https://www.faz.net/-guw-aiaia

Teil-Lockdowns? : „Ausschließen sollte man in dieser Lage gar nichts, so bitter das ist“

  • Aktualisiert am

Jens Spahn (CDU) Bild: 360-Berlin

Gesundheitsminister Spahn kann sich eine Vorverlegung der Ministerpräsidentenkonferenz vorstellen. Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf mehr als 400. Und das Kleeblatt-Konzept zur Verlegung von Intensivpatienten greift.

          2 Min.

          Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hält ein Vorziehen der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) vom 9. Dezember auf einen früheren Zeitpunkt angesichts der Corona-Lage in Sachsen für möglich und schließt weitergehende Lockdowns nicht aus. „Ich denke sogar, wir werden früher handeln müssen. Wir sehen ja, dass in Sachsen, Bayern, Baden-Württemberg und Thüringen die Lage sehr ernst ist“, sagte Spahn der Zeitung Rheinische Post. „Wir müssen wohl erstmals Patienten in großem Stil innerhalb Deutschlands verlegen. Das haben wir so noch nicht gehabt in der Pandemie. Das wird noch eine große Herausforderung werden.“ Auf die Frage nach möglichen Teil-Lockdowns sagt er: „Ausschließen sollte man in dieser Lage gar nichts, so bitter das ist.“

          Unterdessen hat die Zahl der binnen eines Tages ans Robert Koch-Institut (RKI) übermittelten Corona-Neuinfektionen abermals einen neuen Höchststand erreicht. Zudem stieg die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz nach Angaben des RKI vom frühen Mittwochmorgen erstmals seit Beginn der Pandemie auf mehr als 400. Den Wert der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner und Woche gab das Institut mit 404,5 an. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 399,8 gelegen, vor einer Woche bei 319,5, im Vormonat bei 106,3. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 66.884 Corona-Neuinfektionen – im Vergleich zu 52.826 Ansteckungen vor genau einer Woche. Das geht aus Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 04.05 Uhr wiedergeben.

          Deutschlandweit wurden den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 335 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 294 Todesfälle gewesen. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 5.497.795 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

          Wissen war nie wertvoller

          Lesen Sie jetzt F+ 30 Tage kostenlos und erhalten Sie Zugriff auf alle Artikel auf FAZ.NET.

          JETZT F+ LESEN

          Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das RKI am Dienstag mit 5,60 an, am Montag hatte sie bei 5,28 gelegen. Der Wert spielt eine wesentliche Rolle für die Beurteilung des Infektionsgeschehens. Bei Überschreitung der Grenzwerte 3, 6 und 9 in den Bundesländern können dort jeweils schärfere Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie verhängt werden.

          Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 4.712.900 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 99.768.

          Intensivpatienten aus dem Süden werden verlegt

          Nach Angaben der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) haben Bayern sowie die Länder Thüringen, Sachsen, Berlin und Brandenburg am frühen Abend offiziell das überregionale sogenannte Kleeblatt-Konzept zur Verlegung von Intensivpatienten aktiviert. In den nächsten Tagen soll eine größere Anzahl an Patienten in andere Kleeblatt-Regionen verlegt werden, teilt Divi mit. Die Bundesländer haben sich zu solchen regionalen Kleeblättern zusammengeschlossen, um bei einer Überforderung ihrer Gesundheitssysteme Patienten in andere Bundesländer verlegen zu können.

          Zuvor hatte der amtierende Gesundheitsminister Jens Spahn vor eben dieser Situation gewarnt. „Wir müssen wohl erstmals Patienten in großem Stil innerhalb Deutschlands verlegen. Das haben wir so noch nicht gehabt in der Pandemie. Das wird noch eine große Herausforderung werden“, sagte er der Zeitung Rheinische Post. Auf die Frage nach möglichen Teil-Lockdowns sagt er: „Ausschließen sollte man in dieser Lage gar nichts, so bitter das ist.“

          Rufe nach Lockdown werden lauter

          Der CDU-Vorsitzkandidat Friedrich Merz hat angesichts der steil steigenden Corona-Infektionszahlen einen Lockdown für Ungeimpfte vorgeschlagen. „Wer nicht geimpft oder genesen ist, kann dann nur noch zur Apotheke, in den Supermarkt und zum Arzt“, sagte Merz dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Ungeimpfte könnten dann auch nicht mehr arbeiten: „Mit konsequenter 2 G-Regelung wäre der Zugang zum Betrieb und zur Arbeitsstelle auch nur noch für Geimpfte und Genese möglich – mit allen Konsequenzen“, sagte Merz. Es müsse gelten: „Kein Ungeimpfter mehr im Büro, kein ungeimpfter Fußballspieler mehr auf dem Rasen, kein ungeimpfter Abgeordneter mehr im Bundestag, kein ungeimpfter Student mehr im Hörsaal.“

          Weitere Themen

          Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf 444,3

          Corona-Pandemie : Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf 444,3

          Ein Brechen der vierten Welle scheint nicht in Sicht. Neuinfektionen, Krankenhauseinlieferungen und Todesfälle steigen weiter. Laut RKI lag die Sieben-Tage-Inzidenz in 32 Landkreisen bei über 1.000.

          Topmeldungen

          Kunststoffröhrchen mit Corona-Abstrichen stehen nach dem PCR-Test in einem Labor.

          Corona-Pandemie : Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf 444,3

          Ein Brechen der vierten Welle scheint nicht in Sicht. Neuinfektionen, Krankenhauseinlieferungen und Todesfälle steigen weiter. Laut RKI lag die Sieben-Tage-Inzidenz in 32 Landkreisen bei über 1.000.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.