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Misstrauen in Spanien : „Wegen uns habt ihr noch zu essen“

Eine Bäckerei in Port Andratx, Spanien – Backwarengeschäfte dürfen in Spanien geöffnet bleiben. Bild: dpa

Die Bilder von klatschenden Spaniern, die sich bei Ärzten und Krankenschwestern bedanken, gingen um die Welt. Doch Menschen mit systemrelevanten Berufen werden nun in Spanien von ihren Nachbarn gebeten, auszuziehen.

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          Der Applaus hört nicht auf. Seit mehr als einem Monat gehen die Spanier um acht Uhr abends an ihre Fenster und auf die Balkone, um Krankenschwestern und Ärzten für ihren Kampf gegen die Pandemie zu danken. Minutenlang klatschen viele tausend Menschen. Doch das Coronavirus lässt sich nur langsam eindämmen: Je länger der Alarmzustand mit den drastischen Beschränkungen in Kraft ist, desto mehr scheint die Angst die anfängliche Solidarität in den Schatten zu stellen.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Auch in dem Wohnblock, in dem der Arzt Jesús Monllor lebt, wird jeden Abend applaudiert. Doch eines Tages, als er nach einer Zwölf-Stunden-Schicht aus dem Krankenhaus in Alcázar de San Juan nach Hause kam, fand er einen anonymen Zettel an seiner Tür. Darauf stand: „Hallo, Nachbar. Wir wissen um Deine gute Arbeit im Krankenhaus und schätzen sie. Aber Du musst auch an Deine Nachbarn denken. Es gibt hier Kinder und alte Menschen. Es gibt ein Hotel, in dem sie Fachkräfte unterbringen. Solange das andauert, bitte ich Dich, darüber nachzudenken.“

          Monllor ließ sich nicht verunsichern. Er könne die Angst verstehen, die aus der Nachricht spreche, sagte er in einem Interview. Er würde dem Autor gerne erklären, wie groß die Vorsichtsmaßnahmen in den Kliniken sind; aber leider kenne er ihn nicht. Der Arzt war überwältigt von der Reaktion vieler Menschen, nachdem er im Internet davon berichtet hatte. Ein Nachbar brachte im Treppenhaus ein Plakat mit der Aufschrift „Hier lebt ein Held“ an, die Bürgermeisterin suchte ihn auf, um ihm einen Dankesbrief zu überbringen.

          „Wir wollen keine Risiken eingehen“

          Miriam Armero aus Cartagena fand nach einem langen Arbeitstag eine ähnliche handgeschriebene Botschaft vor. „Deine Nachbarn möchten Dich um unser aller willen bitten, ein anderes Zuhause zu suchen. Wir haben gesehen, dass Du in einem Supermarkt arbeitest, und wir wollen keine Risiken eingehen“, stand auf dem Papier, das ohne Unterschrift unter ihrer Tür durchgeschoben worden war. Trotz der Ohnmacht und Empörung, die sie empfand, ließ sie sich nicht einschüchtern.

          Sie reagierte mit einem eigenen Aushang, den sie auch im Internet veröffentlichte: Natürlich habe sie Glück, dass sie noch Arbeit habe. Im Supermarkt wolle sie damit auch anderen helfen: „Wegen uns habt ihr noch zu essen.“ Diesen persönlichen Einsatz schätzten offenbar nicht alle Spanier. Immerhin: Spätestens seit sie ihr erstes Interview gegeben hatte, wusste Miriam Armero, wie viele Menschen auf ihrer Seite stehen.

          Zuvor hatte in Spanien der Fall der Krankenschwester Clara Serrano del Rey Aufsehen erregt. Sie war nach dem Ausbruch der Pandemie nach Madrid gekommen, um in einem Krankenhaus zu arbeiten. Der Eigentümer ihrer Wohnung warf sie aber hinaus, als sie positiv getestet worden war. „Dabei gehörte er zu denjenigen, die jeden Abend applaudieren“, sagte sie. Sie fand eine Unterkunft und will so bald wie möglich wieder arbeiten – obwohl das Risiko für medizinisches Personal hoch ist. Mehr als 20.000 Mitarbeiter von Kliniken und Altenheimen wurden schon positiv getestet. Eine neue Untersuchung legt die Vermutung nahe, es könnten tatsächlich bis zu 70.000 sein. 23 Ärzte und Pfleger starben bisher durch das Virus.

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