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Corona-Krise : Berlin macht dicht

In Berlin geht wegen des Coronavirus fast nichts mehr Bild: dpa

Nach einigem Zögern legt der Senat die Hauptstadt still – Clubs, Kneipen und Kinos bleiben ab sofort zu. Für Veranstaltungen mit bis zu 50 Personen müssen Anwesenheitslisten geführt werden.

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          Berlin greift zu einschneidenden Maßnahmen, um die Verbreitung des Coronavirus zu bremsen. Der Senat beschloss am Samstag, dass mit sofortiger Wirkung alle öffentlichen und nichtöffentlichen Veranstaltungen untersagt sind. Kneipen und Clubs mussten schließen, dasselbe gilt für Spielbanken, Wettannahmestellen und auch Bordelle. Auch Kinos, Theater, Museen und Ausstellungen müssen zu bleiben.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Für Veranstaltungen mit bis zu 50 Personen müssen Anwesenheitslisten geführt werden, die Name, Anschrift und Telefonnummer enthalten. Ausnahmen gelten für Restaurants und Gaststätten, Rauchergaststätten dürfen aber nicht geöffnet werden. Auch Sportanlagen, Schwimmbäder und Fitnessstudios müssen dichtmachen. In Krankenhäusern dürfen Patienten keinen Besuch mehr empfangen, Ausnahmen gelten nur für kranke Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren, die einmal am Tag für eine Stunde Besuch erhalten dürfen. Bewohner von Pflegeheimen dürfen einmal am Tag für eine Stunde Besuch empfangen, aber nicht von Personen unter 16 Jahren und solchen mit Atemwegserkrankungen.

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          Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte am Samstagabend, die Maßnahmen würden „jeden von uns in unserem Alltag massiv beeinträchtigen“. Sie seien aber „dringend nötig“, um die Verbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Müller rief die Bewohner der Hauptstadt auf, solidarisch miteinander zu sein und zu helfen, wo Hilfe benötigt werde.

          Der Regierende Bürgermeister war zuvor massiv kritisiert worden, weil die Clubs der Hauptstadt erst in der kommenden Woche schließen sollten. Zuvor hatte sich Müller schon den Unmut der Bundesregierung zugezogen, weil er, anders als die anderen Bundesländer, zunächst keine Schließung der Berliner Schulen anordnete. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte mit Blick auf Berlin gesagt, Föderalismus bedeute, dass man seine Verantwortung „auch wahrnimmt“.

          Die Schulen in Berlin schließen am Montag und Dienstag, am Montag zunächst die Berufsschulen, am Dienstag alle weiteren. Der zusätzliche Schultag am Montag soll genutzt werden, um die Schüler mit Material für Hausaufgaben auszustatten und, wenn vorhanden, Unterricht über digitale Plattformen zu vereinbaren. Abiturprüfungen und andere Abschlussprüfungen sollen aber stattfinden.

          Auch am Prenzlauer Berg hat das Virus bereits sichtbare Spuren hinterlassen.

          Alle Maßnahmen gelten zunächst bis 19. April, wenn die Osterferien enden. Busse und Bahnen fahren so lange wie möglich weiter. Zuvor hatte Müller angekündigt, dass der Öffentliche Nahverkehr erheblich reduziert würde. Der Verkehrssenat entschied aber, dass er bis auf weiteres wie gewohnt aufrecht erhalten bleibe, weil Krankenhäuser, Sicherheitsbehörden und auch Lebensmittelmärkte möglichst gut und schnell erreichbar sein müssten.

          Die Polizei verteilte am Samstagabend die Verordnung in der Innenstadt, bei ihren Kontrollen konzentrierte sie sich zunächst auf die Clubs der Stadt. Viele der bekannten Berliner Clubs machten schon am Freitag zu. Dort hatten sich besonders viele Personen angesteckt, so dass in Berlin die meisten Erkrankten mittleren Alters sind.

          Nach letztem offiziellen Stand waren in Berlin 216 Infizierte registriert, davon befanden sich 13 zur Behandlung in Krankenhäusern, die anderen zuhause in Quarantäne. Rund zwanzig Personen waren über 60 Jahre alt.

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