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Was müssen Ärzte wissen, wenn sie mich behandeln? Bild: dpa

Gesundheitliche Vorsorge : Brauche ich eine Patientenverfügung?

Patientenverfügungen sind ein unangenehmes Thema. Die Corona-Krise lässt manch einen jedoch über den Ernstfall nachdenken. Wer entscheidet über mich, wenn ich nicht mehr kann? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

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          In Zeiten von Krisen, gerade von gesundheitlichen, beginnt man schnell über Dinge nachzudenken, die man sonst in der Leichtigkeit des Alltags vergisst oder von sich schiebt. Covid-19 macht vielen Angst, weil die Erkrankung selbst gesunden Menschen zusetzen kann. Schon lange werden die Deutschen immer wieder dazu angehalten, für einen Ernstfall eine Patientenverfügung oder eine Vorsorgevollmacht in der Schublade zu haben. Umfragen aber zeigen, dass viele sich damit nicht auseinandersetzen wollen. Dabei ist es wichtig, sich darüber einmal Gedanken zu machen. Vielleicht bietet die Coronakrise dafür ja einen Denkanstoß. Wir haben die wichtigsten Fakten einmal zusammengetragen.

          Lucia Schmidt

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Woher bekomme ich Informationen, was in einer Patientenverfügung stehen muss?

          Auf den Internetauftritten zum Beispiel des Bundesgesundheitsministeriums oder der Bundesärztekammer findet man Muster- und Formulierungsbausteine. Wer es sehr professionell angehen will, kann auch einen Rechtsanwalt um Rat fragen. Rechtlich ist das aber nicht nötig.

          Kann ich auch meinen Hausarzt um Rat fragen?

          Absolut, denn schaut man sich solche Formulierungsbausteine an, werden dem Laien viele Fragen kommen, die einem nur ein Mediziner erläutern kann. Das Problem ist nur, dass Ärzte sich dafür häufig keine Zeit nehmen. Eine Möglichkeit kann es auch sein, dann zum Beispiel bei gesundheitlichen Beratungsstellen oder der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland anzurufen.

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          Ist die Patientenverfügung formuliert, dann ist das Thema für mich abgehakt.

          Eine zu haben, das ist schon mal ein Anfang. Allerdings sollte man diese tatsächlich immer mal wieder überprüfen, ob die Angaben darin noch immer den eigenen Ansichten entsprechen, ebenso wie der momentanen Lebenssituation und den neuesten medizinischen Erkenntnissen. Auch eine solche Krise oder andere äußere Umstände sollten Anlass sein, über seine Verfügung nachzudenken und sich eventuell abermals Rat zu holen.

          Alle haben große Angst, dass es auch in deutschen Kliniken jetzt zu Engpässen kommt. Die Intensiv- und Notfallmediziner haben nun Richtlinien verabschiedet, nach denen dann entschieden wird, wer wie behandelt wird. Der Patientenwille spielt darin auch eine Rolle. Was heißt das für eine Patientenverfügung?

          Was wir gerade in Deutschland erleben, ist natürlich eine absolute Ausnahmesituation. Sollten aber die schlimmsten Fälle eintreten, dann schauen Mediziner, ob es eine Patientenverfügung gibt und was darin steht, also zum Beispiel ob eine intensivmedizinische Behandlung mit Geräten gewünscht ist und wie lange. Aus diesem Grund ist die aktuelle Lage tatsächlich ein wichtiger Anlass, über seine Verfügung zu schauen oder eine zu verfassen.

          Wenn ich keine habe, was passiert dann eigentlich?

          Dann wird nach einem mutmaßlichen Patientenwillen entschieden, oft mit den Angehörigen. Das kann für alle eine große Belastung sein.

          Oft liest man, man braucht zu der Patientenverfügung auch noch eine Vorsorgevollmacht. Stimmt das?

          Das macht absolut Sinn. In einer Patientenverfügung wird geregelt, welche ärztlichen Maßnahmen man wünscht oder ablehnt, wenn man sich selbst nicht mehr äußern kann. Eine Vorsorgevollmacht, die man auch nur auf medizinische Fragen beschränken kann, ermöglicht es einer anderen Person an Stelle von einem selbst, gesundheitliche Entscheidungen zu treffen.

          Wem sollte ich die Vorsorgevollmacht geben?

          Das ist eine ganz persönliche Entscheidung. Es muss kein Verwandter sein, es muss nur jemand sein, dem man vertraut und mit dem man immer wieder über Wünsche und Gedanken sprechen kann, damit die ausgewählte Person auch die richtigen Entscheidungen in unterschiedlichen Situationen treffen kann. Dass man ehrlich, vertrauensvoll und offen miteinander reden kann, ist wohl die wichtigste Voraussetzung – und das derjenige zum Beispiel weiß, ob es einen Organspendeausweis, eine Patientenverfügung oder ähnliches gibt und wo er sie im Fall der Fälle findet.

          Was sollte ich anderen noch über meine Gesundheit sagen?

          Gesundheit ist eine private Sache, man muss niemandem etwas erzählen. Allerdings ist es sinnvoll und wichtig, dass zum Beispiel Angehörige wissen, ob man regelmäßig Medikamente nimmt, welche chronischen Erkrankungen man hat, welcher Arzt einen behandelt, aber auch unter welchen Allergien man leidet. Das sind alles Informationen, die in einem Notfall für einen Arzt entscheidend sein können.

          Und wenn ich alleine lebe?

          Dann kann man Freunde und Angehörige darüber informieren, ihnen sagen, wo wichtige gesundheitliche Dokumente liegen. Sicher macht es auch Sinn, dass jemand einen Schlüssel für die Wohnung hat, um an die Dokumente zu kommen. Man kann solche Dokumente auch beim Hausarzt hinterlegen oder im Portemonnaie einen Zettel mit den wichtigsten Infos und Hinweisen haben, etwa wer ein Ansprechpartner ist oder an welchen Erkrankungen man leidet.

          Das ist mir viel zu emotional. Über diese Themen will ich nicht nachdenken.

          Das ist Ihr gutes Recht. Es gibt keine Verpflichtung dazu. Man muss das auch nicht von heute auf morgen machen, man kann sich auch immer wieder mal damit beschäftigen oder mit Menschen, denen man vertraut, darüber sprechen. Man muss sich einfach klarmachen, wenn man nichts vorbereitet, dann geht man die Gefahr ein, dass in einem gesundheitlichem Notfall nicht der eigene Wille erfüllt wird.

          Hilfreiche Seiten

          Die Textbausteine des Bundesgesundheitsministeriums und der Bundesärtzekammer finden Sie hier und hier.

          Über die Vorsorgevollmacht informiert das Bundesjustizministerium hier.

          Den Internetauftritt der Unabhängigen Patientenberatung finden Sie hier.

           

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