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Coronavirus in Deutschland : RKI meldet 14.419 Neuinfektionen und mehr als 250 neue Todesfälle

  • Aktualisiert am

Der menschenleere Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor in Berlin am Montagabend. Bild: dpa

Das Robert-Koch-Institut meldet etwa 1000 Corona-Neuinfektionen weniger als noch vor einer Woche. Die Zahl der täglichen Todesfälle steigt dagegen weiter. Kritik gibt es an den Appellen von Kanzlerin und Ministerpräsidenten.

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          Nach den Beratungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten der Länder über die weitere Corona-Strategie dürften sich die Blicke nun noch stärker auf die täglichen Infektionszahlen richten. Merkel und die Länderchefs vereinbarten am Montag nach mehrstündigen Beratungen zwar zunächst keine weiteren Verschärfungen der Corona-Maßnahmen, kündigten aber Beschlüsse in einem weiteren Gespräch am Mittwoch in einer Woche an.

          Unterdessen haben die Gesundheitsämter in Deutschland dem Robert Koch-Institut (RKI) 14.419 neue Corona-Infektionen binnen 24 Stunden gemeldet. Das sind knapp 1000 Fälle weniger als vor einer Woche, wie aus Angaben des RKI vom Dienstagmorgen hervorgeht. Am vergangenen Dienstag hatte die Zahl gemeldeter Neuinfektionen bei 15.332 gelegen. Und damit erstmals seit September unter dem Wert vom Dienstag zuvor (15.352). Der Höchststand war am vergangenen Freitag mit 23.542 gemeldeten Fällen erreicht worden.

          „Heute haben wir gemahnt“

          Das RKI zählt seit Beginn der Pandemie insgesamt 815.746 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus stieg bis Dienstag um 267 auf insgesamt 12.814. Das RKI schätzt, dass etwa 530.200 Menschen inzwischen genesen sind. Das sogenannte Sieben-Tage-R lag laut RKI-Lagebericht vom Montag bei 0,97 (Vortag: 1,03). Das heißt, dass 100 Infizierte rechnerisch knapp 100 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab.

          Wenn die Zahl der Infizierten und schwer Erkrankten bis kommende Woche nicht stark gesunken ist, könnte es weitere rechtlich bindende Einschränkungen geben. „Heute haben wir gemahnt, nächste Woche müssen wir dann entscheiden“, sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nach den Beratungen. Am Montag blieb es zunächst bei Appellen. Nach ihrer Video-Konferenz riefen Merkel und die Ministerpräsidenten die Bürger dringend dazu auf, ihre privaten Kontakte noch einmal deutlich zu reduzieren.

          Söder stimmte die Menschen auf eine Verlängerung und weitere Verschärfung der Anti-Corona-Maßnahmen über das Monatsende hinaus ein: „Ich habe wenig Hoffnung, dass Ende November alles wieder gut ist.“ Man müsse die Maßnahmen deshalb „lieber verlängern statt vorzeitig abzubrechen“.

          Für den Frankfurter Virologen Martin Stürmer geht im Kampf gegen das Coronavirus in Deutschland womöglich wichtige Zeit verloren, weil die Entscheidung über Verschärfungen bei den Corona-Regeln verschoben wurde. „Jede Woche, die wir verschenken, werden wir etwa bei der Belegung der Intensivbetten spüren“, sagte der Laborleiter und Dozent der Deutschen Presse-Agentur in Wiesbaden. Er frage sich, warum angesichts der aktuellen Infektionszahlen nicht schon diese Woche strengere Vorgaben auf den Weg gebracht wurden, sagte Stürmer. „Ich hätte mir gewünscht, dass der Gesetzgeber mehr unternimmt, um private Kontakte zu beschränken“, sagte Stürmer. Die Zeit der Appelle und der Freiwilligkeit sei abgelaufen. „Dies ist mehr ein verzweifelter Versuch der Politik, um härtere Beschlüsse herumzukommen“, sagte er.

          Unterdessen haben Bildungsgewerkschaften Bund und Länder für den Aufschub weiterer Anti-Corona-Maßnahmen an Schulen kritisiert. „Jetzt ist nicht die Zeit, vernünftige, zielführende Vorschläge vom Tisch zu wischen“, sagte die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marlis Tepe, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Sie zeigte Unverständnis darüber, dass sich Bundesländer gegen Wechselunterricht wehrten. Dieser sei für Schülerinnen und Schüler ab der Sekundarstufe I gut umzusetzen. Der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, sagte dem RND: „Von Lehrkräften, Eltern und Schülern dringend erwartete Entscheidungen und mehr Klarheit über das weitere Vorgehen sind zwar nicht aufgehoben, aber mal wieder aufgeschoben.“ Er kritisierte zudem die Kommunikation: „Es geht einfach nicht an, dass Schulleitungen und Lehrkräfte aus der Zeitung oder Montagfrüh um 7 Uhr erfahren, wie sie in dieser Woche zu unterrichten haben.“

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