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Notstand in Spaniens Kliniken : Krankenschwestern fühlen sich wie Kamikaze-Kämpfer

Eine Corona-Patientin und Pflegepersonal im Notlazarett im Messezentrum von Madrid Bild: EPA

In Spanien ist das medizinische Personal in vielen Krankenhäusern nahezu schutzlos dem Coronavirus ausgeliefert. Wer noch arbeiten kann, muss dem Sterben oft tatenlos zusehen.

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          Virginia Pastor musste darum kämpfen, bis ihre Mutter überhaupt ins Krankenhaus kam. Nur ein privater Rettungsdienst war bereit, sie aus ihrem Madrider Altersheim in die Klinik zu bringen. Doch der Zustand der 77 Jahre alten Frau verschlechterte sich weiter. Sie bekam kaum noch Luft und wurde in die Notfallstation verlegt. Dort versuchte der Arzt gar nicht erst, die Tochter mit vielen Worten zu trösten: Es tue ihm leid, aber es stehe für die Patientin mit ihren vielen Vorerkrankungen kein Beatmungsgerät zur Verfügung. „Es ist sehr grausam“, gab er zu, wie Virginia Pastor später der Zeitung „El Mundo“ berichtete. Am Ende erhielt ihre Mutter nur noch schmerzstillende Medikamente, und die Ärzte sedierten sie, „damit sie aufhört zu kämpfen“.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          In vielen Krankenhäusern in Spanien stehen Ärzte vor ähnlichen Entscheidungen: Besonders in Madrid und Barcelona reichen die Intensivbetten in den Kliniken nicht mehr aus. Mehr als 5.800 Corona-Patienten lagen am Mittwoch in den Intensivstationen des Landes, und täglich nimmt ihre Zahl zu. Vor dem Ausbruch der Pandemie gab es für die 47 Millionen Spanier 4400 Intensivbetten. Ihre Zahl wurde zwar in den vergangenen Tagen erhöht, aber es mangelt vor allem an Beatmungsgeräten.

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