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Corona-freier Inselstaat : Wie Neuseeland das Virus „zermalmt“ hat

Will vor Freude getanzt haben: Jacinda Ardern, Premierministerin von Neuseeland Bild: dpa

Neuseeland hat etwas geschafft, wovon die meisten Länder noch träumen: In dem Inselstaat gibt es keinen aktiven Corona-Fall mehr. Die Einschränkungen und Abstandsregeln werden aufgehoben.

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          Vor ihrer Tochter habe sie am Montag einen kleinen Tanz aufgeführt, sagte die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern. Grund für den Freudenausbruch war die Nachricht, dass es in Neuseeland nun keinen einzigen aktiven Corona-Fall mehr gibt. Die letzte noch gemeldete neuseeländische Covid-19-Patientin, eine über 50 Jahre alte Frau in Auckland, gilt als genesen, weil sie seit mehr als 48 Stunden keine Symptome mehr gezeigt hat. Ihren Tanz hat die populäre Premierministerin also durchaus zu Recht aufgeführt. Mit Entschlusskraft, Empathie und Authentizität hat die 39 Jahre alte Regierungschefin Neuseeland durch die Krise geführt. Dabei begründete sie den Erfolg selbst mit dem Verhalten ihrer Landsleute, die sich in „beispielloser Weise vereint“ hätten, um das Virus „zu zermalmen“.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Das scheint nun gelungen: Die letzte Neuinfektion mit dem Coronavirus liegt 17 Tage zurück. Die Zahl aller gemeldeten Fälle liegt bei 1154. Insgesamt 22 Menschen sind an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung gestorben. Das liegt angesichts des besonders strengen Lockdowns tatsächlich auch an der Geduld und der Disziplin der Neuseeländer. Mit der Verkündung am 24. März waren die Beschränkungen außerdem zu einer Zeit gekommen, als die Zahl der Infektionen noch überschaubar war. Doch der Verzicht hat sich gelohnt: Früher als die meisten anderen Länder kann Neuseeland nun zu einem weitgehend „normalen“ Leben zurückkehren. Dabei war es Zufall, dass die Nachricht von der genesenen letzten Patientin am selben Tag öffentlich wurde, an dem die Regierung auch das Ende sämtlicher Corona-Einschränkungen in Neuseeland verkündete.

          Wie Ardern ebenfalls mitteilte, dürfen die Neuseeländer von Dienstag an also wieder ohne Einschränkungen und Abstandsregeln ihrem Sozialleben nachgehen. Damit dürfen auch wieder öffentliche und private Veranstaltungen stattfinden. Das Gastgewerbe, der Einzelhandel und der Personennahverkehr können den Betrieb wieder aufnehmen. Nur der grenzüberschreitende Reiseverkehr bleibt eingeschränkt.

          Gesundheit der Bevölkerung als Priorität

          Der Inselstaat hat damit etwas geschafft, wovon die meisten Länder noch träumen. Für den Erfolg werden mehrere Gründe angeführt. So hat Neuseeland wohl auch von seiner isolierten Insellage und der niedrigen Bevölkerungsdichte profitiert. Die Regierungschefin selbst hat in der Krise den Rat der Wissenschaftler beherzigt und ihre Entscheidungen stets ausführlich der Bevölkerung erläutert.

          Zudem hatte Neuseeland schon frühzeitig nicht nur auf eine Eindämmungsstrategie gesetzt, sondern auf die komplette „Eliminierung“ des Virus. Die Gesundheit der Bevölkerung wurde zur Priorität erklärt, die Einschränkungen der Wirtschaft wurden in Kauf genommen; wohl auch in der Hoffnung, dass die Unternehmen frühzeitig ihre Arbeit wieder aufnehmen können. Wie führende Mediziner des Landes eingestanden, war diese Strategie nicht ohne Risiko. Denn die wirtschaftlichen und sozialen Folgen des Lockdowns sind groß. In gewisser Weise dürfte sich Neuseeland außerdem sogar im Nachteil befinden, wenn sich in anderen Ländern nach und nach so etwas wie „Herdenimmunität“ entwickelt.

          Ein paar mahnende Worte ließ die Regierungschefin denn auch noch fallen. Es werde im Verlauf der Öffnung mit hoher Wahrscheinlichkeit auch wieder neue Fälle geben. Doch dies sollte nicht als ein Zeichen des Scheiterns gesehen werden. Bis es zu der angedachten „transtasmanischen Reiseblase“ komme, unter der wieder ein normaler Reiseverkehr zwischen Neuseeland und dem Nachbarland Australien möglich sein solle, werde es auch noch eine Weile dauern. Jetzt freuen sich die Neuseeländer aber erst einmal über die Rückkehr zur Normalität. Schon für das Wochenende ist ein großes Turnier ihres heißgeliebten Nationalsports Rugby geplant. Es soll nun nicht wie ursprünglich gedacht vor leeren Rängen stattfinden, sondern vor Publikum.

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