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Virologe Drosten : Weshalb Masken gegen Aerosole schützen sollen

Keine One-Man-Show mehr: Christian Drosten tritt im NDR-Podcast künftig in Abwechslung mit der Frankfurter Virologin Sandra Ciesek auf. Bild: dpa

Nach einer längeren Sommerpause meldet sich Virologe Christian Drosten im NDR-Podcast zurück. Während er in illegalen Partys künftige Corona-Hotspots sieht, hält er eine andere Debatte für ein „Medienphänomen“.

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          Es gebe da eine „Irritation“ zu klären, sagte Moderatorin Korinna Hennig gleich zu Beginn der Ausstrahlung am Dienstag. Christian Drosten habe nicht zwei Monate Urlaub gemacht, wie das in sozialen Medien kolportiert worden sei. „Es ist ein sehr arbeitsreicher Sommer gewesen“, gab der Virologe der Berliner Charité in seiner ersten Podcast-Folge auf NDR Info seit dem 23. Juni einen kleinen Einblick in die vergangenen zehn Wochen. Vielmehr als ein Familienbesuch bei Oma und Opa sei im verbleibenden Urlaub nicht drin gewesen.

          Dabei gibt es aus wissenschaftlicher Sicht laut Drosten nicht viel Neues zu erzählen. „Es gibt keine einzige wirklich neue Erkenntnis, die den Umgang mit der Pandemie verändern würde“, sagte der Virologe. Dafür sei er mit sehr vielen praktischen Fragen beschäftigt gewesen. Warum es denn mit denn Schnelltests nicht schneller gehe, zum Beispiel. „Viel Beratungsbedarf“ habe er festgestellt, gerade in Sachen PCR-Tests. Beraten habe er hauptsächlich die verschiedenen staatlichen Ämter unterhalb der höchsten politischen Ebene.

          „Es ist wie beim Mundgeruch“

          „Nicht unbedingt wissenschaftlich“ wollte Drosten auch seine wichtigste Botschaft an die Zuhörer verstanden wissen. Längst sei anerkannt, dass ein gewichtiger Teil der Virusübertragung über die Luft geschehe, über sogenannte Aerosole. Sie würden von einer schlecht sitzenden Maske nicht abgefangen. Gleichwohl schütze eine Maske in jedem Fall besser als keine Maske. „Es ist wie beim Mundgeruch“, sagte Drosten. Auch dieser bestehe aus Aerosolen, und werde hinter einer Maske nicht mehr wahrgenommen. Ähnlich reduziere der Mund-Nasen-Schutz auch das Infektionsrisiko. Die Problematik der Aerosole als Übertragungsweg des Coronavirus verglich Drosten mit dem Rauchen in geschlossenen Räumen: „Am Anfang ist der Rauch nur bei mir, nach einer Stunde im ganzen Raum.“

          Der Virologe gestand in der Podcast-Folge einen Zusammenhang zwischen dem in den vergangenen Wochen vermehrten verdachtsunabhängigen Testen und den gestiegenen Infektionszahlen ein. Viele Labore arbeiteten „an der Belastungsgrenze“. Dennoch gebe es gegenwärtig deutlich mehr positive Fälle als im Juni, als auch schon sehr viel getestet wurde. Die erhöhten Zahlen hingen, sagte Drosten, nicht nur mit dem vermehrten Testen zusammen.

          Warnung vor illegalen Partys

          Im Zusammenhang mit der Debatte um die Urlaubsrückkehrer wandte sich Drosten gegen einfache Deutungen. „Es gibt ganz unterschiedliche Reiserückkehrer“, sagte der Virologe. Viele würden nicht im großen Kreis feiern, sondern bloß ihre Angehörigen besuchen. Mehr Sorge bereiten Drosten in den kommenden Monaten das Feiern in geschlossenen Räumen. „Wer an einer illegalen Techno-Party teilnimmt, wird versuchen, die Symptome zu verstecken“, sagte Drosten voraus. Man habe nun eine völlig andere Art von Patienten als am Anfang der Pandemie, als sich vor allem ältere Menschen angesteckt hätten.

          Ein anderes zuletzt vieldiskutiertes Thema bezeichnet der Virologe dagegen als „Medienphänomen“. Er meinte damit die Berichte aus Hongkong, wonach sich ein 33 Jahre alter Mann zwei Mal infiziert haben soll. „Das sind Raritäten“, sagte Drosten. Er sprach im Podcast von einem „Mediengeheische“, schloss in seine Kritik aber ausdrücklich auch die Kollegen aus der Wissenschaft mit ein. Auch in den Niederlanden seien Forscher vorgeprescht mit der Aussage, sie hätten einen ähnlichen Fall gefunden.

          Wer einmal eine Covid-19-Erkrankung überstanden hat, ist nach Ansicht des Virologen - zumindest für die Dauer dieser Pandemie - immun. "Da bin ich sehr zuversichtlich." In Ausnahmefällen könne es zwar bei wiederholtem Kontakt mit dem Virus zu einer neuerlichen, oberflächlichen Infektion kommen, zu einer schweren Lungenentzündung würde es dann aber nicht kommen. Auch dürften aus solchen Fällen keine Infektionsketten mehr erwachsen, da die Viruskonzentration bei den Betroffenen zu gering sei, so Drosten.

          Zukünftig soll der Podcast mit Christian Drosten weniger als eine One-Man-Show wirken. Deshalb interviewt NDR Info den Virologen künftig in Abwechslung mit der Virologin Sandra Ciesek vom Institut für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt.

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