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Corona-Lockdown in Nigeria : Eine Epidemie der Gewalt

  • -Aktualisiert am

„Ein Vergewaltiger ist ein Mörder“: Protest in Abuja Mitte Juni Bild: AP

In Nigeria haben Vergewaltigungen im Corona-Lockdown zugenommen. Sämtliche Gouverneure der 36 nigerianischen Bundesstaaten haben mittlerweile den Notstand wegen sexueller Gewalt ausgerufen.

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          Die Frauen, die am 5. Juni durch die Straßen nigerianischer Großstädte zogen, trugen Schwarz und waren zornig. Ihre Botschaft an die männlichen Landsleute hielten sie auf schwarz-gelben Schildern in die Höhe. „Vergewaltigt uns nicht! Tötet uns nicht! Lasst uns in Ruhe!“ Aus Sorge um die Gesundheit oder aus Angst vor der Polizei trugen viele Demonstrantinnen Masken vor Mund und Nase. Nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität sind in Nigeria, einem Staat mit rund 200 Millionen Einwohnern, bisher 525 mit Sars-CoV-2 infizierte Personen gestorben.

          Die Frauen, die in Lagos, Abuja und Benin-Stadt auf die Straße gingen, wollten auf die Eskalation der Gewalt gegen sie und ihre Kinder hinweisen. Unter dem Hashtag #WeAreTired schlossen sie sich zusammen. Als die Corona-Pandemie ausbrach, verordnete auch die Regierung des westafrikanischen Ölstaats strikte Maßnahmen. Ein Lockdown wurde verhängt. In Megastädten wie Lagos mit rund 20 Millionen Einwohnern überfielen daraufhin Hungernde Lebensmitteltransporte – und die häusliche Gewalt nahm zu.

          Einige Fälle machten Schlagzeilen. Zum Beispiel der Mord an der 22 Jahre alten Studentin Vera Uwaila Omosuwa aus dem Bundesstaat Edo. Sie hatte sich in der Küstenstadt Benin-Stadt zum Lernen in eine Kirche zurückgezogen und wurde dort vergewaltigt. Drei Tage später starb sie an ihren Verletzungen. Am selben Tag gab die Polizei im Bundesstaat Jigawa die Verhaftung von drei Verdächtigen bekannt, die eine Zwölfjährige vergewaltigt haben sollen. Entsetzen rief auch der Fall der 18 Jahre alten Barakat Bello hervor. Die junge Frau wurde in der Stadt Ibadan im Bundesstaat Oyo hinter dem Elternhaus vergewaltigt und erstochen. Im Bundesstaat Benue verhaftete die Polizei vier Männer, die Kinder im Alter von sechs bis 15 Jahren vergewaltigt haben sollen. Auch in diesem Fall war der Tatort eine Kirche.

          Es sind keine Einzelfälle. Seit sich die Regierung dem Kampf gegen das Coronavirus verschrieben hat, riefen dreimal so viele Nigerianerinnen bei einer Hotline für sexuellen Missbrauch an. „Wir hatten immer schon Vergewaltigungen in diesem Land, aber durch den coronabedingten Lockdown wurden Frauen und Kinder mit denjenigen, die sie missbrauchen, zusammen eingesperrt“, sagte Frauenministerin Pauline Tallen und sprach von einer „Epidemie der Gewalt gegen Frauen“. In einer Ansprache an die Nation Mitte Juni sagte auch der Präsident Muhammadu Buhari, er sei „aufgebracht über die jüngsten Vergewaltigungen, besonders die von sehr jungen Mädchen“.

          Offenbar zeigen die Proteste Wirkung: Sämtliche Gouverneure der 36 nigerianischen Bundesstaaten haben mittlerweile den Notstand wegen sexueller Gewalt ausgerufen. Ein Register von Sexualstraftätern, das im November beschlossen worden war, soll nun für das ganze Land angelegt werden. Die Polizei soll härter durchgreifen. Justizminister Abubakar Malami kündigte zudem die Bildung eines Komitees an, das sich aus Angehörigen verschiedener Ministerien zusammensetzen wird. Es soll überprüfen, ob das Strafrecht verschärft werden muss, um effektiver gegen Vergewaltiger vorgehen zu können.

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