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Corona-Forschung : Wer liefert wann das Medikament – und zu welchem Preis?

Chloroquin-Herstellung in China: Das Mittel wurde von Donald Trump beworben, obwohl es gerade für ältere Menschen gefährlich sein kann. Bild: Getty

Der Wettlauf um eine Arzneitherapie oder Impfung gegen Covid-19 nimmt Fahrt auf – mit allen unangenehmen Nebenwirkungen. Entscheidende Daten werden in vielen der Arzneistudien nicht genannt.

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          Es wird mit allen Mitteln versucht, mit und ohne Gentechnik, mit und ohne Künstliche Intelligenz – und doch fehlt bisher der Durchbruch in der Entwicklung eines Medikaments gegen den Pandemie-Erreger. Immerhin: Man tastet sich voran zum „Exit“-Mittel. Das erste Covid-19-Medikament überhaupt, das regulär zur Behandlung der neuen Coronavirus-Krankheit zugelassen worden ist, hat die amerikanische Zulassungsbehörde (FDA) jetzt zur Behandlung als „orphan drug“ – für „seltene Krankheiten“ – genehmigt.

          Joachim Müller-Jung
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Remdesivir ist als Mittel gegen Ebola gescheitert, hat sich aber bei ersten Corona-Heilversuchen in China als aussichtsreich erwiesen. Zugelassen wird das vom amerikanischen Hersteller Gilead entwickelte Mittel erst mal nur für Corona-Schwerstkranke. Dabei soll Remdesivir den größten Nutzen haben, wenn es möglichst früh nach Symptombeginn verabreicht wird.

          Um das tatsächlich auch zu beweisen und vor allem zu prüfen, ob das Mittel auch in der breiten Anwendung ohne schwerwiegende Nebenwirkungen bleibt, war noch vor der Zulassung auch der bisher größte Arzneitherapieversuch gegen den Pandemie-Erreger gestartet worden: „Adaptive Covid-19 Treatment Trial“ (ACTT) ist eine Multicenter-Studie mit 75 Kliniken auf der ganzen Welt, auch deutschen Krankenhäusern, in denen Remdesivir bei mehreren hundert Corona-Patienten auf seine Therapietauglichkeit getestet wird.

          ACTT ist eine von inzwischen mindestens 115 klinischen Arzneistudien mit unterschiedlichen Arzneiwirkstoffen, die im Kampf gegen das neue Coronavirus allein in den großen amerikanischen und chinesischen Datenbanken registriert sind. Die Zahl steigt sukzessive, je weiter die Seuche sich ausbreitet. Besteht also Aussicht, dass zumindest die extrem gefährdeten Risikopatienten bald schon vor dem Schlimmsten bewahrt und damit auch die Intensivabteilungen in den Kliniken entlastet werden könnten?

          Noch überwiegt die Skepsis, denn viele der in der Vergangenheit entwickelten antiviralen Wirkstoffe haben in den Zellkulturen im Labor die Virenvermehrung gebremst, waren dann aber in klinischen Studien durch unangenehm viele, auch lebensgefährliche Nebenwirkungen aufgefallen. Im „Journal of the American Medical Association“ warnt einer der führenden Internisten davor, solche experimentell verwendeten und teils auch für andere Krankheiten wie HIV, Ebola, Malaria oder Tuberkulose zugelassenen Mittel ohne größere kontrollierte klinische Studien breit einzusetzen.

          Beispiel Chloroquin: Das Mittel, das seit langem von Bayer unter dem Handelsnamen Resochin gegen Malaria-Parasiten verkauft wird, könne – dosisabhängig – wegen möglicher schwerwiegender Schäden fürs Herz, wegen möglicher schwerer Allergien, Immunzellschäden oder akuter Bauchspeicheldrüsen- oder Leberentzündung gerade für die vom Pandemie-Erreger am stärksten gefährdeten älteren, multimorbiden Personen problematisch sein. Ausgerechnet dieses Mittel bewarb der amerikanische Präsident Donald Trump. Jeder Amerikaner, der es braucht, solle das Mittel bekommen, ließ er auf Twitter wissen, als in den sozialen Medien die ersten erfolgversprechend klingenden Ergebnisse einer kleinen Chloroquin-Studie kursierten.

          Pharmaunternehmen treiben Preise hoch

          Die französische Studie, mit chinesischen Kooperationspartnern vorgenommen, gehört freilich genau zu der Sorte von klinischen Studien, vor der eine andere französische Virologengruppe von der Forschungseinrichtung Inserm in Paris jetzt warnt: Entscheidende Daten würden in vielen der Arzneistudien nicht genannt. Viele pharmakologische Mindeststandards werden sogar mehrheitlich nicht eingehalten. Und in fast zwei Dutzend Versuchen von chinesischen Medizinern, in denen Stammzellen zur Behandlung schwerkranker Corona-Patienten eingesetzt werden sollen, ist die Zahl der eingeschlossenen Patienten so klein, dass seriöse Aussagen über die Wirksamkeit überhaupt nicht gemacht werden können.

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