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Covid-19 in Brasilien : Die Menschen sterben in den Warteschlangen

Schon mehr als 270.000 Tote: Fast überall in Brasilien stoßen die Krankenhäuser an ihre Kapazitätsgrenzen, mancherorts geht der Sauerstoff zur Beatmung aus. Bild: AFP

Nirgends werden derzeit mehr Neuansteckungen registriert als in Brasilien. In vielen Städten gibt es keine freien Intensivbetten mehr – die Patienten sterben buchstäblich in den Warteschlangen vor den Krankenhäusern.

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          In seiner wöchentlichen Live-Übertragung in den sozialen Netzwerken hat Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro am Donnerstag vor Plünderungen in Supermärkten gewarnt und den angeblichen Abschiedsbrief eines Selbstmörders vorgelesen. Er wollte damit zeigen, wie gefährlich der Lockdown sei. Die Leute brächten sich deswegen schon um, sagte er. Einer seiner Söhne legte später nach, indem er das Foto der angeblichen Leiche des Selbstmörders veröffentlichte.

          Tjerk Brühwiller
          Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Wirtschaftlich ist die Pandemie für unzählige Brasilianer existenzbedrohend. Viele sind auf die staatliche Unterstützung angewiesen, die nun noch einmal für vier Monate verlängert wurde und die Staatskasse massiv belastet. Lebensbedrohlich aber ist weiterhin vor allem das Virus – und zwar so wie nie zuvor in Brasilien seit dem Ausbruch der Pandemie. Den zweiten Tag in Folge wurden in Brasilien am Donnerstag weit mehr als 2000 Tote durch die Viruserkrankung vermeldet. Auch der Wochendurchschnitt steigt immer weiter an. Die Friedhöfe des Landes gleichen Baustellen, auf denen pausenlos gebaggert wird. Man bereitet sich auch dort schon auf die nächsten Tage vor, in denen ein Anstieg auf 3000 Opfer pro Tag zu erwarten ist.

          Sogar Privatkliniken stoßen an ihre Grenzen

          Nirgends werden derzeit mehr Neuansteckungen registriert als in Brasilien. Studien legen nahe, dass der Anstieg unter anderem auf die Verbreitung der in Amazonien entdeckten hochansteckenden Virusmutante P.1 zurückzuführen ist. Auch die weiterhin sehr hohe Mobilität wird als Faktor genannt. Das Gesundheitswesen stößt im ganzen Land an seine Kapazitätsgrenze, die Privatkliniken eingeschlossen. In 13 der 27 Bundesstaaten liegt die Auslastung der Intensivbetten bei mehr als 90 Prozent, in den anderen 14 Bundesstaaten sind in vielen Städten keine Plätze mehr verfügbar.

          Die Patienten sterben buchstäblich in den Warteschlangen vor den Krankenhäusern. Allein im Bundesstaat São Paulo, der zu den reichsten und am besten versorgten des Landes zählt, wurden am Donnerstag mehr als 40 solcher Fälle gemeldet. Fast jedes zehnte Krankenhaus in dem mehr als 40 Millionen Einwohner zählenden Bundesstaat hat keine verfügbaren Intensivbetten mehr. Einige Krankenhäuser versuchen, ihre Kapazität notdürftig auszubauen, andere nehmen keine neuen Patienten mehr an, weil ihre Sauerstoffvorräte zur Neige gehen.

          Der wirtschaftlich bedeutendste Bundesstaat hat nun die Phase violett ausgerufen – die es bislang noch gar nicht gab. Von kommender Woche an gilt eine Ausgangssperre von 20 Uhr an. Religiöse Kulte sind untersagt, die regionale Fußballmeisterschaft wird zudem unterbrochen, die Parks und Strände im Bundesstaat bleiben gesperrt und werden bewacht. Auch der Schulunterricht wird teilweise wieder eingestellt. Die staatlichen Schulen geben lediglich Mahlzeiten für Schüler aus, die darauf angewiesen sind.

          Nicht alle Gouverneure greifen allerdings zu solch unpopulären Maßnahmen. In einzelnen Regionen, in denen die Situation nicht weniger alarmierend ist, sind sogar Lockerungen vorgesehen.

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