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Corona im Amazonas : Indigene in Brasilien gefährdet

Ein Ärzte-Team verlässt eine indigene Gemeinde inmitten der Corona-Pandemie Bild: dpa

Die brasilianische Regierung soll Maßnahmen zum Schutz der indigenen Völker ergreifen, fordert ein Richter. Illegale Holzfäller und Goldsucher schleppen das Coronavirus in die von der Außenwelt abgeschnittenen Regionen ein.

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          Ein Richter des Obersten Gerichtshofs in Brasilien hat der Regierung von Präsident Jair Bolsonaro eine Frist eingeräumt, um Maßnahmen zum Schutz von drei Indigenengebieten in der Amazonasregion vor dem Coronavirus zu ergreifen. Der Richter Luis Roberto Barroso sprach von einer „sehr gravierenden Situation“ und forderte die „unverzügliche Einrichtung von sanitären Barrieren“.

          Tjerk Brühwiller

          Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Die Aufforderung Barrosos erfolgte auf Antrag der Dachorganisation indigener Völker, die der Regierung vorwirft, frühere Weisungen des Obersten Gerichtshofs nicht eingehalten zu haben. Bereits im Juli hatte der Richter die Regierung dazu angehalten, Schutzmaßnahmen einzuleiten. Überdies forderte Barroso die Behörden auf, weitere Indigenengebiete zu benennen, in denen es keine oder unzureichende Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus gibt.

          Die geforderten Schutzmaßnahmen gelten insbesondere für Gebiete, in denen von der Außenwelt isolierte Völker und Gemeinschaften leben. Diese sind besonders durch das Vordringen von illegalen Holzfällern und Goldsuchern gefährdet, die neben anderen Krankheiten auch das Coronavirus in die Regionen einschleppen. Die illegalen Aktivitäten in Schutzgebieten und Reservaten haben in den vergangenen Jahren zugenommen. Besonders der illegale Goldabbau hat sich zu einem einschneidenden Problem für die Natur und damit den Lebensraum der Indigenen entwickelt.

          Sterblichkeit der Indigenen besonders hoch

          Die bisherige Erfahrung mit der Pandemie hat gezeigt, dass die Sterblichkeit der Indigenen besonders hoch ist. Zwar entwickeln sie ebenso Antikörper gegen das neue Virus. Sie weisen jedoch einen allgemein schlechten Gesundheitszustand aus, da viele durch andere Krankheiten geschwächt sind. Auch Diabetes ist in einigen Völkern verbreitet.

          Hinzu kommt, dass die abgelegenen Gemeinschaften kaum Zugang zu medizinischer Versorgung haben. Wer ernsthaft erkrankt, schwebt in Lebensgefahr. Mitte Oktober zählten die Indigenenorganisationen Amazoniens mehr als 25.000 Fälle und fast 700 Tote unter den Angehörigen von 132 Völkern der Region.

          Die Ausbreitung des Coronavirus in Brasilien hat sich seit September verlangsamt. Allerdings zeichnet sich schon eine zweite Welle ab. Die Ansteckungen haben in den vergangenen Tagen wieder zugenommen, was statistisch auch auf die Verfügbarkeit von Tests zurückgeführt wird. In vielen Indianerreservaten ist die Situation unübersichtlich, da kaum Kontakt zu gewissen Gemeinschaften besteht und die Informationslage dürftig ist.

          Laut einem am Dienstag vorgestellten Plan des Gesundheitsministeriums sollen die rund 800.000 Indigenen in Brasilien zur ersten Gruppe der Bevölkerung gehören, die geimpft wird. Experten gehen davon aus, dass die in vier Phasen aufgeteilte Impfkampagne frühestens im kommenden März beginnt. Ziel der Behörden ist es, mindestens die Hälfte der 210 Millionen Brasilianer zu impfen.

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