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Trotz Astra-Zeneca-Problem : Kassenärzte sehen Beginn des Impfstarts in Praxen als gesichert

  • Aktualisiert am

Hausärztin Birgitt Lucas verabreicht einem 49-jährigen Patienten im bayerischen Naila die erste Impfung gegen Covid-19. Bild: dpa

Trotz der Querelen um den Astra-Zeneca-Impfstoff sehen die Kassenärzte dem Impfstart in den Hausarztpraxen optimistisch entgegen. Das Ziel, bis Ende des Sommers alle Impfwilligen zu immunisieren, sei noch erreichbar.

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          Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, sieht den Impfstart in Hausarztpraxen im April durch den teilweisen Astra-Zeneca-Impfstopp nicht gefährdet. „Und zwar deshalb nicht, weil der Impfstart in den Arztpraxen zunächst nur mit dem Impfstoff von Biontech und nicht mit Astra-Zeneca beginnen wird“, sagte Gassen der „Rheinischen Post“.

          Bund und Länder hatten am Dienstagabend nach einer Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) beschlossen, Astra-Zeneca in der Regel nur noch für Menschen ab 60 Jahre einzusetzen. Jüngere sollen sich „nach ärztlichem Ermessen und bei individueller Risikoanalyse nach sorgfältiger Aufklärung“ weiterhin damit impfen lassen können. Hintergrund sind Fälle von Blutgerinnseln (Thrombosen) in Hirnvenen.

          Ausgangssperren nicht zielführend

          Nach Ostern sollen Hausärzte bundesweit in die Impfkampagne einbezogen werden. Zunächst solle das Impfen in bis zu 50.000 Praxen stattfinden. Ende April/Anfang Mai werden dann bis zu 100.000 Arztpraxen Coronavirus-Impfungen verabreichen können.
          Der Astra-Zeneca-Impfstoff werde nach dieser Entscheidung nun vorwiegend in den Impfzentren eingesetzt, während in den Praxen eher Vakzine von Biontech und Johnson & Johnson verwendet würden, sagte Gassen. Trotz der Rückschläge hält er das Versprechen der Bundesregierung, bis Ende des Sommers allen Bürgerinnen und Bürgern ein Impfangebot zu machen, noch für haltbar.

          Gassen kritisierte jedoch das Corona-Management der Regierung scharf. „Ausgangssperren oder Reiseverbote sind nicht wirklich zielführend. Wir sollten diese harten Maßnahmen ganz schnell wieder wegpacken“, erklärte Gassen. Hinter der Idee der Ausgangssperre stehe ein „merkwürdiges Menschenbild“.

          Auch praktische Überlegungen hätten die KBV dazu gebracht, ihren Mitgliedern zu empfehlen, Astra-Zeneca nur Menschen über 60 zu spritzen, sagte der Vizechef der Bundesvereinigung, Stephan Hofmeister, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Der Zeitbedarf für eine Beratung und intensive Aufklärung jüngerer Patienten steht einer schnellen Impfkampagne diametral entgegen“, so Hofmeister. „Wir wollen schnell und zügig impfen.“

          Für den Fall, dass ein Arzt doch mit Astra-Zeneca impfen wolle, sagte der KBV-Vize: „Die Bringschuld der Praxis ist höher, weil in einem möglichen Prozess detailliert dargelegt werden muss, dass alle Aufklärungs- und Beratungspflichten erfüllt wurden.“ Der Chef des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, sagte dem RND: „Ich würde den Kolleginnen und Kollegen raten, mit den Impfungen von unter 60-Jährigen mit diesem Impfstoff zunächst abzuwarten, bis der Sachverhalt klarer und detaillierter vorliegt.“

          Vorerst keine Impfung bei Privatärzten?

          Der Nachrichtendienst t-online meldete in der Nacht, dass zum 1. April eine neue Impfverordnung in Kraft treten solle, die Privatärzte sowie Betriebsärzte vom Impfstart ausschließe. Demnach sollen betroffene Privatpatienten zunächst keine Impfung erhalten.

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          „Die neue Impfverordnung tritt heute Nacht in Kraft und betrifft Privatärzte und Betriebsärzte“, zitierte t-online eine Sprecherin des Privatärztlichen Bundesverbands (PBV). „Da geht es nur noch um Macht, es kann nicht mehr um den Patienten oder die Pandemie gehen.“ Die Sprecherin sagte, der Impfstoff werde dann neu aufgeteilt. „Durch das knappe Kontingent konnten nicht alle Praxen ihre bestellten Impfmengen bekommen – durch das Kontingent der Privatärzte wird das der anderen aufgefüllt, zumindest wenn der jeweilige Hausarzt mehr bestellt hat, als er zuvor bekommen konnte.“

          Der PBV kritisiert die neue Impfverordnung laut dem Bericht scharf: „Das ist eine Ungleichbehandlung: Kassenpatienten dürfen zum Arzt ihres Vertrauens gehen, um sich impfen zu lassen, Privatpatienten müssen zu Impfzentren oder anderen Impfärzten und dürfen somit nicht frei wählen.“ Der PBV werde „alle rechtlichen und politischen Möglichkeiten“ prüfen, damit möglichst viele Ärzte (auch Privatärzte und Betriebsärzte) Patienten impfen können, so der Bericht weiter. „Je schneller die Bevölkerung geimpft ist, desto schneller können die Restriktionen zurückgenommen werden

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