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Soforthilfen in Corona-Zeiten : Richtig und notwendig

Server überlastet: Auch vom Handy war die für die Anträge Seite nicht erreichbar (Symbolbild). Bild: dpa

Um kleine Betriebe vor der Insolvenz durch die Folgen der Corona-Krise zu bewahren, stellt Hessen Soforthilfen bereit. Der große Ansturm darauf verdeutlicht noch einmal mehr die Dimension der Krise. Eines ist besonders wichtig.

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          Es gibt Tausende Kleinunternehmer und Solo-Selbständige in Hessen, die seit Tagen große Sorgen um ihre Existenz haben. Der Messebauer, der keine Stände mehr bauen darf, weil es keine Messen mehr gibt; der Fotograf, der nichts zu tun hat, weil alle Veranstaltungen abgesagt wurden; der Wirt und der Frisör, die ihre Läden schließen mussten; der Künstler, der keine Auftritte mehr hat: fast über Nacht sind vielen von ihnen Aufträge weggebrochen, zum Teil sogar alle. Wenn die Umsätze bei null liegen und Miete und Gehälter weiter gezahlt werden müssen, bedarf es keines Mathematik-Genies, um sich der Folgen gewiss zu werden.

          So bitter das ist: Man wird nicht alle Betriebe retten können. Dennoch sind die nun bereitgestellten Soforthilfen der Landesregierung ein notwendiges Mittel, um Firmen zu unterstützen, die nicht wissen, wie sie Rechnungen begleichen sollen. Die fünfstelligen Eurobeträge, die nicht zurückgezahlt werden müssen, können Firmen zwar nicht allzu lange über Wasser halten. Aber sie können die Zeit bis zu jenem Tag, an dem die Insolvenz droht, verlängern – in der Hoffnung, dass bis dahin der Alltag in Deutschland zumindest in Teilen wieder normal läuft und die Wirtschaft wieder anspringt. Und sie sind ein Signal an die Unternehmer, jetzt durchzuhalten, nicht zu schnell aufzugeben.

          Das kleinere Übel

          Ließe man Kleinunternehmen, die unschuldig durch das Coronavirus in Not geraten sind, nun pleitegehen, käme das die Volkswirtschaft deutlich teurer zu stehen, als sie nun, so gut und so lange es geht, zu stützen. Dass es Mitnahmeeffekte von Betrieben geben wird, die gar keine Hilfe benötigen, ist ärgerlich. Es ist aber das kleinere Übel gegenüber einer Hilfe, die an vielen Stellen tatsächlich gebraucht wird, um Existenzen zu sichern.

          Viele Unternehmer klagten am Montag darüber, dass sich die Seite des für die Anträge zuständigen Regierungspräsidiums Kassel stundenlang nicht erreichen ließ, weil der Server offenbar dem Ansturm nicht gewachsen war. Welches Licht das auf die Digitalisierung öffentlicher Einrichtungen wirft, ist das eine. Viel besorgniserregender ist, dass der Ansturm auf Staatshilfen die Dimension der Corona-Krise noch mal schmerzhaft dokumentiert. Umso wichtiger ist jetzt, dass das Geld schnell auf den Konten der Unternehmen landet.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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