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Gesundheitsexperte : Corona-Impfprozess dauert mindestens vier Jahre

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Corona-Impfstoffe könnten in wenigen Monaten bereits zugelassen werden. Wer den Impfstoff verabreicht bekommen soll, ist umstritten. Bild: Reuters

Der ehemalige Vizechef des Sachverständigenrats Gesundheit rechnet im besten Fall mit einer Corona-Impfkampagne von 1000 Tagen. Bei Polio habe man Jahrzehnte benötigt.

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          Der ehemalige stellvertretende Vorsitzende des Sachverständigenrats Gesundheit der Bundesregierung, Matthias Schrappe, sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, er rechne damit, dass eine Impfkampagne gegen Corona mehrere Jahre dauern werde. In einer Modellrechnung seien seine Kollegen und er von 60 Millionen Menschen ausgegangen, die geimpft werden müssten, hieß es in dem Bericht. Wenn pro Arbeitstag 60.000 Impfdosen verabreicht würden, werde die Impfung aller 1000 Arbeitstage dauern. „Also etwa vier Jahre“, erklärt der Mediziner. Diese Rechnung sei aber wahrscheinlich noch zu optimistisch. Impfprogramme in der Vergangenheit – wie gegen Pocken oder Polio – hätten Jahrzehnte gedauert. „Das ist ein komplizierter gesellschaftlicher Prozess“, sagte Schrappe. Schon einen Konsens zu finden, wer zuerst geimpft werde, sei schwierig. „Das können nicht Ärzte entscheiden, dass muss die Politik regeln.“

          Unterdessen rät der Vorsitzende des Weltärztebunds, Frank Ulrich Montgomery, von einer verfrühten Entscheidung ab, welche Menschen als erstes gegen Corona geimpft werden sollen. „Ich wäre dagegen, jetzt schon eine Subdifferenzierung vorzunehmen“, sagte Montgomery den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Wichtig ist, überhaupt erst einmal Impfstoffe zur Verfügung zu haben.“ Wer dann als erstes geimpft werden solle, hänge auch davon ab, welches Vakzin zur Verfügung stehe, sagte Montgomery. „Da die auf unterschiedlichen pharmakologischen Prinzipien beruhen, wird es welche geben, die zum Beispiel bei älteren Menschen nicht wirken oder nicht so sicher sind wie andere.“

          Patientenschützer dagegen plädieren für eine bevorzugten Behandlung von Pflegebedürftigen und Altenpflegern bei Corona-Tests. „Viel testen hilft nur dann, wenn das Ergebnis innerhalb von 24 Stunden vorliegt“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, der „Rheinischen Post“. Bei den Pflegebedürftigen und Altenpflegekräften werde diese Zeitspanne immer seltener eingehalten. „Deshalb braucht es für diese Gruppen eine Priorisierung bei der Auswertung“, forderte Brysch. Angesichts eines absehbaren Engpasses bei den Laborkapazitäten für Corona-Tests bestehe Handlungsbedarf, die Situation verschärfe sich zusehends. Infektionsherde müssten möglichst rasch erkannt werden, mahnte Brysch. „Sonst erfolgen unnötige und für alle leidvolle, lange Quarantänemaßnahmen.“ Corona-Schnelltests seien sicherlich hilfreich, „ersetzen bei einem positiven Ergebnis jedoch nicht die Standardtests“.

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