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Niedrige Impfquote : Südtirol kämpft gegen Impfskeptiker

Impfung? Nein danke! Junge Menschen in Südtirol gelten als Zauderer, die es zu überzeugen gilt. Bild: dpa

Das Schlusslicht Italiens: Nur 48,4 Prozent der Südtiroler haben sich bisher die erste Impfdosis verabreichen lassen. Die niedrige Impfquote sei kein organisatorisches Problem – Schuld seien die Impfskeptiker.

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          Die Regierung der autonomen Provinz Südtirol will einen „Kulturkampf“ gegen Impfskeptiker starten. Zugleich setzt sie die Impfpflicht für Angestellte im Gesundheitswesen mit der systematischen Dienstsuspendierung von Impfverweigerern durch. Landeshauptmann Arno Kompatscher konzedierte jüngst im Bozener Landtag: „Nach einem guten Start kommen wir nicht mehr so gut voran wie erwartet.“ In Zahlen heißt das: Nur 48,4 Prozent der impfberechtigten Südtiroler haben sich bisher die erste Impfdosis verabreichen lassen. Damit ist Südtirol Schlusslicht unter allen Regionen und autonomen Provinzen des Landes. In ganz Italien sind 55,7 Prozent der Impfberechtigten einmal geimpft. 32,3 Prozent haben nach der zweiten Dosis umfassende Immunität erlangt. Der Anteil der zwei Mal Geimpften liegt auch in Südtirol bei 32,3 Prozent.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Die recht niedrige Impfquote in Südtirol sei kein logistisches oder organisatorisches Problem, sondern ein Ausfluss der „tief verwurzelten No-Vax-Bewegung“, sagte Kompatscher dem Corriere della Sera: „Man spürt den Einfluss des deutschsprachigen Raumes.“ Deshalb müsse man einen „kulturellen Kampf“ gegen die Impfskeptiker führen, sagte er. In der Alterskohorte der mehr als 60 Jahre alten Bürger gebe es relativ wenig Impfverweigerer, das Problem seien die Menschen zwischen 30 und 50 Jahren sowie die Jüngeren. Es komme darauf an, die Zauderer zu überzeugen, sich rasch impfen zu lassen. Den ideologisch überzeugten Impfgegnern könne man nur schwer beikommen.

          161 Angestellte vom Dienst suspendiert

          Die Regierung in Bozen hofft, dass der zu Monatsbeginn europaweit eingeführte Green Pass ein zusätzlicher Impfanreiz ist. Der Green Pass, mittels dessen eine vollständige Impfung oder auch eine Genesung nachgewiesen wird, ermögliche den Zugang zu Veranstaltungen und Festen sowie das quarantänefreie Reisen über Landesgrenzen hinweg. „Auf Dauer sind die Tests lästig“, sagte Kompatscher.

          Derweil setzt die Landesregierung die Suspendierung von nicht geimpften Angestellten im Sanitätsbetrieb der Provinz fort. Bis Freitag wurden 161 Angestellte vom Dienst suspendiert: Ihnen wurde telefonisch mitgeteilt, dass sie nicht zur Arbeit zu erscheinen hätten. Bis voraussichtlich Jahresende dürfen diese Mitarbeiter keinen Kontakt mit Pflegebedürftigen haben. Ihnen wird bis dahin auch der Lohn gestrichen, sollte keine anderweitige Verwendung in Arbeitsbereichen ohne Patientenkontakt für sie gefunden werden. Nach Angaben der Regierung in Bozen sind 2400 Personen, die im Gesundheitsbereich der Provinz arbeiten, nicht gegen das Coronavirus geimpft. Rechtsgrundlage für die Suspendierung ist das Dekret der Regierung in Rom vom 1.April, wonach für Mitarbeiter in Einrichtungen des Gesundheitswesens faktisch eine Impfpflicht gilt.

          Zum provinzeigenen Sanitätsbetrieb gehören vier Gesundheitsbezirke und sieben Krankenhäuser. Für bisher ungeimpftes Personal sei jederzeit eine Immunisierung möglich, teilte die Regierung in Bozen mit. Bereits ausgesprochene Suspendierungen würden aufgehoben, wenn der volle Impfschutz erreicht sei. Die Verwaltung des Sanitätsbetriebs untersucht die Angaben von 1500 Angestellten, die sich „aus klinischen oder objektiven Gründen“ bisher nicht haben impfen lassen. Sollten die vorgebrachten Gründe als triftig eingeschätzt werden, erfolgt keine Suspendierung. Der Sanitätsbetrieb hat insgesamt 9200 Mitarbeiter. Angesichts der hohen Quote von Impfverweigerern unter den Angestellten im Gesundheitswesen, denen bald die Suspendierung vom Dienst droht, fürchten die Verwaltung des Sanitätsbetriebs und die Gewerkschaften Personalengpässe. Möglicherweise müssten geimpfte Mitarbeiter mit Urlaubssperren in der Ferienzeit rechnen, weil anders der Betrieb nicht aufrechterhalten werden könnte.

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