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Corona-Impfstoff von Biontech : Zulassung soll noch vor Weihnachten kommen

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Ein Notfallsanitäter simuliert an einer Freiwilligen in einem Impfzentrum in Hanau den Ablauf einer Corona-Impfung. Bild: Boris Roessler/dpa

Berlin verzichtete auf eine Notzulassung des woanders bereits freigegebenen Impfstoffs – und macht nun Druck, sich nicht zu viel Zeit zu lassen. Gesundheitsminister Spahn nennt einen Termin, wann eine Mehrheit geimpft sein könnte.

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          Die Bundesregierung dringt laut einem Bericht bei der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA darauf, den vom Mainzer Pharmaunternehmen Biontech und dem amerikanischen Konzern Pfizer entwickelten Impfstoff gegen das Coronavirus noch vor Weihnachten zuzulassen. Das Bundeskanzleramt sowie das Bundesgesundheitsministerium verlangten intern von der EMA, den Impfstoff bis 23. Dezember zur Verimpfung auf EU-Ebene und damit auch in Deutschland freizugeben, berichtete das Blatt an diesem Dienstag unter Berufung auf Regierungs- und EU-Kreise.

          Die EMA hat bislang eine Entscheidung für den 29. Dezember angekündigt. Dies gelte in Kreisen der Bundesregierung als zu spät, meldete „Bild“. In Großbritannien, den Vereinigten Staaten und Kanada ist der Impfstoff bereits zugelassen. Dort liefen die Impfaktionen auch schon an.

          Zur Terminfrage sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Montagabend im ZDF-„heute-journal“: „Unser Ziel ist, dass es noch vor Weihnachten eine Zulassung gibt und dass wir dann auch noch in diesem Jahr beginnen können zu impfen.“

          Kritik an langer Prüfzeit

          SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach kritisierte die EMA dafür, dass sie bei der Zulassung des Impfstoffs hinter den Behörden anderer Staaten hinterherhinkt. Eine Notzulassung wie in Großbritannien sei auch in Deutschland rechtlich möglich, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Diese sei aber hierzulande nicht vorbereitet worden, „weil man mit der Verzögerung der Zulassung auf europäischer Ebene einfach nicht rechnen konnte“. Der SPD-Politiker zeigte sich „überrascht“ darüber, dass die Zulassung durch die EMA noch nicht erfolgt ist.

          Zur Frage, warum keine Notzulassung angestrebt wird, sagte Spahn in seinem Fernsehinterview: Eine ordentliche Zulassung mache Sinn, damit sich viele Bürger bereitwillig impfen ließen. „Aber ja, sie (die Impfung) sollte zügig kommen.“ Stand heute sei für das erste Quartal mit 12 bis 13 Millionen Impfdosen zu rechnen. Wenn es eine zusätzliche Zulassung von Astra Zeneca oder Johnson & Johnson in diesem ersten Quartal gäbe, „hätten wir auch zusätzliche Impfdosen verfügbar“, so der CDU-Politiker. „Das ist durchaus realistisch, aber eben auch noch nicht sicher.“

          Spahn: Verzögerte Zulassung beeinflusst nicht Liefermenge

          Er könne jedenfalls versichern, dass Deutschland durch die Notfallzulassung des Impfstoffes in den Vereinigten Staaten keine Nachteile haben werde. „Wir haben Verträge als Europäische Union, Großbritannien hat Verträge, die Vereinigten Staaten haben Verträge – und jeder hat sich eben fürs erste Quartal in diesen Verträgen auch entsprechende Mengen gesichert.“ Von den EU-Verträgen werde nichts weggenommen oder früher woanders hin ausgeliefert, „das ist nicht der Fall“.

          Spahn ging davon aus, dass bis Ende des nächsten Sommers eine Mehrheit in Deutschland gegen das Coronavirus geimpft sein könnten. Stand heute könne im Sommer mit einer solch großen Zahl an Impfdosen gerechnet werden, dass dann weite Teile der Bevölkerung geimpft werden könnten. Jedem, der wolle, solle bis dahin ein Impfangebot gemacht werden können. Laut Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist eine Durchimpfungsrate von 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung für eine wirkungsvolle Bekämpfung der Corona-Pandemie nötig.

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