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Coronawelle : Omikron-Subtyp breitet sich in Portugal aus

Gut besucht: Touristen und Einheimische in Portugals Hauptstadt Lissabon. Bild: AFP

Portugal hatte sich auf einen entspannten Sommer gefreut, doch nun wird das Land von einer neuen Corona-Infektionswelle überrollt. Der neue Omikron-Subtyp hat die Variante BA.2 schon weitgehend ­verdrängt.

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          Es sah nach einem entspannten Sommer aus. Die Strände füllen sich, in Lissabon und Porto ist es oft schwer, ein Hotelzimmer zu finden. Doch bevor die Saison richtig beginnt, wird Portugal von einer neue Infektionswelle überrollt. Seit Ende März breitet sich in dem Land der Omikron-Subtyp BA.5 aus, der die in Deutschland dominierende Variante BA.2 schon weit­gehend ­ver­drängt hat. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums macht BA.5 mehr als 80 Prozent aller neuen Fälle aus. Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) warnte nun davor, dass die zuerst in Südafrika entdeckten Varianten BA.4 und BA.5 ansteckender sind und zu einer Zunahme der Fallzahlen führen könnten.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          In Portugal lässt sich das schon beobachten. Seit Anfang Mai hat sich die Sieben-Tage-Inzidenz fast verdreifacht. Zuletzt lag sie bei knapp 1800. In Deutschland ist die Inzidenz dagegen zwischenzeitlich unter 200 gesunken, ehe sie am Dienstag wieder leicht stieg auf 201,7. Fachleute befürchten, dass die Fallzahl in Portugal wegen der hohen Dunkelziffer in Wirklichkeit doppelt so hoch sein könnte. Der Tagesdurchschnitt der neuen Fälle stieg laut „Our World in Data“ von 2290 pro eine Million Einwohner in der vergangenen Woche auf 2580 zu Beginn dieser Woche. Zum Vergleich: In Spanien sind es 449, in Deutschland 338. Portugal ist demnach das EU-Land mit den meisten neuen Covid-Fällen, auf der Welt steht es an zweiter Stelle.

          Steigende Zahlen nach Lockerungen

          Besorgniserregend sind besonders die steigenden Totenzahlen. Dabei fühlte man sich in Portugal bisher gut geschützt. Das Land gehört bei der Impfquote zu den Spitzenreitern auf der Welt. Vollständig geimpft sind mehr als 87 Prozent der Bevölkerung, gut 63 Prozent haben eine Auffrischungs­impfung erhalten. Das „Instituto Superior Técnico“ der Universität Lissabon spricht mit Blick auf die Sterblichkeit von alarmierenden Zahlen, die sich allein bis Mitte Mai um 50 Prozent erhöht hatten und noch weiter steigen könnten. Zuletzt waren es 230 Tote in der Woche, vor allem ältere Menschen. Die durch Covid verursachte Sterblichkeitsrate ist damit in Portugal doppelt so hoch wie der auf europäischer Ebene festgelegte Schwellenwert. Gleichzeitig stieg die Krankenhausbelegung um 27 Prozent. Das Hospital do Divino Espírito in Ponta Delgada auf den Azoren behandelt 70 Covid-Patienten stationär. Das ist dort die höchste Zahl seit Beginn der Pandemie. Ärzte klagen über „enorme Belastung“ in den betroffenen Abteilungen.

          Angesichts der steigenden Zahlen wird in Portugal wieder über eine Rückkehr zu den Restriktionen diskutiert, die am 21. April fast vollständig aufgehoben wurden – wenig später nahm dann die Inzidenz wieder zu. Die Maskenpflicht gilt seitdem nur noch in öffentlichen Verkehrsmitteln, Gesundheitseinrichtungen und Pflegeheimen. Die Regierung und der Staatspräsident belassen es noch bei Appellen an die Eigenverantwortlichkeit der Bürger. Die Chefin der portugiesischen Gesundheitsbehörde DGS, Graça Freitas, bezeichnete es jedoch als sinnvoll, in Innenräumen und bei größeren Menschenansammlungen wieder Masken zu tragen. Gastronomen beginnen sich dafür auszusprechen, wieder Gesichtsschutz zu tragen, weil wegen der vielen Infektionen ihr Personal zum Teil wieder knapp wird. Admiral Gouveia e Melo, der in Portugal die Impfkampagne organisiert hatte, zitierte die Nachrichtenagentur Lusa mit den Worten, die Regierung könne „auf das Militär zählen, wenn es notwendig werde, abermals eine Taskforce einzuberufen“.

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