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Corona-Krise : Trump schwört Amerika auf Tragödie ein

  • Aktualisiert am

Die Geduld der Amerikaner werde getestet, sagte Präsident Donald Trump. Bild: Reuters

Wie bereits in China baut das Militär in den Vereinigten Staaten temporäre Coronavirus-Krankenhäuser auf. Die Prognose der Regierung, wie viele Menschen an dem Virus sterben werden, ist niederschmetternd.

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          Es sind die bislang dramatischsten Worte, die der Präsident der Vereinigten Staaten seit Ausbruch der Virus-Pandemie gewählt hat: „Es ist absolut entscheidend für das amerikanische Volk, die Richtlinien für die nächsten 30 Tage zu befolgen. Es ist eine Frage von Leben und Tod“, sagte Donald Trump während einer Pressekonferenz in der Regierungszentrale in Washington. Das Weiße Haus befürchtet nach einer Prognose zwischen 100.000 und 240.000 Tote in Amerika durch das Coronavirus - trotz Maßnahmen zur Eindämmung.

          Die Zahl der Infektionen mit dem Coronavirus in den Vereinigten Staaten war in den vergangenen Tagen drastisch angestiegen. Bis Dienstagabend Ortszeit verzeichnete die Johns-Hopkins-Universität in Baltimore mehr als 180.000 Fälle. Landesweit starben demnach bereits mehr als 3700 Menschen an dem Virus. Laut Zählungen der Nachrichtenagentur Reuters sind innerhalb eines Tages 800 Menschen an dem Virus gestorben, fast die Hälfte der Todesopfer gab es im Bundesstaat New York. Die Vereinigten Staaten haben inzwischen mehr bestätigte Fälle als jedes andere Land der Welt. Die Verbreitung der Coronavirus-Epidemie hat sich zuletzt dramatisch beschleunigt. Erst am vergangenen Freitag hatte die Zahl der bekannten Infektionen die Marke von 100.000 überschritten, jetzt liegt die Zahl bei 180.000.

          Trump war bei der Pressekonferenz am Dienstagabend im Weißen Haus in düsterer Stimmung - anders als noch in der vergangenen Woche, als er die Parole vorgab, die Vereinigten Staaten sollten bis Ostersonntag wieder weitgehend wie vor dem Virus funktionieren. Er stimmte seine Bevölkerung auf zwei schmerzhafte Wochen ein: „Ich möchte, dass jeder Amerikaner auf die harten Tage vorbereitet ist, die vor uns liegen. Wir werden zwei sehr harte Wochen durchmachen.“ Bemerkenswert war bei der Pressekonferenz am Dienstagabend, wie oft er den beiden medizinischen Experten, der Ärztin Deborah Birx und dem Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten, Anthony Fauci, das Podium überließ - statt selber zweifelhafte Antworten zu geben, die exakt diese beiden Mediziner in der Vergangenheit dann oft wieder richtigstellen mussten.

          Coronavirus-Koordinatorin des Weißen Hauses, Deborah Birx, geht von einem massiven Anstieg an Virustoten in den nächsten zwei Wochen aus.

          Die Coronavirus-Koordinatorin des Weißen Hauses, Deborah Birx, sagte vor Journalisten im Weißen Haus: „Es gibt kein Wundermittel, es gibt keinen magischen Impfstoff oder Therapie. Es ist nur unser Verhalten: Wie wir uns verhalten, kann den Verlauf dieser viralen Pandemie in den nächsten 30 Tagen verändern.“

          Vizepräsident Mike Pence ergänzte, die Bemühungen zur Eindämmung zeigten Wirkung. „Wir haben Grund zu der Annahme, dass sie funktionieren“, sagte Pence. „Lassen Sie sich nicht entmutigen!“

          Die amerikanische Regierung hat unterdessen mit dem Aufbau von Hunderten behelfsmäßigen Krankenhäusern in der Nähe ihrer Großstädte begonnen. „Dies ist der Punkt, an dem wir auf die nächste Woche vorbereitet sein müssen, weil wir mit einem enormen Anstieg der Fallzahlen rechnen. Was ich letzte Woche ganz klar angefragt habe, war, dass hier Militärmedizinisches Personal eingesetzt wird“, sagte der New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio im Billie Jean King National Tennis Center in Queens, wo eilig ein Feldlazarett gebaut wurde. Das Tenniszentrum ist normalerweise der Austragungsort der US Open, die in diesem Jahr wie geplant am 24. August stattfinden sollen.

          De Blasio, ein Demokrat, sagte, er habe das Weiße Haus um weitere 1000 Krankenschwestern, 300 Atemtherapeuten und 150 Ärzte bis Sonntag gebeten.

          Das Militär funktioniere derzeit Hotels, Kongresszentren und große Freiflächen in 341 temporäre Krankenstationen um, erklärte Generalleutnant Todd Semonite dem Sender ABC. Das Korps hatte das Kongresszentrum in New York City innerhalb einer Woche bereits in ein 1000-Betten-Krankenhaus umgewandelt. Die Pandemie hat Ärzten, Krankenschwestern und anderen Beschäftigten im Gesundheitswesen Tribut gezollt - sie sind überlastet, es fehlt an medizinischen Geräten und Schutzausrüstungen.

          Trumps anfängliche Weigerung, die Gefahr durch das neuartige Coronavirus ernstzunehmen, hat die Vereinigten Staaten wertvolle Zeit gekostet - ebenso wie die Tatsache, dass das Land viel zu spät mit Tests in die Spur kam. Dennoch ist Trump weiterhin nicht bereit dazu, Defizite im Umgang mit der Krise einzuräumen. Am Dienstagabend betonte er erneut, sein Land hätte inzwischen mehr Menschen getestet als jedes andere Land der Welt. Die Frage, warum trotzdem immer noch nicht jeder, der einen Test benötige, diesen auch bekomme, beantwortete er nicht. Dabei hatte Trump schon vor mehr als drei Wochen vollmundig versprochen: „Jeder, der einen Test braucht, bekommt einen Test.“

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