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Meldungen von Thrombosen : Corona-Impfung mit Astra-Zeneca in Deutschland ausgesetzt

  • Aktualisiert am

Impfungen mit Astra-Zeneca werden in Deutschland vorerst ausgesetzt. Bild: EPA

Die Bundesregierung folgt einer aktuellen Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts und setzt Impfungen mit dem Impfstoff von Astra-Zeneca vorsorglich aus. Weitere Untersuchungen seien notwendig.

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          Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat alle Corona-Impfungen mit dem Wirkstoff von Astra-Zeneca in Deutschland ausgesetzt. Dies betreffe Erst- und Zweitimpfungen, teilte der CDU-Politiker am Montag mit. Dies sei eine fachliche und keine politische Entscheidung auf Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts nach neuen Meldungen von Thrombosen der Hirnvenen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung.

          „Es ist sehr selten aufgetreten“, sagt Spahn. Bislang gebe es sieben berichtete Fälle, die im Zusammenhang mit einer Venenthrombose stehen könnten, bei mittlerweile über 1,6 Millionen Impfungen in Deutschland. „Uns allen ist die Tragweite dieser Entscheidung sehr bewusst“, fügte Spahn hinzu. Wie viele Impfungen nun ausfallen, blieb offen.

          Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA werde entscheiden, „ob und wie sich die neuen Erkenntnisse auf die Zulassung des Impfstoffes auswirken“, teilte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums mit. Auch Frankreich und Italien setzen die Impfungen mit dem Vakzin von Astra-Zeneca vorsorglich aus. Das kündigten der französische Präsident Emmanuel Macron und die italienische Arzneimittelbehörde am Montag an.

          Die Bundesregierung hatte zunächst auf eine Aussetzung der Astra-Zeneca-Impfungen verzichtet, nachdem am Donnerstag Dänemark diesen Schritt gegangen war. Kopenhagen hatte auf mehrere Fälle von schweren Blutgerinnseln nach Impfungen mit dem Vakzin verwiesen. Es folgten Norwegen, Island sowie die EU-Länder Bulgarien, Irland und am Sonntagabend dann auch die Niederlande. Österreich, Estland, Lettland, Litauen und Luxemburg setzten die Nutzung von einer bestimmten Astra-Zeneca-Charge aus, Rumänien stoppten die Nutzung einer anderen Charge.

          Astra-Zeneca: Sicherheit wissenschaftlich erwiesen

          Der britische-schwedische Pharmakonzern versicherte am Montag abermals die Sicherheit des Impfstoffs, die wissenschaftlich erwiesen sei. Ein Sprecher verwies auf die sehr geringe Zahl von Thrombose-Vorfällen nach Impfungen. „Eine sorgfältige Prüfung aller verfügbaren Sicherheitsdaten von mehr als 17 Millionen in der EU und Großbritannien mit Astra-Zenecas Covid-Impfstoff geimpften Personen hat keinen Beleg für ein erhöhtes Risiko von Lungenembolien, Thrombosen in den Beinvenen oder Thrombozytopenie gefunden, in keiner Altersgruppe, bei keinem Geschlecht, in keiner Charge und in keinem Land.“

          Bislang habe es 37 Vorfälle bei den 17 Millionen Impflingen gegeben. „Das ist viel weniger als in der allgemeinen Bevölkerung erwartet werden würde und es ist ähnlich wie bei anderen zugelassenen Covid-Vakzinen“, fügt Astra-Zeneca hinzu. Auch in den klinischen Tests sei die Zahl der Thrombose-Fälle niedriger als in der Vergleichsgruppe gewesen.

          Ähnlich äußerte sich Professor Andrew Pollard, der Direktor der Impfforschergruppe der Universität Oxford. Pollard sagte in der BBC, es gebe „sehr beruhigende Belege, dass es keine Zunahme von Blutgerinnsel-Phänomenen hier im Vereinigten Königreich gab, wo die meisten Dosen in Europa bislang eingesetzt worden sind“. 

          In Großbritannien sind seit Dezember fast 25 Millionen Menschen erstgeimpft worden, mehr als die Hälfte mit dem Oxford/Astra-Zeneca-Wirkstoff. Die Zahl der Corona-Infektionen, der schweren Erkrankungen und der Todesfälle ist inzwischen drastisch gesunken. Die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz liegt mit unter 60 je 100.000 Einwohner seit einigen Tagen deutlich unter dem Niveau in Deutschland.

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