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Viele Corona-Infektionen : In Portugal wächst die Angst

Besonders in den ärmeren Vierteln der portugiesischen Hauptstadt steigen die Fallzahlen: Das Wandbild eines Feuerwehrmanns fordert Passanten auf, zuhause zu bleiben. Bild: dpa

Die Gesundheitsbehörden in Lissabon bekommen einen neuen Corona-Ausbruch nicht in den Griff. Der Rückschlag kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt: An der Algave kehren erste ausländische Urlauber zurück.

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          In Portugal wächst die Angst vor einer zweiten Infektionswelle. Nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie galt das Land wegen seines schnellen und effizienten Durchgreifens als ein Vorbild für den Rest Europas. Doch seit Tagen bekommen die Gesundheitsbehörden im Großraum Lissabon einen neuen Ausbruch nicht in den Griff. Am Donnerstag führte die Regierung in 19 besonders betroffenen Gemeindebezirken der Region um die Hauptstadt wieder die häusliche Quarantäne ein. Zuletzt waren die Ausgangsbeschränkungen deutlich gelockert worden.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Der Rückschlag kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt, denn besonders an die Algarve kehren die ersten ausländischen Urlauber zurück. Knapp ein Dutzend EU-Staaten, unter ihnen Österreich und Dänemark, haben wegen der Verschlechterung schon Beschränkungen für Einreisende aus Portugal erlassen. Mit 23 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gehört Portugal auf der aktuellen Karte des Robert-Koch-Instituts neben Großbritannien und Rumänien zu den Staaten mit den schlechtesten Zahlen. Nur in Schweden ist die Lage mit mehr als 50 Fällen noch schlimmer.

          Besonders jüngere Portugiesen betroffen

          Am Donnerstag meldeten die Gesundheitsbehörden in Portugal 311 Neuinfektionen, 77 Prozent davon in der Region von Lissabon. Diese Entwicklung dauert schon knapp zwei Wochen. An manchen Tagen wurden dort bis zu 90 Prozent der neuen Fälle registriert. Aber auch andere Landesteile sind betroffen. Die Fälle lassen vermuten, dass besonders jüngere Portugiesen weniger aufpassen. Bei einer Party auf einem Campingplatz im Distrikt Setúbal infizierten sich mindestens 20 Personen. Bei einer illegalen Party an der Algarve war es schon Anfang Juni zu mehr als 70 Neuinfektionen gekommen.

          „Diejenigen, die glauben, wieder zum normalen Leben zurückkehren zu können, haben sich sehr getäuscht“, sagte Gesundheitsministerin Marta Temido. In der Hauptstadtregion sind vor allem weniger wohlhabende Viertel außerhalb des von Touristen besuchten Zentrums und der Küste betroffen. Zum Teil herrschen dort prekäre und weniger hygienische Wohnverhältnisse. Die Einwohner sind zudem stärker auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen. Seit Dienstag sind in 15 Gemeinden im Großraum Lissabon, zu dem auch Sintra, Azambuja, Loures und Seixal zählen, neue Einschränkungen in Kraft: Treffen von mehr als zehn Personen sind verboten; Cafés und Geschäfte müssen um 20Uhr schließen. Die meisten der mehr als 9000 Neuinfektionen, die zwischen dem 21. Mai und dem 21. Juni in Portugal registriert wurden, betreffen die Region.

          Am Donnerstag stieg die Zahl der Corona-Toten um sechs auf 1549; insgesamt 40.415 Portugiesen wurden bislang positiv getestet. In Portugal ist man stolz darauf, dass häufiger getestet wird als in den meisten westlichen Staaten; die Testrate liegt bei knapp 100.000 pro einer Million Einwohner. Inzwischen aber gibt es in Portugal mehr Neuinfektionen als in Spanien, das es zunächst viel härter getroffen hatte.

          Fachleute sind jedoch weiter uneins darüber, ob die Situation in der Hauptstadtregion außer Kontrolle geraten ist und es sich um eine zweite Welle handelt, von der auch Politiker der oppositionellen PSD-Partei sprechen: Der Anstieg der Fälle, der sich auch bei Einweisungen in die Krankenhäuser beobachten lasse, argumentieren sie, sei nicht nur auf die verstärkten Tests zurückzuführen, auf welche die Regierung gerne verweise.

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