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Corona und Feiern in NRW : Privatparty in Gelsenkirchen aufgelöst

  • Aktualisiert am

Ordnungsamt und Polizei gingen in Gelsenkirchen gemeinsam gegen eine Privatparty vor (Symbolbild). Bild: dpa

Privatfeiern in Nordrhein-Westfalen haben gleich mehrere Städte zu Corona-Hotspots gemacht und verschärfte Regeln nach sich gezogen. In Gelsenkirchen zogen Polizei und Ordnungsamt nun die Notbremse.

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          Die Stadt Gelsenkirchen hat am Wochenende erstmals eine Party wegen erheblicher Verstöße gegen die lokal verschärften Corona-Regeln aufgelöst. Mit 100 Gästen seien in der angemieteten Gaststätte doppelt so viele Menschen gewesen wie zulässig, teilte die Stadt am Montag mit. Zudem sei gegen die geltenden Hygieneregeln verstoßen worden. Den Vermieter der Gaststätte sowie den Veranstalter der den Behörden nicht gemeldeten privaten Feier erwarte ein Ordnungswidrigkeitsverfahren sowie ein Zwangsgeld. Nachbarn der Gaststätte hatten sich über laute Musik beschwert und das Ordnungsamt verständigt. Gemeinsam mit der Polizei schritten die Ordnungskräfte am Samstag ein, schickten die Gäste nach Hause und versiegelten die Zugänge zur Gaststätte.

          Seit der vergangenen Woche dürfen in der Ruhrgebietsstadt Feste nur mit höchstens 50 Teilnehmern und unter Einhaltung strenger Auflagen stattfinden. Die Anordnung gilt, weil die Neuinfektionen auf den kritischen Warnwert von mehr als 35 neuen Fällen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen geklettert waren, ab dem Kommunen und Kreise besondere Gegenmaßnahmen zur Eindämmung ergreifen müssen.

          Nach Angaben des RKI lag der Sieben-Tage-Wert am Montag weiterhin bei mehr als 37 – der dritthöchste Wert in NRW nach Remscheid und Hamm. Derzeit liegen diese beiden Städte in Nordrhein-Westfalen deutlich über dem Grenzwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen. Die Million-Metropole Köln liegt derzeit bei 34. Ab einem Wert von 35 müssen die Behörden in NRW besondere Gegenmaßnahmen zur Eindämmung einleiten.

          950 Schüler und Lehrer in Bielefeld in Quarantäne

          Auch in Bielefeld steigen die Fall- und Quarantänezahlen nach einer Familienfeier. Derzeit befinden sich 950 Schüler und Lehrkräfte in Quarantäne. Betroffen seien zehn Schulen. Jenseits der Schulen gebe es zudem aktuell mehr als 560 Menschen, die in Quarantäne seien, ein Großteil davon aber ohne Bezug zu der Familienfeier, teilte die Stadt Bielefeld am Montag mit.

          Der Anstieg der Fallzahlen sorgte am Montag für großen Andrang an einer städtischen Drive-In-Teststation. Die Stadt bat die Bürger darum, die Station am Montag nicht mehr anzufahren. „Das Testzentrum ist überlaufen, und der Verkehr staut sich bereits zurück“, hieß es in einer Mitteilung vom Sonntag.

          In der 334.000-Einwohner-Stadt gab es am Montag nach Schätzung des Landeszentrums Gesundheit NRW 130 infizierte Personen. Laut RKI haben sich in den vergangenen sieben Tagen 16,8 Menschen pro 100.000 Einwohner mit dem Virus infiziert.

          Die Stadt Hamm, die am stärksten betroffene Stadt in NRW, kämpft weiter mit der Corona-Welle nach einer Großhochzeit Anfang September. Von Sonntagmittag bis Montagmittag registrierte die westfälische 180.000-Einwohner-Kommune 37 neue Corona-Fälle. Akut infiziert sind derzeit 229 Menschen, darunter 40 Schüler. 17 Menschen liegen laut Stadt im Krankenhaus, einer davon auf der Intensivstation. Fast 2800 Menschen befinden sich in Quarantäne. Zwölf Schulen sind betroffen, zwei Kitas geschlossen. Das Robert Koch-Institut (RKI) nannte am Montag auf der Grundlage der Zahlen vom Vortag einen Wert von 112,2 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen, den mit Abstand höchsten Wert bundesweit.

          „Insgesamt stehen rund 170 Corona-Infektionen in Hamm im Zusammenhang mit der Hochzeit“, sagte ein Stadtsprecher. Insgesamt seien mehr als 300 Hochzeitsgäste aus Hamm identifiziert worden. Sie seien in Quarantäne gesetzt und verpflichtend getestet worden. Wie viele Menschen genau bei den Feierlichkeiten – auch in anderen Städten – dabei waren, sei aber nach wie vor nicht bekannt.

          Vier Feste in Hamm abgesagt

          Zudem hat die Stadt Hamm nach dem Erlass strengerer Regeln für private Feiern am Wochenende vier Feste untersagt. Wie ein Stadtsprecher am Sonntag sagte, handelte es sich dabei um ein sogenanntes Henna-Fest, eine Verlobung und zwei – nicht runde – Geburtstage. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) betonte unterdessen, dass man ab 1. Oktober zwar die Vorgaben für private Partys in angemieteten Räumen verschärfen werde – die eigenen vier Wände blieben aber außen vor.

          „Wir sind der Meinung, dass der Staat, wenn irgend möglich, bei privaten Feiern in einer Wohnung oder in der Garage nichts zu suchen hat. Wir wollen nicht mit dem Ordnungsamt in die Wohnungen oder Häuser, weil wir die Privatsphäre achten“, sagte Laumann der Zeitung „Die Welt“. Private Feiern mit mehr als 50 Personen in angemieteten Räumen müssten dagegen dem Gesundheitsamt zwei Wochen vorher mit kompletter Gästeliste angemeldet werden. „Ehe man ein Verbot erlässt, kann man auf diese Weise mit dem Wunsch nach Feiern umgehen. Das A und O ist eine funktionierende Nachverfolgung“, sagte Laumann der „Welt“.

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