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Lage in Frankfurt verschärft : Sprunghaft mehr beatmete Patienten in hessischen Kliniken

Discountware: Werbung für Alltagsmasken in Offenbach, dem hessischen Corona-Hotspot Bild: dpa

Die hessischen Gesundheitsämter haben über Nacht einen der höchsten Werte an Corona-Neuinfektionen seit März gemeldet. Im Ballungsraum Rhein-Main bleibt die Lage angespannt. Kliniken betreuen deutlich mehr Patienten als vor einer Woche.

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          Hessische Krankenhäuser müssen deutlich mehr Covid-19-Patienten behandeln als noch vor einer Woche. Sprunghaft gestiegen ist die Zahl jener, die intensivmedizinisch betreut und beatmet werden müssen. Wie das Sozialministerium der F.A.Z. mitteilt, liegen 567 Corona-Kranke in einer Klinik, vor Wochenfrist waren es noch 399 gewesen. Nach zuvor 67 Patienten sind nun 110 Personen an Beatmungsgeräte angeschlossen. Das ist eine Zunahme um fast zwei Drittel.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Umgekehrt stehen weniger Betten an hessischen Krankenhäusern zur Verfügung. 6033 sind laut Ministerium frei, das ist ein Minus von 155. Darunter sind 599 sogenannte Beatmungsbetten, 62 weniger als vor Wochenfrist. Ob es auch überall ausreichend geschultes Personal für jedes freie Bett gibt, teilte das Ministerium nicht mit. In den vergangenen Wochen haben die Gesundheitsämter erheblich mehr neue Fälle gemeldet als vorher. Es gibt erheblich mehr Neuinfektionen als im Frühjahr. Das schlägt sich nun in den Kliniken nieder.

          Neuer Inzidenz-Rekord in Offenbach

          Anders als im Bund hat das Robert-Koch-Institut für Hessen nicht den zweithöchsten Wert an Corona-Neuinfektionen seit Beginn der Pandemie im März bekanntgegeben. 749 neue bestätigte Covid-19-Fälle bedeuten zudem 33 weniger als am Vortag. Beides bedeutet aber keine Entspannung der Lage. Denn auch in diesem zentral gelegenen Bundesland bewegt sich das Infektionsgeschehen weiter auf sehr hohem Niveau. 749 ist einer der höchsten Werte für Hessen, wie das Sozialministerium nachweist. Außerdem verschärft sich die Situation in den Hotspots Frankfurt und Offenbach weiter.

          Wie sich der Internetseite des kurz RKI genannten Bundesinstituts zur Seuchenbekämpfung weiter entnehmen lässt, ist die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz in der Mainmetropole von 122 auf 124,4 gestiegen. In Offenbach hat sie von 127 auf 129 zugelegt. Solche Werte hatte es zuvor noch nicht gegeben. Für Kassel, wo es einen Corona-Ausbruch in einem Flüchtlingsheim gegeben hatte, liegt die Inzidenz bei gut 107. Fast dreistellig ist der Wert nun im Kreis-Groß-Gerau.

          Angesichts der Zunahme der neuen Fälle binnen Wochenfrist unter 100.000 Einwohnern haben beide Städte ihre Corona-Vorgaben unlängst verschärft. Gleiches gilt für die Landeshauptstadt Wiesbaden, in der der Inzidenzwert gleichwohl ebenfalls klettert und nun laut RKI bei gut 82 liegt. Damit gilt auch für Wiesbaden die höchste Warnstufe nach dem Eskalationskonzept des Landes (siehe Grafik). Für das benachbarte Mainz steht ein Wert von 74,1 zu Buche. 

          Nach acht weiteren Todesfällen in Verbindung mit der Pandemie, die das RKI zum Dienstag verzeichnet hatte, spricht es nun von zusätzlichen sechs Corona-Opfern. Die Gesamtzahl der an den Folgen einer Covid-19-Infektion gestorbenen Personen in Hessen summiert sich offiziell seit März auf 590. Sollte es in den nächsten Tagen ähnlich hohe Zahlen geben, ließe dies auf eine wieder steigende Sterblichkeit schließen. Denn zwischenzeitlich hatte das RKI nur vereinzelte oder gar keine weitere Todesfälle gemeldet.

          Genesenen-Gruppe wächst wieder kräftig

          Erfreulich: Die Gruppe der Genesenen wächst weiter stetig. Das RKI geht nunmehr von 20.500 Frauen, Männern und Kindern aus, die ihre Infektion überstanden haben. Das sind etwa 300 mehr als am Vortag. Auf ein Corona-Opfer in Hessen kommen statistisch gesehen 34,7 Genesene, etwas mehr als am Dienstag. 6217 Infektionen sind noch nicht ausgestanden, am Vortag waren es noch 5774. Seit März haben die Gesundheitsämter 27.307 Infektionen gemeldet.

          Wie die Staatskanzlei gegen Mittag bekanntgab, sind Corona-Tests bei den Ministern Tarek Al-Wazir und Kai Klose (beide Die Grünen) negativ ausgefallen. Sie hatten sich testen lassen, nachdem die Infektion ihrer Kollegin Angela Dorn bekanntgeworden war.

          Das hessische Sozialministerium veröffentlicht täglich eine Übersicht der Corona-Entwicklung, aufgeschlüsselt nach Kreisen und kreisfreien Städten. Es bezieht sich dabei auf Zahlen des RKI. In den ersten Wochen der Pandemie berücksichtigte es auch Daten des Hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamts im Gesundheitswesen beim Regierungspräsidium Gießen, dem die Gesundheitsämter die jeweils neuen Fälle melden müssen. Um Einheitlichkeit herzustellen, nimmt das Ministerium nun nur noch die RKI-Angaben.

          Von Kommunen selbst gemeldete Zahlen können von den RKI-Zahlen abweichen, da sie die Daten mit Zeitverzögerung weitergeben. Zahlen, die die Kommunen selbst nennen, sind in der Regel aktueller als die des RKI oder des hessischen Sozialministeriums, wie dpa anmerkt. Das RKI schätzt die Zahl der Genesenen im übrigen nur. Eine Infektion gilt nach gut zwei Wochen als ausgestanden. Wer dann nicht ärztlich behandelt, wird als genesen betrachtet, wie es heißt.

          Aus Frankfurter Sicht ist grundsätzlich wichtig: Die am Flughafen genommenen positiven Tests werden nicht der Stadt zugeordnet. Vielmehr schlagen sie sich nach Angaben des Sozialministeriums in der Statistik des Gesundheitsamts nieder, das für den jeweiligen Reiserückkehrer zuständig ist. Das kann auch das Frankfurter Amt sein oder ein anderes in Hessen, aber eben auch eine Behörde in einem anderen Bundesland.

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