantäne. Am Wochenende musste die Polizei mehrere Strände wegen Überfüllung schließen, künftig soll der Zugang beschränkt werden. Trotz der Aufforderung, zu Hause zu bleiben, fuhren Tausende in ihre Ferienwohnungen.

          Frankreich beobachtet die Situation genau

          Für Barcelona und die Costa Brava bedeuten die neuen Zahlen einen weiteren Rückschlag. Hoteliers haben die Saison längst abgeschrieben. Am Donnerstag appellierten sie an die Behörden, wendig und mit möglichst chirurgischen Schritten zu reagieren, um einen harten Lockdown zu vermeiden, der für die Wirtschaft fatal wäre. Im benachbarten Frankreich verfolgt man die Entwicklung genau. Manche befürchten schon eine Schließung der Grenzen.

          Eigentlich wollte die separatistische Regionalregierung nach dem Ende des Ausnahmezustands alles besser machen als die Zentralregierung, die in den ersten Monaten die Regie im Kampf gegen die Pandemie übernommen hatte. Aus Barcelona war der Vorwurf gekommen, Madrid sei wegen seines schlechten Krisenmanagements am Tod vieler Katalanen mit schuld. Erst wollte Regionalpräsident Quim Torra so schnell und hart wie möglich durchgreifen. Um Katalonien besser zu schützen, wollte er die Region am liebsten vom Rest Spaniens abriegeln. Später konnten ihm die Lockerungen nicht schnell genug kommen. Doch nach Ansicht von Fachleuten zeigen die jüngsten Zahlen, dass das katalanische Gesundheitssystem nicht auf die neue Lage vorbereitet ist.

          Man habe zu spät reagiert, kritisiert die Bürgermeisterin von Barcelona, Ada Colau. Vor allem die Identifizierung der Kontaktpersonen der Infizierten und ihre Isolierung hätten nicht funktioniert. Auch andere Bürgermeister klagen über mangelhafte Koordination und das Fehlen aktueller Daten. Die katalanische Zeitung „La Vanguardia“ hält in einem Kommentar den regionalen Behörden ein „vollständiges Scheitern“ bei der Krisenintervention vor. In den Gesundheitsämtern fehlen besonders die Mitarbeiter, die Infektionsketten nachverfolgen. Erst am vergangenen Donnerstag kündigte die Regionalregierung an, deren Zahl auf 500 zu verdoppeln. In Deutschland sind für eine vergleichbare Bevölkerungszahl etwa 2000 Mitarbeiter im Einsatz.

          Dieser gefährliche Personalmangel lässt sich nicht nur in Katalonien beobachten. Ganz Spanien verfügt nach einer Übersicht der Zeitung „El País“ über weniger als die Hälfte der eigentlich benötigten Fachleute. Statt mindestens 8500 stünden nur 3500 bereit. In Madrid ist ein Mitarbeiter demnach für fast 36.000 Einwohner zuständig, in Katalonien für gut 30.000. In Deutschland hält man eine Fachkraft für 4000 Menschen für nötig, um schnellstmöglich Kontaktpersonen ausfindig zu machen und notfalls in Quarantäne zu schicken.

          40.000 Gastro-Betriebe in Spanien schließen

          Die Corona-Pandemie hat tiefe Kerben in die Restaurant- und Kneipenlandschaft Spaniens geschlagen. Nach Angaben des spanischen Gastronomieverbandes vom Dienstag mussten wegen ausbleibender Gäste während der Krise landesweit rund 40.000 Bars, Restaurants und Hotels dauerhaft schließen. Das entspricht etwa 13 Prozent der gastronomischen Betriebe Spaniens. Bis Ende des Jahres rechnet der Verband damit, dass die Zahl der geschlossenen Betriebe auf 65.000 ansteigt.

          Auf den Balearen-Inseln, darunter das bei Deutschen beliebte Urlaubsziel Mallorca, habe auch nach dem Ende der Grenzschließungen in der Europäischen Union weniger als die Hälfte der Bars und Restaurants wieder geöffnet, erklärte der Verband. In den Großstädten des Landes leidet die Branche demnach auch unter ausbleibenden einheimischen Gästen, die sich stattdessen wegen des verbreiteten Homeoffice zuhause versorgen. Die Hotel- und Gastrobranche ist ein zentraler Sektor der spanischen Wirtschaft. (AFP)

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