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Corona-Krise : Wie die Bundeswehr gesund bleiben und helfen will

Die Lüttich-Kaserne in Köln ist nach einem Corona-Fall geschlossen. Bild: dpa

Für 180 Millionen Euro wurden Atemmasken und Schutzanzüge angeschafft, das Großmanöver Defender 2020 abgesagt. Zugleich stellt sich die Truppe darauf ein, im Notfall Hilfe zu leisten.

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          Die Bundeswehr steht bereit, um sowohl regional als auch bundesweit in der gegenwärtigen Corona-Lage zu helfen. Das hat Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) am Sonntag bekräftigt. Zugleich versucht die Truppe, sich mit vielfältigen Maßnahmen selbst gegen das Virus zu verteidigen. Hierzu wurde am Samstag die deutsche Teilnahme am Großmanöver Defender 2020 abgesagt.

          Peter Carstens
          Politischer Korrespondent in Berlin

          Am Sonntag teilte die Streitkräftebasis der Bundeswehr mit, dass der Dienstbetrieb auf das „unabweisbar Notwendige“ reduziert werde, um im Falle des Falles genügend Kräfte zur Verfügung zu haben. In der Grundorganisation der Bundeswehr sind sowohl die Logistik als auch der Heimatschutz, das Feldjägerwesen und die zivil-militärische Zusammenarbeit organisiert. Ein Großteil der möglichen Unterstützung, etwa für überforderte Landkreise, im Extremfall aber auch Großstädte, würde von dieser Organisation kommen, die Generalleutnant Martin Schelleis führt.

          Kramp-Karrenbauer sagte: „Wir planen auf allen Ebenen so, dass wir alle kritischen Bereiche sicher abdecken könnten, auch, was an Amtshilfe auf uns zukommt.“ Den Einsatz der Bundeswehr in Katastrophenfällen regelt das Grundgesetz. Dort ist in Artikel 35 festgeschrieben, dass Behörden des Bundes und der Länder sich gegenseitig Rechts- und Amtshilfe leisten.

          Der „Welt am Sonntag“ sagte Kramp-Karrenbauer, es seien die Reservisten aufgerufen, sich zu melden, um in den Bundeswehrkrankenhäusern mitzuhelfen. Aber ähnlich wie das Zivilleben, sind auch Bundeswehrangehörige von den bundesweiten Schließungen von Schulen und Kindergärten betroffen und müssen die Betreuung ihrer Kinder organisieren.

          Das Sanitätswesen der Bundeswehr rief deshalb Krankenpfleger, Notfallsanitäter, Labor-Assistenten und pharmazeutisch-technische Assistenten in der Reserve auf, sich zu melden. Im Sanitätsdienst der Bundeswehr arbeiten insgesamt rund 20.000 Menschen.

          18 Betroffene bis Freitagabend

          Bereits seit einigen Wochen werden über das Beschaffungsamt der Bundeswehr zusätzliche Atemmasken, Schutzanzüge und Medikamente beschafft. Insgesamt, so ist zu hören, wurden dafür bislang mehr als 180 Millionen Euro ausgegeben. Zudem trifft die Bundeswehr neben dem bereits für Wuhan-Verdachtsfälle ausgebauten Standort Germersheim in der Südpfalz in mindestens drei weiteren Kasernen Vorkehrungen für die Aufnahme Hunderter Patienten. In Germersheim hatten 122 Personen, die zuvor von der Luftwaffe aus China abgeholt worden waren, zwei Wochen in Quarantäne verbracht.

          Die Truppe selbst war bis Freitagabend mit derzeit 18 Fällen betroffen, wie die Ministerin sagte. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte am Samstag eine stärkere Einbindung der Bundeswehr in den Kampf gegen die Corona-Pandemie angeregt. Sie solle mit Pflegepersonal, Ärzten, Laboreinrichtungen und Kapazitäten in ihren Krankenhäusern mithelfen. Das sei „angesichts dieser Krise unabdingbar“.

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