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Coronavirus in Deutschland : Impfung schützt Junge fast vollständig vor tödlichem Verlauf

  • Aktualisiert am

Eine Schülerin bei einer Corona-Impfung an einer Schule in Hessen. Bild: Frank Röth

Auf den Intensivstationen liegen wieder mehr Corona-Patienten. Betroffen sind vor allem jüngere Menschen. Dabei könnten Impfungen sie effektiv vor schweren Verläufen schützen.

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          Insgesamt 30.880 wahrscheinliche Impfdurchbrüche sind seit Februar 2021 registriert wurden, heißt es in einem am Donnerstagabend veröffentlichten Wochenbericht des Robert-Koch-Instituts (RKI). Der bei weitem größte Teil der in diesem Zeitraum an COVID-19 erkrankten Menschen sei jedoch nicht geimpft gewesen. Seit Beginn der Pandemie wurden laut RKI in Deutschland 4.562.948 COVID-19-Fälle registriert. 

          Basierend auf diesen Zahlen hat das RKI die Effektivität der Impfung berechnet. „Durch einen Vergleich des Anteils vollständig Geimpfter unter COVID-19-Fällen mit dem Anteil vollständig Geimpfter in der Bevölkerung ist es möglich, die Wirksamkeit der Impfung grob abzuschätzen“, heißt es in dem Bericht. Demnach schütze die Impfung junge Menschen im Alter von 18 bis 59 Jahren zu 96 Prozent vor einer Hospitalisierung und zu 97 Prozent vor einer Behandlung auf der Intensivstation. Bei älteren Menschen ab 60 Jahren verhindere die Impfung beides zu jeweils 94 Prozent.

          Die jungen Altersgruppen seien zudem fast vollständig vor einem tödlichen Verlauf der Krankheit geschützt. Lediglich ein Todesfall wurde bei den Geimpften im Alter zwischen 18 und 59 Jahren registriert. Bei der älteren Altersgruppe ab 60 Jahren schützt die Impfung zu 91 Prozent vor einem Tod durch COVID-19.  

          Als Impfdurchbruch bezeichnet das RKI SARS-CoV-2-Infektionen, die bei einer vollständig geimpften Person mittels PCR nachgewiesen werden. Ein vollständiger Impfschutz liegt laut RKI dann vor, wenn nach abgeschlossener Impfserie, die je nach Impfstoff eine oder zwei Dosen umfasst, mindestens zwei Wochen vergangen sind. Derzeit sind laut RKI 66 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal geimpft, 61,6 Prozent sind vollständig geimpft. Darüber hinaus erhielten bisher 108.497 Menschen eine Auffrischungsimpfung.

          Mehr Jüngere als Ältere auf Intensivstationen

          Die unzureichenden Impfquoten bei jüngeren Erwachsenen in der Corona-Pandemie spiegeln sich nach Einschätzung des RKI auch auf Deutschlands Intensivstationen wider. Unter den dort behandelten Menschen seien von Mitte August bis Anfang September mehr 18 bis 59-Jährige gewesen als Menschen über 60, hieß es im RKI-Wochenbericht. 

          Für diese Altersgruppe werden momentan auch die meisten Hospitalisierungen verzeichnet. „Die vierte Welle betrifft alle Altersgruppen, nahm zunächst aber insbesondere durch Infektionen innerhalb der jungen erwachsenen Bevölkerung an Fahrt auf und breitet sich zunehmend auch in höhere Altersgruppen aus“, heißt es in dem Wochenbericht weiter.

          Auf den Intensivstationen wuchs der Anteil an Covid-Patienten insgesamt wieder. Mit knapp 1400 Kranken entspreche der Anstieg 22 Prozent im Vergleich zur Vorwoche, heißt es in dem Bericht. Höchstwerte hatte es hier zuletzt um die Weihnachtszeit mit rund 5760 Intensivpatienten gegeben.

          Sieben-Tage-Inzidenz steigt früher als im vergangenen Herbst

          „Die Sieben-Tage-Inzidenz hat seit Anfang Juli 2021 deutlich zugenommen und steigt damit wesentlich früher und schneller an als im vergangenen Jahr, als vergleichbare Inzidenzen erst im Oktober erreicht wurden“, schreibt das RKI in seinem Wochenbericht. Nach Angaben vom Freitagmorgen lag sie bei 83,8 – am Vortag hatte der Wert bei 83,5 gelegen, vor einer Woche bei 80,2. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 12.969 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von Freitag, 15.20 Uhr wiedergeben.

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          Deutschlandweit wurden den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 55 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 45 Todesfälle gewesen. Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das RKI am Donnerstag mit 1,89 an (Vortag 1,79). Ein bundesweiter Schwellenwert, ab wann die Lage kritisch zu sehen ist, ist für die Hospitalisierungs-Inzidenz unter anderem wegen großer regionaler Unterschiede nicht vorgesehen. Der bisherige Höchstwert lag um die Weihnachtszeit bei rund 15,5.

          Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 3.810.100 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 92.553.

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