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Erfolgsgeschichte in der Krise : Corona-Impfungen retten Senioren

Die Pflegeheimbewohnerin Brigitte Friedrich (87) erhält von einem mobilen Impfteam im Pflegeheim Martha-Haus in Dessau-Roßlau eine Corona-Impfung. Bild: dpa

Die schweren Verläufe und Todesfälle in den Pflegeheimen gehen dank der Immunisierung stark zurück. Das belegen Zahlen, die der F.A.Z. vorlegen.

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          Deutschland nörgelt über den Corona-Schutz. Die Hygieneregeln nerven, ebenso die Reisebeschränkungen und die geschlossenen Schulen, Geschäfte, Kneipen. Die Ausgleichszahlungen fließen nicht wie gewünscht, auch mit dem Impfen und Testen geht es angeblich nicht voran. Die Virus-Mutanten breiten sich aus, die Fallzahlen steigen wieder. Schon fordern die Notfallmediziner, man müsse über eine Verlängerung des Lockdowns sprechen statt über eine Öffnung.

          Christian Geinitz
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          In dieser Zeit der schlechten Nachrichten geht unter, dass es große Fortschritte im Schutz der Bevölkerung gibt, und zwar in deren besonders gefährdeten Teilen, bei den Senioren und Pflegebedürftigen. Sie gegen das Virus zu wappnen, haben sich Politik, Gesellschaft, Medizin und Pflege auf die Fahnen geschrieben. Nachdem es viele Verzögerungen gab, etwa bei den Schnelltests für die Heime, sind jetzt endlich Erfolge zu vermelden. Nach F.A.Z.-Informationen sind im Zuge der Impfkampagne die Infektionszahlen in den Einrichtungen sowie generell bei den Überachtzigjährigen stark gesunken. Auch die Krankheits- und Sterbefälle haben abgenommen.

          Heime sind zufrieden mit der Entwicklung

          Die Heimbewohner und die Betagten gehören zur ersten Impfkategorie, der sogenannten Priorisierungsgruppe 1. Sie erhalten gemeinsam mit Angehörigen der pflegerischen und der medizinischen Berufe seit dem 27. Dezember Covid-19-Schutzimpfungen. Seitdem wurden 41 Prozent aller Dosen an Personen im Alter von 80 Jahren und darüber verabreicht. Allein 24 Prozent gingen an Heimbewohner, von denen mehr als 85 Prozent eine Erst- und knapp 60 Prozent eine Zweitimpfung erhalten haben. Diese Anstrengungen zahlen sich aus, wie Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Freitag bestätigte. Anfang Februar habe die Sieben-Tage-Inzidenz in der Altersgruppe noch bei 200 gelegen, jetzt betrage sie 70. Das ist noch immer mehr als der Bundesdurchschnitt, und natürlich gebe es weiter Infektionsherde und Todesfälle in Heimen und Kliniken, so Spahn. Aber die Zahlen unter den Hochbetagten nähmen ab, vermutlich wegen des Impfens.

          Nach Daten des Robert Koch-Instituts waren in der vorletzten Dezember-Woche, bevor das Impfen begann, noch mehr als 4000 Überachtzigjährige an Covid-19 verstorben. Bis Ende Januar – jüngere Zahlen liegen nicht vor – sank der Wert auf 2600. Das waren allerdings noch immer 71 Prozent aller Covid-19-Todesfälle. „Die Anzahl der aktiven Ausbrüche in Altenheimen, der neuen Ausbrüche und der betroffenen Älteren geht zurück“, sagt eine RKI-Sprecherin. Das sei „sehr wahrscheinlich“ auch dem Impfen zu verdanken. In der Altersgruppe über 80 Jahren sei ein „überproportionaler Rückgang der Inzidenz“ zu erkennen.

          Fragt man bei den Trägern der Heime nach, zeigen sich diese sehr zufrieden mit der Entwicklung. „Die Impfung hält ihr Versprechen. In den Einrichtungen, in denen bereits vollständig geimpft wurde, gehen die Zahlen der Infektionen und der auf Corona zurückzuführenden Todesfälle klar nach unten“, sagt Caritas-Präsident Peter Neher der F.A.Z. Mit 128.000 Betten in 1800 stationären Einrichtungen ist sein Verband einer der größten Betreiber. Natürlich könne es wegen der Mutationen noch keine Entwarnung geben, so Neher. „Unter dem Strich ist das Impfen in den Einrichtungen aber eine Erfolgsgeschichte.“ Das gelte auch für das Personal. In hessischen Heimen seien die Infektionszahlen, dort wo die Bewohner bereits zweimal geimpft wurden, um 35 Prozent gesunken, in Bayern um bis zu 65 Prozent. Das liege auch an unterschiedlichen Quoten der Zweitimpfungen. Diese reichten von einem Drittel aller Einrichtungen bis zu 100 Prozent, etwa im Bistum Münster.

          Die evangelische Diakonie hat noch keine konkreten Zahlen, beobachtet aber ebenfalls sinkende Infektions-, Krankheits- und Todesfälle. „Nach einer Stagnation Mitte Januar bis Anfang Februar sind große Impffortschritte zu verzeichnen“, heißt es. In den Johanniter Seniorenhäusern, die zum evangelischen Johanniterorden gehören, sind die Erstimpfungen weitgehend abgeschlossen. Mit Bezug auf Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, wo in 28 Einrichtungen 2400 Bewohner leben, sagt eine Sprecherin: „Der Anteil derer, die aufgrund oder im Zusammenhang mit Corona verstorben sind, ist nahezu auf null gesunken.“ Wenn es Infektionen gebe, seien die Verläufe zumeist symptomfrei oder mild. Krankenhauseinweisungen wegen schwerer Covid-19-Erkrankungen „sind bisher nicht mehr gemeldet worden“.

          Auch die Arbeiterwohlfahrt (AWO) berichtet, die Impfungen in den Heimen seien „gut angelaufen“, bis April würden die Zweitimpfungen abgeschlossen. Die Immunisierung sei „eine große Entlastung, die uns endlich wirkungsvollen Schutz für die uns Anvertrauten und für die Mitarbeitenden bringt“, sagt AWO-Bundesvorstand Brigitte Döcker. „Bis in den Einrichtungen Normalität einkehrt, wird aber noch einige Zeit vergehen.“ Das Rote Kreuz berichtet, es habe erfolgreich eine Aufklärungskampagne begonnen, „um der anfänglichen Impfskepsis bei einigen Mitarbeitenden entgegenzuwirken“. Je bekannter das Immunisierungsprogramm sei, desto höher sei die Beteiligung.

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